Eine Schwangerschaft zum Discountpreis – oder Geld zurück

In den USA bietet ein Arzt In-vitro-Behandlungen zum Billigpreis an. Dafür muss es künftigen Eltern egal sein, dass andere Familien Kinder mit dem exakt gleichen Erbgut aufziehen.

Der Preis der Schwangerschaft zum Billigpreis: Gleich mehrere Mütter könnten Babys mit dem gleichen Erbgut grossziehen.

Der Preis der Schwangerschaft zum Billigpreis: Gleich mehrere Mütter könnten Babys mit dem gleichen Erbgut grossziehen. Bild: Reuters

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Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können, investieren nicht selten ihr gesamtes Vermögen, um sich den Kinderwunsch mit Hilfe künstlicher Befruchtung zu erfüllen. Klappt die Befruchtung über längere Zeit hinweg nicht, geben sie den Wunsch mangels an Kräften oder Geld irgendwann auf. Eine Klinik im kalifornischen Davis bei Sacramento hat sich dies zu Nutze gemacht und bietet nun In-vitro-Fertilisationen zum Billigpreis an, wie die «Los Angeles Times» kürzlich berichtete.

Schwangerschaft dank fremder Eizellen

In den USA kostet eine einzige künstliche Befruchtung normalerweise durchschnittlich 12'400 Dollar, umgerechnet rund 11'500 Franken. Dr. Ernest Zeringue bietet drei Behandlungen innerhalb eines Jahres für 9800 Dollar mit einer Geld-zurück-Garantie an. Denn sollte die Behandlung erfolglos bleiben, erstattet seine Klinik die Behandlungskosten zurück. In der Schweiz kostet eine In-vitro-Fertilisation rund 7500 Franken.

Doch statt, wie auch hier in der Schweiz üblich, die Eizellen der Frau zu entnehmen und mit dem Samen des Mannes zu befruchten, kauft Zeringue Eizellen und Samen von Spendern ein und setzt diese seinen Patientinnen ein. Anders als in der Schweiz, Deutschland oder Österreich, sind solche Eizellenspenden in den USA erlaubt. Unzählige von Kliniken bieten diese Methoden an.

Gleiche Kinder bei anderen Elternpaaren

Zeringue kann seine Behandlungen so günstig anbieten, weil er die Eizellen einer Frau und die Samen eines Mannes einkauft und die befruchteten Embryonen gleich drei oder vier Patientinnen einpflanzt. Vor dem Erwerb der Spenden verschickt die Klinik allerdings Angaben wie Körpergrösse, Hautfarbe und Ausbildung der biologischen Mutter und des biologischen Vaters an mögliche Empfängerinnen. Erst wenn mehrere Frauen einer Einpflanzung eines solchen Embryos zustimmen, wird die Eizelle befruchtet. Die Klinik entscheidet also, wann wem welcher Embryo eingepflanzt wird, nicht das Elternpaar.

Potenzielle Eltern, die sich auf Zeringues Angebot einlassen, stimmen also nicht nur zu, dass ihr Kind keinen genetischen Bezug zu ihnen hat. Sondern sie nehmen für den eigenen Kinderwunsch auch die Tatsache hin, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit irgendwo ein Kind mit dem exakt gleichen Erbgut bei einem anderen Elternpaar aufwächst.

Keine rechtlichen Schwierigkeiten wie bei einer Adoption

Zeringues Methode wird in den USA scharf kritisiert: «Das bedeutet nichts anderes, als dass Kinder zur Ware gemacht werden», sagt etwa Andrew Vorzimer gegenüber der «Los Angeles Times». Der Anwalt aus Los Angeles ist auf rechtliche Aspekte der Fortpflanzung spezialisiert. Er sei bestürzt darüber, dass die Klinik und nicht das Paar, das sich Kinder wünscht, über die Embryonen entscheidet. Andere Experten sehen in dem Businessmodell hingegen kein Problem, denn die Konditionen, auf die sich die künftigen Eltern einlassen, seien von Anfang an bekannt.

Auch Zeringue selbst sieht in seiner Praktik kein Problem: «Die leibliche Mutter hat die Rechte an ihrem Embryo abgegeben», schreibt er auf seiner Website. «Anders als bei einer Adoption, muss sich die künftige Mutter also nicht mit rechtlichen Auseinandersetzungen betreffend Elternrechte auseinandersetzen», so der Arzt. Denn wenn die Befruchtung mit eigenen Eizellen nicht funktioniere, sei eine Eizellenspende die letzte Option vor der Adoption. Viele der Patientinnen hätten für die unzähligen Versuche, via künstliche Befruchtung schwanger zu werden, bereits ihr ganzes Vermögen aufgebraucht.

Zeringue ist die letzte Lösung

Da erscheint eine Geld-zurück-Garantie offenbar verlockend. Oder wie es Natosha Dukart, eine ehemalige Patientin, gegenüber der «Los Angeles Times» formuliert: «Das Warten auf ein gesundes Kind, das zur Adoption freigegeben wird, kann Jahre dauern und weitaus teurer sein als der Preis, den die Klinik verlangt», so die 39-Jährige. «Da wir, sollte es nicht klappen, kein finanzielles Risiko eingingen, mussten wir nicht lange überlegen.»

Zeringue hat Ende 2010 damit begonnen, Werbung für seine Behandlungen zu machen. Laut eigenen Angaben liessen sich seither fast 200 Frauen auf diese Weise behandeln. Bei 95 Prozent sei die Einpflanzung erfolgreich verlaufen, und sie seien inzwischen Mütter. Rund die Hälfte von ihnen hätte gar Zwillinge geboren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.04.2013, 14:00 Uhr

«Die leibliche Mutter hat die Rechte an ihrem Embryo abgegeben»: Dr. Ernest Zeringue vom Davis Fertility Center. (Bild: PD)

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