Hintergrund

Herr der Ringe, aber mit Frauen

«Game of Thrones» ist das Aufregendste, was Fernsehen derzeit zu bieten hat – und lässt erahnen, wie sich die Geschichtsschreibung mit mehr Frauenfiguren entwickelt hätte.

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Daenerys Targaryen will gerade in ein Bad steigen, als sie mit dreizehn Jahren erfährt, dass sie den Barbarenkönig Khal Drogo heiraten soll. Ihr Bruder erklärt ihr seine Absicht: «Wir kehren heim mit einer Armee, mit Khal Drogos Armee. Ich würde dich von seinem ganzen Stamm vögeln lassen, alle vierzigtausend Mann und ihre Pferde auch, wenn es nötig wäre.» Schockiert steigt sie in das noch siedend heisse Wasser. Ihre Dienerin warnt sie nicht, dass es viel zu heiss ist. Die Bedeutung dieser Szene in der «Game of Thrones» zeigt sich erst viel später. Zuerst scheint es die verstörte Reaktion eines jungen Mädchens zu sein, das sich selbst nicht mehr spüren will. In Tat und Wahrheit ist Daenerys aber so hitzeresistent wie eine Teflonpfanne («Feuer kann einen Drachen nicht töten»). Das ist ihre Gabe, diese soll sie viele Folgen weiter zur Königin über die Welt mit den zwei Kontinenten Westeros und Essos machen. (Lesen Sie auch: «Gefährliche Frauen»)

«Game of Thrones» ist wie «Lord of the Rings», aber mit Frauen. Das macht den Reiz der derzeit wohl besten Serie der Welt aus. Der US-Bezahlkanal HBO hat das epische Spektakel um Intrigen, Sex und rohe Gewalt grosszügig finanziert.

Nicht einfach nur elfenhafte Wesen

In sieben Königreichen kämpfen die Adelshäuser um die Macht – um den eisernen Thron. In einer Welt, in der die Länge von Sommer und Winter variabel und unvorhersehbar ist. Eine Jahreszeit kann Jahre, ja Jahrzehnte dauern. Bedroht wird das Spiel um die Macht von untoten Kreaturen jenseits einer hohen Eismauer, die Westeros vom unheimlichen und kalten Norden abriegeln soll. Die Serie basiert auf der Romanvorlage von «Das Lied von Eis und Feuer» des US-Amerikaners George R. R. Martin. Die komplexe Handlung umfasst zahlreiche Figuren und thematisiert unter anderem Politik, Machtkämpfe, gesellschaftliche Verhältnisse und Religion. Anders als in anderen Fantasy-Sagas wie «Star Wars» oder «Herr der Ringe» sind die weiblichen Figuren nicht einfach elfenhafte Wesen, welche die Männer mit Elixieren und Liebe stärken, sondern sie kämpfen auf ihre Art mit Sex und Intelligenz um Macht und Freiheit. (Lesen Sie auch: «Püppi und die starken Männer».)

Mal witzige, mal weise Dialoge trösten über die rohe Gewalt hinweg. «Wie möchtest du sterben, Tyrion, Sohn des Tywin?» Tyrion: «Im eigenen Bett, im Alter von 80, mit meinem Bauch voll Wein und meinem Schwanz im Mund einer Jungfrau.» Wie viele Köpfe in der Serie abgeschlagen werden, ist derzeit keiner Quelle zu entnehmen, aber es sind viele, sehr viele. (Lesen Sie auch: «Männer und die Lust auf Gewalt».)

Wenn der Hengst seine Stute nimmt

Macht man sich erst mal klar, dass es nur Kunstblut, wenn auch verdammt echt inszeniert, ist, kann man sich auf die Handlung einlassen. Und die hat es in sich. Gleich, wie er auf Rollenklischees verzichtet, sind auch Martins Helden voller Überraschungen. Sie sind nie ohne Fehler und zeigen, wie nah Gut und Böse beieinanderliegen. So kommt es auch, dass Daenerys Targaryen doch wieder auf sich allein gestellt ist, irgendwann, nachdem der Barbarenkönig sie «wie ein Hengst seine Stute genommen hat», sie für ihn ein Pferdeherz verspeist – und sich trotz aller Umstände in ihn verliebt hat.

Die beiden ersten Staffeln von «Game of Thrones» laufen ab Montag, 3. März, auf RTL 2.

Erstellt: 03.03.2014, 16:16 Uhr

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