Einem Notarzt platzt der Kragen

Rettungskräfte werden beleidigt, bepöbelt, angegriffen. Warum? Unterwegs mit Dr. Flow, der eigentlich nur helfen will.

Gewalt gegen Notärzte kommt nicht selten vor: Einsatz auf einer deutschen Strasse. Foto: iStock

Gewalt gegen Notärzte kommt nicht selten vor: Einsatz auf einer deutschen Strasse. Foto: iStock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich hat er nicht nach dem Spickkärtchen gesucht, das macht man ja auch selten. Spicken. Und wenn doch, darf man nicht suchen nach dem Geheimnis, denn dann ist es meistens vorbei, dann fliegt alles auf. Es war also eher Zufall, dass der Notarzt die Brusttasche öffnete. «Und was ist da, ah, die Spickkarte», hatte er gesagt, die Einsatzjacke auf dem Schoss, Grösse 46, sie ist ihm zu gross.

Selbst hier, im schwachen Deckenlicht eines Kleinwagens, reflektiert der Notarzt-Aufdruck hinten auf der Jacke. Alles wirkt ein bisschen ernster, wenn so ein Aufdruck leuchtet, sogar das Gesicht eines Mannes, der gerade noch von einem Spickkärtchen gesprochen hat. Mitte 30 ist er, dunkler Vollbart.

Der Notarzt tastet jetzt in der Bauchtasche der Jacke herum, er wollte das Stethoskop zeigen, die Stifte, die Stirnlampe. Dann wird alles etwas technisch, weil er gerne über Technik spricht. Vielleicht, weil man nie zu viel über Technik sagen kann, über Menschen aber schon. Und über die Menschen in seinem Umfeld, Patienten, darf er nichts sagen, wegen der Schweigepflicht. Auch darum heisst der Notarzt hier so, wie er sich auf seinem Twitter-Account «Flow» nennt: Dr. Flow.

Dr. Flow schreibt auf Twitter über seinen Alltag als Anästhesist und Notarzt in einer Klinik in Deutschland. Meistens über Dinge, die nicht so gut laufen. «Hier Notarzt Dr. Flow. Ich habe hier einen Patienten mit Pneumonie.» Dann geht es darum, dass keine Klinik den Patienten aufnehmen will, weil die Betten knapp sind und der Patient auch noch somnolent ist. Der Sinn dieses Tweets ergibt sich nur für ein Fachpublikum, das sich bei «Pneumonie» und «Somnolenz» seufzend an den Kopf fasst. Bei einer Lungenentzündung und Schläfrigkeit. «Schwester LNA» ging es offensichtlich so, jedenfalls gefiel ihr dieser Tweet, und einem gewissen «doctorcat» und «Piektmalkurz». Vielleicht Kollegen von Dr. Flow, namentlich passt es ja ganz gut.

Jeder Vierte wurde schon mal angegriffen

Anfang des Jahres postete Dr. Flow einen Tweet, der sich nicht an ein Fachpublikum richtete, sondern an «Betrunkene und (sonstige) Gewalttätige». Er schrieb darin: «Wenn man als Arzt, Pfleger, Sanitäter oder Feuerwehrmann Angst um seine eigene Gesundheit haben muss, nur weil man versucht euch zu helfen, dann läuft irgendetwas gewaltig schief.» Für diesen Tweet bekam er sehr viel Zustimmung. Man muss kein Arzt sein, um zu verstehen, was Dr. Flow meint.

Seitdem ist er nervös, wenn er etwas twittert. Einem «Notarzt platzt der Kragen», schrieben Medien, dabei ist er eigentlich nicht der Typ, dem der Kragen platzt. Er ist ein höflicher Mensch, zurückhaltend.

«Für mein Gefühl haben die Übergriffe nicht zugenommen, aber die Leute sind brutaler geworden, rücksichtsloser.»Dr. Flow, Notarzt

«Es geht ja auch um die Sache und nicht um mich», hatte er auf dem Weg zum Parkplatz gesagt. Als dann ein Rettungswagen vorbeifuhr, winkende Kollegen hinter Glas, lief er noch etwas zackiger in den schwarzen Sicherheitsschuhen, die Sohlen dick wie Zigarettenschachteln.

Jetzt sitzt Dr. Flow in seinem weissen Auto mit der Einsatzjacke auf dem Schoss, um die Orte zu zeigen, an denen etwas schiefgelaufen ist. Er tippt aufs Navi, tippt auf «Favoriten», ausgerechnet, dort hat er die Adressen gespeichert.

«Für mein Gefühl haben die Übergriffe nicht zugenommen, aber die Leute sind brutaler geworden, rücksichtsloser», sagt er. Dann steckt er den Spickzettel zurück in die Tasche, dahin, wo manche Kollegen ein Pfefferspray haben.

Vor einem Jahr veröffentlichte die Ruhr-Universität eine Studie, die viel Beachtung fand, was für eine Studie nicht selbstverständlich ist. Aber das Thema hatte auch etwas Sensationelles: Gewalt gegen Brandschützer, Notärzte, Rettungssanitäter, das klingt nach Wahnsinn. 26 Prozent der befragten Rettungskräfte gaben an, während der Arbeit schon mal angegriffen worden zu sein, also jeder Vierte.

Die wirklich interessante Frage, woher der Zorn auf die Helfer kommt, die können Zahlen sowieso nicht beantworten. Darum suchte Thomas Feltes, der die Studie leitete, nach einer Erklärung. Er sagte vorsichtig, dass es eine «Tendenz zur Verrohung der Gesellschaft» gibt.

Aber was heisst das schon?

«In der Politik wird immer mehr mit Beleidigungen um sich geschmissen», sagt Dr. Flow jetzt im Auto: «Vielleicht werden die Menschen darum auch privat aggressiver.» Längst nicht alle natürlich, die meisten Patienten sind nett und friedlich. Einmal haben sie Gebäck von einer Verkäuferin geschenkt bekommen, erzählt er. Tütenweise, damit sie die Dankbarkeit mit nach Hause nehmen konnten. Oder auch mal ein bisschen Geld für die Kaffeekasse. So etwas gibt es noch, Kaffeekassen und Menschen, die an Kaffeekassen denken, meistens sind das ältere Patienten.

«Ich bin nicht der Stärkste, ich bin auch nicht ausgebildet in irgendeiner Kampfsportart.»Dr. Flow, Notarzt

Für viele Patienten, die nicht nett sind, hat Dr. Flow Verständnis. Etwa für Menschen mit Wahnvorstellungen, die gefährlich werden können, weil sie den Bezug zur Realität verloren haben. Dann sehen sie zum Beispiel den Teufel statt den Notarzt. Wer will schon Hilfe vom Teufel, da kann man irgendwie mitfühlen.

Dr. Flow biegt an einer Kreuzung ab, eine Strasse zu früh, sagt das Navi. Er sagt: «Nee, das war nicht da vorne», Erinnerungen sind genauer als GPS-Daten.

Er parkt das Auto am Rand einer schmalen Allee neben einem Maschendrahtzaun mit Stacheldraht, dahinter eine Autovermietung, dahinter die Bahnschienen, und dahinter wirds auch nicht schöner. An einem der Bäume, sagt er, die Autoscheinwerfer verlängern seinen Zeigefinger, an einem der Bäume lehnte vor ein paar Jahren ein Mann, nachts um zwei, reglos, aber wach. Die Rettungssanitäter trugen ihn in den Wagen, sagt Dr. Flow. Ob er verletzt sei, was denn los war am Strassenrand?

Da baute sich der Mann auf, schwer und breit, schlug nach dem Notarzt und seiner Kollegin, schrie, «Ich geh jetzt, ihr Scheisssanis», und wären damals nicht zwei Polizisten dabei gewesen, die sich auf den Mann stürzten, wer weiss, was passiert wäre. «Ich bin nicht der Grösste, ich bin auch nicht der Stärkste, ich bin auch nicht ausgebildet in irgendeiner Kampfsportart oder was weiss ich.» Dr. Flow schaut wieder auf den Baum, dick und krumm. «Ich wollte einfach nur weg da.»

«Vorsicht, die haut»

In Vertrauensrankings für Berufe stehen Feuerwehrleute und Sanitäter jeweils ganz oben, dann die Treppe runter, vorbei an Lehrern und Softwarespezialisten, auf den letzten Stufen wie üblich die Journalisten und Versicherungsvertreter. Im Keller, wo kein Vertrauen mehr hinreicht, hausen die Politiker.

Wie geht das zusammen, der Mann von der Strasse, diese Aggression gegen Menschen, die helfen, und auf der anderen Seite dieses Helden-Ranking?

«Ich habe das Gefühl, dass es zurzeit wieder Trend ist, sich aufputschende Substanzen einzuschmeissen.»Dr. Flow, Notarzt

Dr. Flow fährt an kleinen Einfamilienhäusern vorbei, Zaun an Zaun, dann weiter eine Strasse entlang, die abgelegen aussieht, aber mitten durch ein Wohngebiet führt. Ein Zigarettenautomat steht da. Keine schönen Häuser mehr, sondern Sozialwohnungen, Wand an Wand, grau wie der Bordstein. «Hier wohnt eine Dauerkundin, wenn man das so sagen kann», sagt Dr. Flow leise, so, als könnte sie ihn hören. Eine junge Frau, häufig sturzbetrunken und dann sehr wütend. Regelmässig sammelt sie ein Rettungswagen in einem kleinen Waldstück auf, das hinter den schönen Häusern beginnt und da auch wieder aufhört. «Vorsicht, die haut», sagten seine Kollegen noch schnell, als er ihr eine Infusion legen wollte. Aber sie war schneller.

Er hat nicht wirklich wehgetan, der schlaffe Schlag. Auch die ganzen Beleidigungen, das Rumgeschimpfe, die Diskutiererei, wie viele Flaschen ein Feierabendbier hat – das ist es nicht, was ihn frustriert, sagt Dr. Flow. Sondern das Gefühl, dass die Hemmschwelle so weit gesunken ist, fast schon verschwunden.

Ein Kollege erzählte ihm, dass ein Patient eine Sauerstoffflasche nach ihm warf, wie einen Hinkelstein, zehn Kilo schwer. In Kelheim bei Regensburg verfolgte ein Mann mit einer Eisenstange eine Sanitäterin und demolierte dann den Einsatzwagen, in den sie geflüchtet war. In Wiesbaden lockerten Unbekannte die Radmuttern eines Rettungswagens, während die Sanitäter einen Patienten versorgten. Woher kommt das?

Wie ist das mit Gewalt und Drogen?

«Ich habe das Gefühl, dass es zurzeit wieder Trend ist, sich aufputschende Substanzen einzuschmeissen, die Richtung Crystal Meth gehen. Die aggressionssteigernd wirken», sagt Dr. Flow. «Vielleicht spielt das eine Rolle.» Er sagt oft «Gefühl», weil er nicht die ganze Welt erklären will, nur seine. Im Auto leuchten die blauen Linien auf dem Navi, er fährt ihnen Richtung Süden nach. Beim Blinken macht Dr. Flow Schulterblicke, die bis über die Schulter gehen.

Die These, dass Drogen eine Rolle spielen könnten, hat ihn neugierig gemacht als Mensch, als Arzt. Auch, weil der Markt für neue psychoaktive Stoffe wächst – krude Substanzen, die ständig neu gemischt werden, damit sie nicht unter das Betäubungsgesetz fallen. Sie heissen dann «Badesalze» oder «Räucherstäbchen», nur entspannen sie nicht, im Gegenteil.

Ein Notarzt, der über Probleme spricht, passt nicht unbedingt in das Bild, das Klinikchefs gefällt.

Dr. Flow rief eine Freundin an, eine forensische Psychiaterin: Wie ist das mit Gewalt und Drogen? Gibt es einen Zusammenhang, eine Logik? Sie antwortete ihm, wie Fachspezialisten auf solche Fragen antworten: dass man nicht pauschalisieren darf, dass man «häufig» sagen muss, nicht «immer».

Häufig sind nicht die Suchtkranken aggressiv, sondern die, die sich betrinken, um Party zu machen. Dass dann häufig latente Probleme hochkommen, persönliche, psychische, soziale. Das habe ihm geholfen, die Dinge besser zu verstehen, sagt Dr. Flow. Häufig, nicht immer.

Gaffen und filmen

Das Gaffen zum Beispiel, wenn es da was zu verstehen gibt, dann versteht er es nicht. Dr. Flow hält an einem Fussgängerstreifen, rechts ein Parkplatz, links ein Einkaufszentrum. Vor Jahren überquerte ein Mann die Strasse und sah den LKW nicht kommen, vielleicht war es auch umgekehrt. Als die Rettungskräfte kamen, lag der Mann hinter dem Zebrastreifen, dahinter stand der LKW.

Mittendrin standen Menschen, 50 vielleicht, mit Einkaufstüten und Handys in der Hand, sie gafften und filmten aus Fenstern und Eingängen, aus Bussen und Autos, die sich vorbeidrängelten an dem Ort, an dem jemand mit dem Tod rang.

«Alles war vollgestanden mit Leuten», sagt Dr. Flow. «So, als hätten sie ein Recht zu erfahren, was da los ist.» Dieser Druck, unter Beobachtung zu arbeiten. Diese Wut, als sie mit dem Notarztauto nicht durchkamen. Diese Nacktheit.

Heute gibt es faltbare Sichtschutzwände, damals gab es die noch nicht. Damals gab es nur Decken, und weil sie nicht mal Decken hatten für den Mann, nahmen die Rettungskräfte sich selbst als Wand. Meistens müsse man nicht viel sagen. «Schirm' die mal ab, oder so. Das macht man ja bewusst», sagt Dr. Flow. Instinkt, Anstand.

Weil der Anstand bei den Gaffern fehlt, brachten deutsche Politiker im vergangenen Jahr eine Gesetzesinitiative ein. Bis zu zwei Jahre Haft für Gaffer, die Verletze oder Tote filmen. Für Gaffer, die man erwischt. «Wir sind zu dritt oder zu viert und müssen den Patienten versorgen», sagt Dr. Flow. «Wir haben selten Zeit, einem Gaffer nachzurennen.»

Der Club der ganz Harten

Darüber hat er sich viele Gedanken gemacht, über die Gaffer, über diese Form der Gewalt. Die Tatütata-Serien im Fernsehen, das Heldenhafte, was so was mit einem Berufsstand macht. Um das zu verstehen, hilft ein Blick auf den Frühstückstisch. So nennt der Notarzt den Schichtwechsel morgens um sieben auf der Wache.

Kaffee, Brot und Marmelade, dazu ein kleiner Lagebericht: Die Nacht war so und so, hier ist der Piepser, da der Schlüssel. Sie haben am Frühstückstisch auch schon über kritische Einsätze diskutiert, über Pfeffersprays und Deeskalationstrainings, die das Rote Kreuz anbietet und auch empfiehlt, aber nicht vorschreibt.

«Das mit dem offen Reden ist so eine Sache», sagt Dr. Flow. Er fährt über den Fussgängerstreifen und weiter die Strasse entlang. Draussen ist es jetzt fast dunkel. «Der Rettungsdienst ist so ein bisschen der Club der ganz Harten.» Dr. Flow erinnert sich an Sätze von Kollegen, die klangen zum Beispiel so: «Was gestern wieder los war, die Alte, die hat sich wieder aufgeführt.» Oder so: «Haha, der Praktikant, als er zu der Leiche kam, der musste fast kotzen.»

«Man spielt es eher runter oder redet es klein», sagt Dr. Flow. Damit man die besonders schweren Einsätze nicht mit nach Hause nimmt, weil sie sonst vielleicht nie mehr gehen.

Schöne Bilder von Patienten, die glücklich vor einem Streuselkuchen sitzen, das sind gute Bilder.

Ein Kollege, der am Frühstückstisch gesteht, dass er Angst hatte bei einem Einsatz, Angst hatte vor «der Alten», der beschädigt das Bild. Als Dr. Flow damals seine Kollegin fragte, ob sie verletzt worden sei von dem Mann am Baum, sagte sie: «Passt schon.» Danach haben sie nicht noch mal darüber gesprochen.

Es gibt darum neben der Schweigepflicht noch einen anderen Grund, warum Dr. Flow anonym bleiben möchte: weil er nicht weiss, wie sein Chef reagieren würde, Chefarzt einer Uniklinik, «eher akademisch und konservativ», der vor Jahren ein Kamerateam aus seiner Klinik warf, weil er keine Journalisten im Haus haben wollte.

«Wenn ein Arzt Aufmerksamkeit will, dann wegen seiner medizinischen Leistung», sagt Dr. Flow. Schöne Bilder von Patienten, die glücklich vor einem Streuselkuchen sitzen, die rein-, raus- und rumgetragen werden, das sind gute Bilder. Nicht der Notarzt, der sagt, dass das Kurskonzept für die Notarztausbildung zu theoretisch sei. Dass er sich wünschen würde, dass die Führungsebene häufiger rausfährt und sich anguckt, was da los ist. Auch darum ist Dr. Flow vorsichtig. Weil er nicht weiss, wer hinter ihm stehen würde. «Wenn ich vor irgendwem Bammel hab', dann ist es so ein bissel vor meinem Chef», sagt er.

Die Runde im Auto ist jetzt vorbei, aber es fehlt noch eine Sache, ein Vorschlag, wie die Dunkelziffer kleiner werden könnte. Ein zweites Treffen also, dieses Mal zu Hause. Die Autobahn ist nicht weit von hier, aber man hört sie nicht. In der Küche von Dr. Flow brummt leise die Spülmaschine, im Wohnzimmer der Saugroboter, zusammen klingt es gemütlich.

Dr. Flow sitzt am Tisch und faltet ein Einsatzprotokoll auf, gelbliches Durchschlagpapier wie bei einer Quittung. Darauf steht alles, was einem Menschen wehtun kann. Winzige Kästchen. Schädel-Hirn, kaltschweissige Haut, Lungenödem. Kann man sich noch vorstellen. Stridor, Zyanose, Biot ist eher wieder was fürs Fachpublikum.

«Trust me I'm the doctor»

Dr. Flow fährt mit dem Kuli über die Kästchen, er liest sie nicht vor, er murmelt sich durch, er kennt sie alle. «Es gibt kein System, das Übergriffe auf Notärzte erfasst», sagt er. «Psyche aggressiv» kann man ankreuzen, aber das kann vieles heissen. Eine Bemerkung aufschreiben, unten rechts auf neun Linien, aber wer macht daraus später eine Zahl, etwas Messbares?

«Man könnte hier ein Feld machen.» Er schiebt die Kuli-Spitze in eine Lücke, zwischen den Kästchen «Schwerlasttransport erforderlich» und «Leitender Notarzt am Einsatz». Eine Lücke, so gross wie ein Kästchen, so gross wie ein Stück Realität. «Tätlich angegriffen, ja oder nein.»

Als Dr. Flow damals seinen Tweet postete, blinkte und brummte sein Handy wie verrückt.

Als Dr. Flow damals seinen Tweet postete, blinkte und brummte sein Handy wie verrückt, neue Nachricht, neuer Kommentar, bing, bing. «Twitter ist jetzt mal egal», sagte seine Frau irgendwann, und dann war Twitter egal, zumindest lautlos.

Langsam scrollt Dr. Flow über das Display. Auf seinem Profilbild trägt er die Einsatzjacke, sein Gesicht sieht man nicht, die Spickkarte auch nicht, dabei ist sie gar nicht so geheim, es stehen nämlich nur Dosierungsangaben für Medikamente drauf.

Unter der Einsatzjacke trägt Dr. Flow ein T-Shirt mit der Aufschrift «Trust me I'm the doctor», «Vertrauen Sie mir, ich bin der Arzt». Und es wird nicht ganz klar, ob das nun eine Bitte ist oder eine Aufforderung oder eine Erinnerung daran, was sogar im Krieg als einigermassen sicher galt: Sanitäter werden nicht angegriffen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 03.05.2019, 17:21 Uhr

Artikel zum Thema

Krawall-Ostern rund ums Zürcher Seebecken

Am Utoquai brannten am Wochenende mehrfach Container. Die Polizei wurde von Jugendlichen angegriffen. Ein Wasserwerfer war im Einsatz. Mehr...

Angriff auf Sanitäter: «Was kommt nach den Flaschen und Steinen?»

Wenn selbst Retter sich in Zürich nicht mehr sicher fühlen: Sanitäter Marco Neumann über Gewalt bei Einsätzen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

In den Farben seiner Heimmannschaft: Ein indischer Fan posiert bei der Cricket Weltmeisterschaft 2019 in Manchester für ein Foto. (16. Juni 2019)
(Bild: Oli Scarff) Mehr...