Hunde, wollt ihr ewig glotzen?

Auch in Deutschland gibt es jetzt Dog TV. Damit sich der Hund nicht langweilt.

Fernsehen für Hundeaugen: Dog TV soll einsame Hunde ruhig stellen.


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Loriots Haustierexperte Dr. Arno Lindemann beantwortete einst die Frage «Sollen Hunde fernsehen?» mit einem klaren Jein: Unterhaltung ja, aber politische Beiträge und Krimis führten oft zu Schwindel und Verstopfung. Inzwischen hat die Realität die Satire überholt: Der Spartenkanal Dog TV, der 2012 in Kalifornien auf Sendung ging, hat weltweit schon über eine Million Abonnenten. Seit November gehört der Sender auch zum Programmbouquet der Deutschen Telekom (Entertain); andere Länder, darunter auch die Schweiz, und Kanäle wie Cat TV sollen folgen.

Dog TV sendet, ganz nach Dr. Lindemanns Rat, keine aufregenden Hundekrimis, sondern kurze, mit Entspannungsmusik unterlegte Clips, massgeschneidert für sensible Hundeseelen: schlafende Welpen, herumtollende Beag­les, Regentropfen in einer Pfütze, aber auch sanft stimulierende Spielideen für den aktiven Vierbeiner und Lehrfilme für den Problemhund, etwa über den korrekten Umgang mit Briefträgern und Autos. Das Programm soll nicht den täglichen Auslauf oder die Hundeschule ersetzen, sondern den einsamen Hund ruhigstellen: Dogsitting für Tiere, die unter Trennungsstress, Langeweile und Depressionen leiden, wenn Herrchen oder Frauchen aus dem Haus ist.

Die Berieselung verhindert nicht nur angeknabberte Sofas und lästiges Gebell. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen «speziell für die Augen und Ohren von Hunden konzipiert», ist Dog TV für die Hauptzielgruppe eine Wohltat. Hundeaugen sehen bekanntlich schwarzweiss, wo wir Farbfernsehen sehen; dafür nehmen sie als niederfrequentes Flackern wahr, was für Menschen schon ein Film ist. Mag sein, dass der Hund die Welt vor allem mit der Nase wahrnimmt und einen vollen Napf dem schönsten Tierfilm vorzieht. Aber Dog TV will ja auch keine trägen, fetten Couchpotatoes, sondern unseren besten Freund, so formuliert es Geschäftsführer Gilad Neuman, «glücklich und geistig aktiv» erhalten und so «die Welt besser machen».

Am Bildschirm schnüffeln

Meine Senta straft süsse Welpen und süssliches Gedudel aus der Flimmerkiste mit Verachtung und hebt nur müde die Brauen, wenn fröhliches Bellen an ihr Ohr dringt. Andere Hundebesitzer berichten dagegen stolz, ihr Tier beschnüffle schon mal interessiert den Bildschirm oder suche dahinter nach der Lärmquelle. Jüngste verhaltensbiologische Studien bestätigen jedenfalls Dr. Lindemanns Vermutung, dass das Fernsehverhalten der Hunde sehr von Rasse, Wesen und Charakter abhänge: Herdenhunde etwa liessen sich mit bewegten Objekten durchaus hinter dem Ofen hervorlocken, Spürhunde reagierten gelangweilt auf visuelle Reize. Castingshows, Daily Soaps aus dem Hundesalon und Hunderennen sind natürlich für alle tabu. Gleichwohl halten Tierschützer Dog TV für überflüssig und wenig artgerecht.

Aber das sind nur alte Beissreflexe. Noch steckt das Hundefernsehen in den Kinderschuhen. Aber wenn es erst einmal pfotenfreundliche Fernbedienungen und vielleicht sogar Riech-TV gibt, werden Hunde sich auch durch Abogebühren von acht Euro nicht mehr abschrecken lassen. Kürzlich gab es in Hundekreisen einiges Knurren, als die deutsche GEZ Rundfunkgebühren vom ungarischen Jagdhund Janosch (6) eintreiben wollte. Es war ein Missverständnis, aber man darf bezweifeln, ob sich intelligente Hunde auf die Dauer mit Bildern von Papierschiffchen im Teich und tapsigen Bernhardinern auf einer Blumenwiese zufriedengeben. Hunde, wollt ihr ewig zahlen? Schon wahr, Menschen-TV ist nicht viel besser, aber bei Youtube gibt es die Welpenvideos wenigstens umsonst.

Sind Sie Hundehalter und könnten sich vorstellen, Ihr Haustier vor solch ein TV-Programm zu setzen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren. Falls Sie die Reaktion Ihres Hundes auf das obige Video mit uns teilen möchten, freuen wir uns über Erfahrungsberichte oder ein Bild an community@tagesanzeiger.ch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.02.2015, 18:47 Uhr

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