Für Frauen ist es am Sonntag zwischen 19 und 20 Uhr am gefährlichsten

Zwischen 2009 und 2011 haben die Fälle häuslicher Gewalt in der Schweiz um sieben Prozent abgenommen. Die Brutalität stieg aber, wie die Kriminalstatistik zeigt. Täter und Opfer sind vorwiegend Ausländer.

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Insgesamt registrierte die Polizei 2011 in der Schweiz 14'881 Fälle von häuslicher Gewalt. Gegenüber 2009 ist die Zahl um 7,3 Prozent zurückgegangen. Dies geht aus der heute veröffentlichten Kriminalstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

Zugenommen haben jedoch schwere Gewaltstraftaten im häuslichen Bereich wie Tötungsdelikte (+16,5 Prozent) und schwere Körperverletzung (+27,3 Prozent). Auch bei verschiedenen Arten psychischer Gewalt ist ein Anstieg zu verzeichnen, so z. B. bei übler Nachrede (+58,1 Prozent), Verleumdung (+22,4 Prozent) und Beschimpfung (+14,9 Prozent). Fälle von Vergewaltigung (–3,9 Prozent) und sexueller Nötigung (–11,9 Prozent) haben jedoch abgenommen.

Im Jahr 2011 ereigneten sich 38 Prozent aller registrierten Gewaltstraftaten im häuslichen Bereich. Bei den Tötungsdelikten ereignete sich gar mehr als die Hälfte der Fälle in den eigenen vier Wänden.

Ausländische Personen am meisten betroffen

Frauen waren gemäss der Kriminalstatistik im Jahr 2011 mehr als dreimal so häufig von häuslicher Gewalt betroffen als Männer. Die Täter waren gar viermal öfter Männer als Frauen. 45 Prozent der Opfer waren ausländischer Herkunft, bei den Tätern waren es gar 53 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung Opfer von häuslicher Gewalt zu werden, ist für ausländische Frauen viereinhalbmal höher als für Schweizerinnen. Ausländer und Ausländerinnen werden im Verhältnis rund dreieinhalbmal häufiger als Beschuldigte registriert als Schweizer und Schweizerinnen.

Gut die Hälfte aller Straftaten (53 Prozent) ereignet sich in einer aktuellen Partnerschaft, 28 Prozent in einer ehemaligen Beziehung. Die Straftaten in der Eltern-Kind-Beziehung machen elf Prozent der häuslichen Gewalt aus; auf die restlichen Familienbeziehungen entfallen acht Prozent.

Häusliche Gewaltstraftaten ereignen sich besonders häufig am Wochenende sowie in den frühen Abendstunden. Der häufigste Tatzeitpunkt liegt am Sonntagabend zwischen 19 und 20 Uhr. Die Delikte finden meist in der Wohnung des Opfers oder des Täters statt (75 Prozent der Fälle). Bei Tötungsdelikten und schwerer Körperverletzung wird meist mit Körpergewalt vorgegangen (48 Prozent); bei vollendeten Tötungsdelikten sind Schusswaffen die häufigsten Tatwaffen (41 Prozent). (bh)

Erstellt: 23.11.2012, 17:55 Uhr

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