Flagshipstore – im neuen Franz Carl Weber Zürichs

Der Laden musste umziehen. Was neu ist? Ein «eigener Bahnhof» und hippe Angebote, die gekippt wurden. Hereinspaziert an Tag 1.

Viele Neugierige trieb es in den neuen Franz Carl Weber. (Video: Mirjam Ramseier)

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Es funktioniert noch nicht alles nach Plan. Hier, im neuen Franz Carl Weber am Zürcher Bahnhofplatz: Im unteren Stock herrscht Durchzug, sodass Verkäuferinnen mit Mütze und Schal arbeiten. Eine Wand muss noch durchbrochen werden, weil der Architekt sie falsch konzipiert hatte, und soeben traf die Meldung ein, dass der Lift defekt sei. «Kinderkrankheiten», sagt Yves Burger, der Geschäftsführer des grössten Schweizer Spielzeughändlers. «Die Kunden müssen ein wenig Verständnis haben. Bald funktioniert hier alles tadellos.»

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Die Züglete des Spielwarengeschäfts fordert den Angestellten einiges ab. Vom alten Standort an der Bahnhofstrasse zum neuen sind es zwar nur wenige Hundert Meter. Doch das Ziel ist ehrgeizig: Der Franz Carl Weber soll stets geöffnet sein, auch wenn die Kuschelbären, Legoschlösser, Trottinettes und sonstigen Kinderträume den Standort wechseln. Zu einträglich ist das Geschäft in dieser Jahreszeit, als dass man darauf verzichten könnte. Noch immer sind 30 Personen für den Umzug im Einsatz. Ständig werden weitere Kisten geliefert, Gestelle herumgeschoben und Waren einsortiert. Die Regale sind allerdings schon gut gefüllt.

Per Rutsche ins Erdgeschoss

Im Vorfeld schürte der Spielwarenhändler Spannung: Eine «neue Spiel-Ära», «eine Spielwelt der Extraklasse» wurde angekündigt. Das Prunkstück ist zweifelsohne die neue Rutschbahn, die kurvenreich vom ersten Stock ins Erdgeschoss führt. «Es gibt Kinder, die kommen nur wegen der Super-Rutsche», sagt Burger. Doch bevor gerutscht wird, passieren die Kinder erst Wände aus Spielzeug. Einen sprechenden Bären, eine Carrera-Bahn, einen Ponyhof – irgendwas ist sicherlich vorhanden, das die Buben und Mädchen um den Verstand bringt. Die Tricks der Verkaufspsychologie greifen schon in jungen Jahren.

Grosse Innovationen haben im Franz Carl Weber allerdings nicht Einzug gehalten. Das Sortiment im 1650 Quadratmeter grossen Ladenlokal ist mehr oder weniger dasselbe geblieben. Die Abteilung für Elektrospielzeug wurde ausgebaut: Spielzeug mit Algorithmen und künstlicher Intelligenz – darunter ein Roboterhund, der lernfähig ist und wahlweise bellend oder winselnd Befehle entgegennimmt. Oder der grosse Spielzeugrenner von 2016: die Hatchimals. Tiere, die aus einem Ei schlüpfen. Aber erst, wenn sich das Kind fürsorglich und während 20 Stunden um die Brut gekümmert hat. Weltweit waren sie ausverkauft – auch bei Franz Carl Weber. «Diesen Trends können wir uns nicht verschliessen», sagt Burger.

Keine Pizza mehr, dafür Partyartikel

Die grösste Erneuerung ist jedoch die Abteilung mit Partyartikeln. Darunter alles, was es für einen Kindergeburi braucht, und noch einiges mehr: Masken, Girlanden, Papierschlangen, Konfetti, Luftballons oder Kostüme. Ansonsten: massenhaft Spielzeug, jedoch ein deutlich abgespecktes Rahmenprogramm. Diverse Untermieter, die bis anhin bei Franz Carl Weber untergebracht waren, fielen weg – etwa die Pizzeria Dieci oder ein Kindercoiffeur.

Elektrospielzeug ist im Trend: Ein Mädchen und ein Hund beobachten im alten Franz Carl Weber an der Bahnhofstrasse einen Roboter-Welpen. (Bild: Esther Michel)

«Wir wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren», sagt Burger. Das Konzept der Diversifizierung habe sich auf Dauer nicht bewährt. Damit verhält sich der Spielzeughändler entgegen einem grossen Trend: dem ganzheitlichen Einkaufserlebnis, dem Spektakel nebst dem eigentlichen Verkaufssortiment. Im Detailhandel wird dieses Konzept immer lauter propagiert – man rüstet sich so gegen die wachsende Onlinekonkurrenz. «Der Zusatznutzen solcher Angebote ist für uns eher klein», sagt Burger. Die Spielsachen würden allein schon als Trumpf reichen, damit die Kinder zu Franz Carl Weber kommen. Das Onlinegeschäft lässt der Spielwarenhändler allerdings nicht links liegen. Im nächsten Jahr, irgendwann zwischen März und Juni, soll der erste Franz-Carl-Weber-Onlineshop lanciert werden.

Guter ÖV-Anschluss

Der Umzug an den Bahnhofplatz erfolgte für Franz Carl Weber nicht nur freiwillig. «Wir waren nicht mehr bereit, die hohen Mieten an der Bahnhofstrasse zu bezahlen», sagt Burger. Der Mietvertrag lief Ende 2016 aus, und die Gaydoul Group als Hauseigentümerin verlangte eine deutlich höhere Miete. Doch jetzt ist Burger glücklich. Am Bahnhofplatz sieht der Geschäftsführer die grossen Schaufenster und den guten ÖV-Anschluss als Vorteile: «Wir haben nun einen eigenen Bahnhof – das kann nicht jedes Geschäft von sich behaupten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2016, 06:53 Uhr

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