«Es gibt Grenzüberschreitungen von beiden Seiten»

In Deutschland tobt eine Diskussion über Sexismus in der Politik, nachdem zwei Journalistinnen von Belästigungen durch Politiker berichteten. Wie sieht es in der Schweiz aus?

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FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle habe sie ungebührlich angemacht und konnte nur von einer Parteisprecherin gebremst werden, berichtete Laura Himmelreich diese Woche im «Stern». Einige Wochen zuvor hatte Anne Meiritz mit einem Erfahrungsbericht über Sexismus in der Piratenpartei für Aufsehen gesorgt. Seither wird in Deutschland viel über den Sexismus von Politikern diskutiert.

Alte, mächtige Herren, die meinen, sie könnten sich bei jungen Frauen alles erlauben – gibt es das auch in der Schweiz? Verena Vonarburg, langjährige Bundeshauskorrespondentin von SRF und «Tages-Anzeiger» und seit 2011 PR-Beraterin, sagt dazu: «Die Schweiz ist hier keine Ausnahme. Das habe ich selber erlebt. Aber es ist sicher kein grosses Problem.»

Das Problem von Nähe und Distanz sei eher allgemein: «Im Bundeshaus sind sich Politik und Medien sehr nahe. Da gibt es Grenzüberschreitungen von beiden Seiten.» Beide sollten sich stets ihrer Rolle bewusst sein, meint Vonarburg.

Laut Eva Novak, Bundeshausjournalistin der «Neuen Luzerner Zeitung» und seit bald drei Jahren Präsidentin der Vereinigung der Bundeshausjournalisten, kam das Thema noch nie zur Sprache in der Vereinigung, seit sie Präsidentin ist. Auch Charlotte Walser, die seit drei Jahren für die Schweizerische Depeschenagentur im Bundeshaus arbeitet, sagt: «Anzüglichkeiten oder Zudringlichkeiten habe ich nie erlebt.» Gaby Szöllösy, ehemalige Bundeshauskorrespondentin von Radio DRS, hat ebenfalls keine gravierenden Erfahrungen gemacht – «mehr als flapsige Bemerkungen gabs nicht».

Derzeit gibt es also hierzulande keine Anzeichen für einen Belästigungs-Skandal, wie er derzeit die Polit-Landschaft unseres nördlichen Nachbarlands erschüttert. (lmm)

Erstellt: 25.01.2013, 15:49 Uhr

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