Hintergrund

Früher war alles besser

Man rauchte in Fernsehdiskussionen, hatte keine Angst vor Hautkrebs und wurde noch von einer Telefonistin weiterverbunden und von keiner dieser Computerstimmen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auswahl

Das Gute an der besten aller alten Zeiten ist, dass es jenseits von Gut und Böse nichts gab. Entweder, oder. So war die Welt. Militant geordnet, übersichtlich. Von allem gab es höchstens zwei, nicht allerlei. Das einzige Verkehrsmittel hiess Puch Maxi oder Ciao (Pomadenschwuchteln!), der Freund trug Puma und der Feind Adidas, man war Migros oder Coop, links oder rechts, Coca oder Pepsi, Stones oder Abba (Abba!). Der duale Alltag war eine Abfolge von finalen Entscheidungen, nicht von multioptionalen Abwägungen. Latte? Latte macchiato? Cappuccino? Grande und/oder mit Sojamilch? Die Wahldiversität von heute ist eine zeitfressende Zumutung. Kaum hat man aus Dutzenden Krankenkassen die garantiert Falsche gewählt und dort die garantiert unvorteilhafteste Franchise, ruft Swisscom, Cablecom, Sunrise, Orange an und nötigt einen zur Wahl aus sieben Spezialangeboten mit fünf «frei» kombinierbaren Preisplänen. Ach, wie einfältig-glücklich war doch die PTT-Zeit! Es herrschte trennscharfe Kargheit in allen Bereichen. Ein Schalter machte das Licht an oder aus, nichts da von lavierendem Dimmen. Es gab nichts Zwischengeschlechtliches, nichts Interreligiöses, nichts Grünliberales, wie überhaupt es keine Zeit des Unentschiedenen war. An allen Fronten standen sich zwei Fronten gegenüber, und nur die eine war die Richtige. Oh ja, man lebte gefährlich. Aber so ist das Leben: entweder gefährlich oder ungefähr. (adb)

Erstellt: 09.11.2010, 21:54 Uhr

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Reparaturen am Schiff: Ein Mann arbeitet auf einer Werft entlang des Buriganga Flusses am südlichen Rand der Stadt Dhaka in Bangladesch. (15. Oktober 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/NurPhoto/Getty Images) Mehr...