Interview

«Ich würde meiner Freundin vorher ein Kind schenken»

Steve Schild möchte als erster Mensch auf den Mars – wenn es sein muss auch ohne Rückkehr. Im Interview erklärt er, weshalb er der Richtige für die Mission ist, für die sich bisher drei Schweizer beworben haben.

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Herr Schild, gibt es nichts, das Sie auf dieser Welt hält?
Es ist nicht so, dass ich das Leben hier satt hätte. Ich bin lediglich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und möchte mir damit einen Kindheitstraum erfüllen.

Zu Ihren Hobbys zählen Sie Reisen. Das One-Way-Ticket auf den Mars wäre Ihre letzte Reise (siehe Box).
Damit müsste ich leben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich für die Mission ausgewählt werde, ist ohnehin eher klein. Bis jetzt haben sich bereits fast 100'000 Leute für das Auswahlverfahren angemeldet.

Sie treten aber an, um zu gewinnen?
Auf jeden Fall. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch. Doch in erster Linie möchte ich der Menschheit zeigen, dass wir alles erreichen können, wenn wir nur möchten.

Weshalb sollte die Jury gerade Sie auswählen?
Ich habe schon einige Male bewiesen, dass ich die Fähigkeit habe, mich durchzusetzen. Im Distanzrutschen – eine der härtesten Sportarten der Welt - (Anm. d. Red.: eine Art Ausdauerrutschen im Hallenbad) habe ich es schon dreimal ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Ich bin körperlich also voll da. Auch mental fühle ich mich in der Lage, mit dem Druck umzugehen, der auf den Bewerbern lastet. Durch meine berufliche Tätigkeit in der Sicherheitstechnik und der Industrieelektronik verfüge ich zudem über technisches Know-how, das für die Mission wertvoll sein kann.

Was auf der Erde würden Sie am meisten vermissen?
Ganz klar meine Freundin. Sie ist sich der Situation bewusst, dennoch unterstützt sie meine Pläne voll und ganz. Sie ist der Meinung, dass jeder Mensch seine Träume verwirklichen soll.

Wann entstand bei Ihnen der Traum, der erste Mensch auf dem Mars zu sein?
Schon als kleines Kind habe ich vom Universum geträumt: Ich sah mich selbst in einem Raumschiff durchs Weltall fliegen. Dieses Bild hat sich bis heute in meinem Kopf festgesetzt.

Glauben Sie an ausserirdisches Leben?
Das Universum ist dermassen gross, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Menschen alleine sind. Ich glaube jedoch nicht, dass es auf dem Mars Aliens gibt.

Die Durchschnittstemperatur auf dem Mars beträgt -55 Grad. Gemütlichkeit fühlt sich anders an.
Das macht mir nichts aus. Ich bin der Typ, der im Winter mit kurzärmligen T-Shirts herumläuft, wenn alle anderen frieren.

Es soll auch Sonnenstürme geben, die für Menschen lebensgefährlich sind.
Ein bisschen Verrücktheit gehört dazu. Man kann nicht voraussagen, was genau passieren wird.

Die Mission soll im Jahr 2023 starten. Was, wenn Sie bis dahin eine Familie haben?
Ich habe meiner Freundin versprochen, ihr ein Kind zu schenken, falls ich für die Mission gewählt werde. Als Erinnerung an mich sozusagen (lacht). Die Zeit bis dahin wollen wir noch in vollen Zügen geniessen.

Das Auswahlverfahren soll sieben Jahre dauern und wird als Reality-Soap inszeniert. Sie sind gewiss nicht medienscheu?
Ich stehe eigentlich gerne im Mittelpunkt und hatte auch schon im deutschen Fernsehen einen Auftritt.

Vier Personen sollen auf den Mars geschickt werden. Was für Begleiter würden Sie sich wünschen?
Ein Komiker, der die Stimmung etwas auflockert und jemand, der auf psychologischer Ebene vermitteln kann, falls es zu Konflikten kommt. Ein Überlebenskünstler, der gut improvisieren kann, wäre vielleicht noch von Vorteil. Ich wäre dann der Spezialist für technische Angelegenheiten.

Sollen die Begleiter männlich oder weiblich sein?
Das ist mir egal. Bei einer hübschen Frau wäre meine Freundin wohl etwas eifersüchtig. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.05.2013, 15:57 Uhr

«Ich fühle micht mental bereit»: Steve Schild ist 28 Jahre alt und lebt im thurgauischen Balterswil. Auf der Webseite www.marsone.com kann für den Schweizer gestimmt werden.

One-Way-Ticket zum Mars

Eine niederländische Firma will im Jahr 2023 Menschen zum Mars schicken und das Ganze als Reality-Show im Fernsehen ausstrahlen. «Die Eroberung des Mars ist die wichtigste Etappe in der Geschichte der Menschheit», sagt der Ingenieur Mas Lansdorp, der zu diesem Zweck die Gesellschaft «Mars One» gründete.

Einen grossen Haken hat das Start-up-Projekt allerdings: eine Rückkehr vom Roten Planeten ist für die Abenteurer nicht möglich. Technisch sei das nicht zu machen, erläutert der 35-Jährige, der damit natürlich auf ethische Vorbehalte stösst.

Sechs Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Franken) soll seine Marsmission kosten – mehr als doppelt so viel wie die Curiosity-Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa, die den ersten bemannten Flug zum Mars erst 2030 plant. Bei einem Gespräch mit Paul Römer, einem der Macher von «Big Brother», kam Lansdorp die Idee, sein Projekt im Fernsehen zu vermarkten, um an das nötige Geld zu kommen. Wie in der erfolgreichen Reality-Serie, die 1999 auf Sendung ging, sollen auch bei «Mars One» die Auswahl der Astronauten, ihre siebenmonatige Reise und das Leben im All im Fernsehen zu sehen sein. (AFP)

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