Hintergrund

Ganz schön beliebt

Psychologen und Soziologen erforschen intensiv das Phänomen Attraktivität in sozialen Netzwerken. Fazit: Es gibt ein paar Tricks, um sich auf Plattformen wie Facebook optimal in Szene zu setzen.

Frauen wechseln ihr Profilbild viel häufiger als Männer: Hipstamatic-Porträts.

Frauen wechseln ihr Profilbild viel häufiger als Männer: Hipstamatic-Porträts.

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Die Redewendung «Gegensätze ziehen sich an» scheint in der Liebe zu funktionieren, doch in sozialen Netzwerken wird eher Wert auf Ähnlichkeit gelegt. Wer zu seinen Facebook-Freunden einen Haufen gut aussehender Menschen zählt, der erscheint automatisch attraktiver – das fanden niederländische Forscher unlängst heraus.

«Gesund, glücklich und sexuell produktiv»

In einem Test wurden Teilnehmern unterschiedliche Profile von Personen gezeigt, die einmal besonders schöne und einmal weniger hübsche Freunde hatten. Der Clou: Die Profilfotos der Testperson wurden zuvor als «neutral» bewertet, also selber weder auffallend hübsch noch hässlich. Neben unseren individuellen Profilfotos, Interessen und Statusmeldungen prägen also vor allem die Fotos unserer Freundescommunity den Eindruck, den wir bei anderen hinterlassen. (Lesen Sie auch: «Das attraktivste Kapital».)

Das oberflächliche, aber erstaunliche Ergebnis: Fremde Menschen denken automatisch und ohne uns zu kennen, wir seien «gesund, glücklich und sexuell produktiv», sobald wir uns mit schönen Freunden umgeben. Und die sind ja in Kommentaren, Freundeslisten oder auf unseren verlinkten Fotos überall präsent.

Das Profilfoto ist das wichtigste Foto

Das Bedauerliche: Wir haben leider wenig Einfluss darauf, was unsere Freunde für Profilfotos auswählen. Dabei wissen wir selbst, dass nicht jeder Mensch fotogen ist und stellen selbst nur vorteilhafte Profilfotos von uns online. Denn mit dem Profilbild ist in der virtuellen Welt nicht zu spassen, wie die Studie ebenfalls zeigte: Wer viele Freunde bei Facebook hat, die auf ihren Profilfotos unfotogen wirken, der büsst ebenfalls an Attraktivität ein.

Doch auch attraktive Freunde machen nicht zufrieden. Im Gegenteil. Je mehr Facebook-Freunde jemand hat, desto mehr Zeit wird darauf verwendet, über anderer Leute Traumleben, Traumfrauen und Traumferien nachzudenken, und das wiederum schadet unserem Selbstbewusstsein, wie Marketingprofessor Dilney Goncalves herausgefunden hat.

Frauen setzen ihre Reize gezielt ein

Die Welt der sozialen Netzwerke wird derzeit intensiv erforscht. Soziologen, Psychologen, Informatiker – sie alle sind derzeit daran, die Finessen und Mechanismen der Netzwerkgesellschaft zu erkunden und die Erkenntnisse zu publizieren (etwa «10 Psychologische Fakten über Facebook»). Mit Freuden werden auch geschlechtsspezifische Unterschiede untersucht. Beispiele gefällig?

  • Frauen wechseln ihr Profilfoto weit häufiger als Männer. Das fand unter anderem Andra Siibak vom Centre for Internet Research der Universität Aarhus in Dänemark heraus. Das Ziel der Frauen sei, gesteigerte Aufmerksamkeit zu erregen und so mehr «dynamische Identitäten durch ihre Profilbilder als Männer zu schaffen». Auffallend: Frauen lächeln viel häufiger auf ihren Profilbildern (65 Prozent im Vergleich zu 24 Prozent der Männer). Und sie zeigen auch weit mehr von ihrem Körper, besonders gern ihre Schulterpartie und ihren Oberkörper. (Lesen Sie auch: «Verfängliche Flirttechnik».)
  • Im Gegensatz zu Männern spielen Frauen mehr mit ihren Reizen, und das gilt nicht nur für Facebook, sondern auch für Online-Dating-Plattformen. (Lesen Sie dazu auch:«Wer sich wie schnell abschleppen lässt».) Und wenn man an etwas lächerlich posierende Männer in Badehose am Strand denkt, ist das auch irgendwie verständlich. Doch im Grunde wollen sowohl Frauen als auch Männer bei Facebook in erster Linie einen freundschaftlichen Eindruck hinterlassen, so ein weiteres Ergebnis der Studie.
  • Und das eben inmitten unseres persönlichen Facebook-Freundeskreises, den wir ja selber in der Hand haben. Mehr als 800 «Freunde»? Vorsicht, denn auch das wirkt alles andere als attraktiv, wie Stephanie Tom Tong von der Michigan-State-Universität im Jahr 2008 bereits herausfand. Sie hat Studenten verschiedene Profile mit Freundeskreisen zwischen 102 und 902 Freunden bewerten lassen. Ihr Fazit: Wer um die 302 Freunde hat, hinterlässt den positivsten Eindruck auf Fremde. Alles darüber wirkt eher oberflächlich oder nach extremem Geltungsdrang.

Schliesslich: Bei einem eher massvollen Freundeskreis ist es dann vermutlich auch weniger wichtig, wie hübsch oder sexy unsere Profilfotos sind. Denn am meisten punktet man dadurch, dass man noch den Überblick über seine virtuellen Freunde behält.

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Erstellt: 28.06.2012, 21:47 Uhr

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«Dynamische Identität durch Wechsel der Profilbilder»: Andra Siibak.

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