Geld? Nein! Karriere? Nein!

Beim Jobwechsel steht Schweizern weder der Lohn noch die Karriere an erster Stelle. Was Priorität hat und worin sich hiesige Arbeitnehmer von anderen Ländern unterscheiden.

Wer den Job wechselt schaut sich den neuen Arbeitgeber ganz genau an: Bürobesichtigung im neuen Uetlihof der Credit Suisse. (Archivbild)

Wer den Job wechselt schaut sich den neuen Arbeitgeber ganz genau an: Bürobesichtigung im neuen Uetlihof der Credit Suisse. (Archivbild) Bild: Keystone

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Geld ist doch nicht alles bei einem Jobwechsel. Schweizer Angestellte suchen vor allem eine herausfordernde Arbeit und Autonomie am Arbeitsplatz. Damit unterscheiden sich die Schweizer deutlich von Angestellten in anderen Ländern.

Weltweit sind ein attraktives Gehaltspaket und Jobsicherheit die wichtigsten Kriterien, wenn Unternehmen Mitarbeiter anlocken wollen, wie aus einer Studie des Beratungsunternehmens Towers Watson hervorgeht. Für die heute veröffentlichte Studie wurden in 28 Ländern 32'000 Mitarbeiter befragt, darunter 505 in der Schweiz.

Dass Geld und Jobsicherheit in anderen Ländern höher gewichtet werden als hierzulande, habe mit der dortigen Wirtschaftslage zu tun, sagte Hans Münch von Towers Watson vor den Medien in Zürich. Hierzulande rangiert die Jobsicherheit auf Platz 3.

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In der Schweiz kommt ein attraktives Gehaltspaket erst auf Platz 6 in der Prioritätenliste der Angestellten bei einem Jobwechsel. Sogar das Image des Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber und flexible Arbeitsmöglichkeiten seien den Schweizern noch wichtiger als der Lohn, sagte Münch.

Im Ausland sind dagegen Karriereentwicklung sowie Trainings- und Weiterbildungsmöglichkeiten wichtiger als eine herausfordernde Arbeit, die das Topkriterium in der Schweiz ist.

Falsche Einschätzung der Unternehmen

Die meisten Unternehmen würden die Prioritäten der Angestellten falsch einschätzen, so dass das Werben um Talente nach wie vor zu einem beträchtlichen Teil über Geldanreize erfolge, erklärte Münch.

So würden viele Firmen denken, dass die Karrieremöglichkeit das Topkriterium der Angestellten bei einem Jobwechsel sei. Dabei kommt dieses Kriterium unter den wichtigsten Kriterien der Angestellten überhaupt nicht vor. Auch die Bedeutung der Jobsicherheit und der herausfordernden Tätigkeit werden von den Arbeitgebern falsch eingeschätzt.

Das Gehalt spielt erst bei der Mitarbeiterbindung eine Rolle, also dann wenn die Mitarbeiter sich überlegen, das Unternehmen zu verlassen. Dann ist ein attraktives Gehaltspaket das Topkriterium, vor der Karriereentwicklung und dem Vertrauen in die Unternehmensführung.

Wenn man mal in einer Firma angestellt sei, schaue man, ob der Lohn im internen und externen Vergleich stimme, erklärte Münch. Das Gleiche geschehe mit der Karriereentwicklung. «Wird ein sicherer, gewohnter Job gut bezahlt und werden Karriereentwicklungen auch monetär belohnt, so können Talente langfristig an ein Unternehmen gebunden werden.»

Sind Gehaltsfortschritte aber nur durch externe Wechsel zu realisieren, scheuten Schweizer einen Stellenwechsel nicht. Denn hierzulande sei der Arbeitsmarkt noch gesund. Dagegen seien in anderen Ländern die Mitarbeiter eher dazu verdammt, bei einem Unternehmen zu bleiben, sagte Münch.

60 Prozent nicht engagiert

Um die Angestellten zu engagierter Arbeit zu motivieren sind hierzulande die Kommunikation über die Ziele und die Strategie eines Unternehmens sowie der direkte Vorgesetzte die wichtigsten Kriterien für Schweizer Angestellte. Das Gehalt folgt erst auf Platz 4 der Motivationskriterien noch nach dem Image eines Unternehmens.

Nachhaltiges Engagement der Mitarbeiter könne also nicht nur durch Geld erreicht werden, sagte Krisztina Csedö von Towers Watson. Insgesamt seien lediglich 41 Prozent der Mitarbeiter einer Firma sehr engagiert. 15 Prozent wären engagiert, würden aber ausgebremst, beispielsweise durch nicht funktionierende Computer, sagte Münch.

17 Prozent der Angestellten machten Dienst nach Vorschrift. Und knapp ein Viertel sei unterdurchschnittlich engagiert. Hier liege Potenzial brach, sagte Münch. Denn mit den richtigen Massnahmen der Firmen könnten die ausgebremsten und deshalb frustrierten Mitarbeiter viel mehr leisten. (wid/sda)

Erstellt: 23.10.2014, 14:34 Uhr

Die wenigsten Frauen wollen ihr Berufsleben anders organisieren

In der Schweiz sehen sich 353'000 Personen durch die regelmässige Betreuung von Kindern oder Erwachsene im Beruf eingeschränkt. Aber nur eine Minderheit der berufstätigen Frauen würde ihr Berufsleben anders organisieren, wenn die Betreuungsfrage gelöst wäre.

Rund ein Drittel der Frauen mit Betreuungsaufgaben für eigene Kinder im Haushalt und ein Fünftel der Frauen mit Betreuungsaufgaben für Erwachsene haben diesen Wunsch nach Änderung, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) in seiner Publikation «Vereinbarkeit von Beruf und Familie» festhält. Bei den Männern ist dieser Wunsch noch seltener.

Männer fühlen sich durch Betreuungsaufgaben auch deutlich weniger bei der Arbeit eingeschränkt als Frauen. Bei den 15- bis 64-Jährigen sind es 11 Prozent, während bei den gleichaltrigen Frauen jede Vierte mit diesem Problem konfrontiert ist. Frauen mit Kindern sind zudem stärker betroffen (31%) als Frauen, die sich um Erwachsene kümmern (17%). (sda)

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