«Es wird bald fast keine armen Länder mehr geben»

Bill Gates ist ein Optimist. Die Geissel der Armut wird seiner Ansicht nach schon bald besiegt sein. Er nennt sogar ein genaues Jahr, das gar nicht mehr so weit in der Zukunft liegt.

Obdachlose Kinder in der indischen Stadt Siliguri. (2005)

Obdachlose Kinder in der indischen Stadt Siliguri. (2005) Bild: Reuters

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Eine Welt ohne Armut ist für Multimillionär Bill Gates keine Utopie, sondern schon bald greifbare Realität. Schon 2035 werde es fast keine armen Länder mehr geben, heisst es optimistisch im aktuellen Bericht seiner Stiftung.

Die Geissel der Armut wird aus Sicht von Bill Gates in spätestens 20 Jahren so gut wie besiegt sein. Er sei so optimistisch, diese Vorhersage zu machen, schrieb der Multimilliardär in dem veröffentlichten Jahresbericht seiner Stiftung. «Bis 2035 wird es fast keine armen Länder mehr in der Welt geben».

Gegenteiliger Standpunkt

Derzeit gebe es drei Mythen, die Fortschritte bei der Bekämpfung von Elend und Krankheit behinderten: Die Vorstellung, dass arme Länder zur Armut verdammt seien. Die Haltung, wonach Entwicklungshilfe eine Verschwendung sei. Und die Meinung, das Retten von Menschenleben führe zu Überbevölkerung.

«All diese drei spiegeln eine düstere Sicht auf die Zukunft wider, eine Sicht, wonach sich die Welt nicht verbessert, sondern arm und krank bleibt und immer voller wird», hiess es in dem 16 Seiten starken Brief der Bill & Melinda Gates Foundation weiter. «Wir nehmen aber den gegenteiligen Standpunkt ein, dass es der Welt bessergeht, und dass es ihr in zwei Dekaden noch bessergehen wird».

Mehr Kinder gehen zur Schule

Dabei verwies Gates auf Länder wie China, Indien, Brasilien und Botsuana, die einst als Sorgenkinder der Armut galten, heute jedoch Wirtschaftswachstum verzeichneten. Und in Afrika, das allzu oft als hoffnungslos beschrieben werde, sei die Lebenserwartung seit den 1960er Jahren trotz der HIV-Epidemie gestiegen. Mehr Kinder gingen inzwischen zur Schule und weniger Menschen litten Hunger, erklärte Gates.

Der Mitbegründer von Microsoft wandte sich zudem gegen Kritiker der Entwicklungshilfe, die aus deren Sicht zu teuer sei, in den Taschen korrupter Beamter lande oder die Empfängerländer in die Abhängigkeit treibe. Norwegen sei das weltweit grosszügigste Geberland und doch mache der Umfang der Finanzhilfen des Landes nur drei Prozent seines Budgets aus, schrieb Gates. Im Fall USA seien es gar weniger als ein Prozent oder rund 30 Milliarden Dollar (rund 22 Milliarden Euro) pro Jahr. Von dem Geld flössen elf Milliarden in Impfungen, Moskitonetze und andere Entwicklungsprojekte.

«Ziemlich optimistisch»

«Gesundheitshilfe ist eine phänomenale Investition», erklärte Gates. «Wenn ich mir anschaue, wie viel weniger Kinder sterben als noch vor 30 Jahren, und wie viele Menschen heute länger und gesünder leben, macht mich das mit Blick auf die Zukunft ziemlich optimistisch».

Seine Frau Melinda äusserte sich in dem Brief zu Befürchtungen einer Überbevölkerung der Erde im Falle verstärkter humanitärer Bemühungen. Dazu zog sie das Beispiel Brasilien heran, wo die Kindersterblichkeit und zugleich die Geburtenraten gesunken seien. Wenn mehr Kinder überlebten, hätten Eltern kleinere Familien, erklärte Melinda Gates. «Menschen sind keine Maschinen. Wir pflanzen uns nicht ohne Sinn und Verstand fort. Wir treffen Entscheidungen auf Grundlage der Umstände, mit denen wir konfrontiert sind».

Die in Seattle ansässige Bill & Melinda Gates Foundation gilt als die grösste Wohltätigkeitsorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung vor 13 Jahren investierte sie 28,3 Milliarden Dollar in Hilfsprojekte. (bru/AP)

Erstellt: 22.01.2014, 11:41 Uhr

«Der Welt geht es besser»: Bill Gates. (Bild: Bloomberg)

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