GPS-Lockvelos gegen Diebe?

100 gestohlene Velos täglich in der Schweiz: Jetzt reichts der CVP Bern, sie kommt mit einem brisanten Vorstoss.

Wenn es nach der CVP geht, soll die Polizei künftig Testvelos mit GPS-Sendern ausstatten.

Wenn es nach der CVP geht, soll die Polizei künftig Testvelos mit GPS-Sendern ausstatten. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Zahl ist eindrücklich: Letztes Jahr stahlen Diebe in der Schweiz über hundert Velos am Tag. Auch wer in Bern mit dem Velo unterwegs ist, muss damit rechnen, dass er eines Tages vor einem leeren Veloständer stehen wird: Gemäss einer Studie des Kriminologischen Instituts der Universität Zürich wird im Kanton Bern in einem Zeitraum von fünf Jahren knapp ein Drittel aller Fahrradbesitzer einmal Opfer eines Velodiebstahls.

Die CVP zitiert diese Studie in einem Vorstoss im Stadtrat, mit dem die Politiker Velodieben an den Kragen gehen wollen. Die Partei wartet mit folgenden Vorschlägen für einen Pilotversuch auf: Die Polizei soll Lockvelos einsetzen oder Fahrräder codieren.

«Velobrücken genügen nicht»

Bei Lockvelos würden Testvelos der Polizei mit GPS-Sendern ausgestattet. Sobald sich das Velo bewegt, erhält die Polizei eine Meldung, kann das Fahrrad orten und den Dieb bestenfalls auf frischer Tat ertappen. Eine Codierung wäre laut CVP-Stadtrat Michael Daphinoff eine erweiterte Rahmennummer: Die Informationen zum Besitzer des Velos wären sofort elektronisch abrufbar, wodurch der Handel mit gestohlenen Fahrrädern erschwert würde.

Sowohl Lockvelos als auch Codierung betrachtet Daphinoff vor allem als Präventivmassnahmen: Würden die Massnahmen mit wirksamer Öffentlichkeitsarbeit begleitet, könnten Diebe vom Delikt abgehalten werden. Der Gemeinderat solle zudem prüfen, ob mit Partnern wie etwa Versicherungsgesellschaften bei der Prävention zusammengearbeitet werden könne und wie hoch die Kosten für Präventionskampagnen wären.

Ganz neu ist die Idee der CVP nicht: Anfang 2013 wurde ein Postulat der GLP-Fraktion, die Ködervelos mit GPS-Sendern forderte, im Stadtrat trotz positivem Echo seitens des Gemeinderats nicht überwiesen. Daphinoff ist dennoch überzeugt, dass es einen erneuten Versuch braucht: «Will Bern eine attraktive Velostadt sein, muss die Anzahl der Fahrraddiebstähle reduziert werden. Im Übrigen fordern wir nicht nur, dass der Gemeinderat den Einsatz von Lockvelos prüft, sondern dass er generell Massnahmen ausarbeitet, um Velodiebstähle zu verhindern.»

Das Postulat der GLP wurde 2013 nur knapp mit 32 zu 39 Stimmen abgelehnt. Manchmal brauche es halt mehrere Versuche, einer Idee zum Erfolg zu verhelfen, sagt Daphinoff. Wie frustrierend es ist, wenn das Zweirad plötzlich einfach verschwunden ist, hat er kürzlich am eigenen Leib erfahren: Sein oranger Renner wurde ihm vor der Haustüre weggeklaut.

Kampagne von 2012 nützte

Zum Postulat, das die CVP am Donnerstag einreichen will, äussert sich die Kantonspolizei wie bei aktuellen Vorstössen üblich nicht. Im Zusammenhang mit dem Vorstoss der GLP hiess es bei der Polizei, man wolle lieber auf Präventivmassnahmen setzen, anstatt Velodiebe mit Lockvelos zu verfolgen.

2012 lancierte die Polizei eine umfassende Kampagne, in der sie Velofahrer unter anderem dafür sensibilisierte, die Rahmennummer ihres Velos aufzuschreiben. Mit Erfolg: 1400 Diebstahlmeldungen weniger als 2011 gingen bei der Polizei ein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.10.2014, 08:42 Uhr

Artikel zum Thema

Mit dem GPS-Tracker in Zürich, Bern und Genf auf Velodiebe-Jagd

Datenblog Datenblog Haltet ihn! Die «SonntagsZeitung» jagte in drei Schweizer Städten Velodiebe. Das Resultat sehen Sie in einer interaktiven Storymap. Zum Blog

Eine Einladung für Velodiebe

Die abschliessbaren Veloparkplätze der Stadt Zürich sind nur ungenügend gegen Einbruch gesichert. Die Stadt hat das Problem erkannt, tut sich aber mit dessen Lösung schwer. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Wintereinbruch: Schafe grasen im Schnee nahe Loch Tay Perthshire, Schottland, Grossbritannien (10. Dezember 2017).
(Bild: Russel Cheyne) Mehr...