Iiiiik ... Es ist SCHWEINMANN!

In der globalisierten Businesswelt ist Kreativität gefragt. Das Problem: Das braucht Unordentlichkeit.

Es lebe die Unordentlichkeit: Im Chaos entstehen kreative Ideen. Foto: Lorraine Boogich

Es lebe die Unordentlichkeit: Im Chaos entstehen kreative Ideen. Foto: Lorraine Boogich

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Längst hat die Globalisierung die Teppichetagen überrollt. Briten, Amerikaner und Chinesen kommen – als Chefs. Ihre Technologien, Märkte und Krisen kommen mit – als Problem. Für Schweizer Manager wird das Umfeld stetig härter. Wie überlebt man in der neuen ­Komplexität? Manchmal scheint es, als bräuchte man einen Superhelden, um Karriere zu machen. Oder zumindest die Hilfe eines ­Superhelden.

Mann: «Liebling, der Chef hat sich bei uns zum Abendessen angemeldet.»
Frau: «O Gott! Das ist ja schrecklich. Es ist ­alles so aufgeräumt!»
Mann: «Und wie sollen wir in kürzester Zeit unsere Wohnung verwüsten?»
Frau: «Was soll dein Boss von uns denken! Jetzt kann uns nur noch einer retten!»
Mann: «Dem Himmel sei Dank! Da kommt . . . SCHWEINMANN!»
SCHWEINMANN: «Ha! Grunz! Tob! OINK! OINK!»

In der Tat hat die Schweiz ein ernstes Problem bei der Ausbildung ihrer Führungskräfte: ihre Tradition von Sauberkeit, Pünktlichkeit und guter Organisation. Geht es nach amerikanischen Forschern, gedeiht die erfolgreichste Antwort auf Komplexität – Kreativität – gerade in der entgegengesetzten Umwelt.

Zerstreute sind einfallsreicher

So fasste etwa das Portal «Elite Daily» den ­Forschungsstand wie folgt zusammen: Menschen mit zerstreutem Gehirn sind im Schnitt einiges ­intelligenter und einfallsreicher als Leute, deren Gehirn im Alltag brauchbar funktioniert. Das aus zwei Gründen. Erstens, weil der Alltag mit herumliegenden Socken, verlegten Schlüsseln, vergessenen Terminen als Hindernisparcours den Kopf wacher hält als ein Alltag nach Taktfahrplan. Zum Zweiten, weil ein Gehirn am ehesten auf eine überraschende Lösung kommt, wenn es zerstreut und träumerisch funktioniert: Wenn also möglichst viele verschiedene Ideen aufeinanderprallen. Und das möglichst schroff. Denn, wie der Starautor Jonah Lehrer in seinem Bestseller «Imagine» schrieb: «Debatte und Kritik verhindern keine Ideen, sondern ermöglichen sie erst – mehr als jede andere Methode.»

Die Fähigkeit zur überraschenden Idee wird in einer komplexen Welt immer karriererelevanter. Das, weil sich die Welt nicht in Entwicklungen, sondern in Sprüngen fortbewegt. Alle entscheidenden Ereignisse, vom Fall der Berliner Mauer über das 9/11-Attentat, den Arabischen Frühling bis zur Finanzkrise, kamen für die Profis völlig überraschend. Der Motor der Welt ist das Wunder, manchmal auch das blaue.

Training mit Chaos

Um in einer chaotischen Welt zu managen, braucht es Training mit Chaos. Kein Wunder, gehören Exzentrik, desperate Erfahrungen, unordentliche Schreibtische bereits zu den Prestigedingen, die in US-Hightechfirmen über Karriere oder Nicht-Karriere entscheiden.

Die Frage ist natürlich, wie man als diszipliniertes Schweizer Talent nachziehen kann. Eric Barker, Kreativspezialist des «Time»-Magazins, empfiehlt Tagträumerei: von normalen 13 Prozent täglich lässt sich diese auf bis zu 40 Prozent steigern. Bahnbrechende Ideen entstehen am besten unter der warmen Dusche, bei Alkohol oder im Moment der physischen Erschöpfung. Kurz: Sobald man die Kontrolle über seine Gedanken hat, werden diese mittelmässig.

Als Soforthilfe könnte man Schweizer Managementtalenten durch Schnorfeldigorfel-Friedrich-Nietzsche-süsse Kleintiere!-Warum-ist-etwas-und-nicht-vielmehr-nichts?-Strukturierte-Produkte-Nackttanz-iiiiik-es-ist-SCHWEINMANN!-Einsprengsel in beliebigen Texten auf die Karriereleiter helfen. Und durch einen professionellen Schreibtisch-Vermüllungsdienst.

Andererseits: 2012 wurde der «Imagine»-Autor Jonah Lehrer wegen erfundener Zitate entlassen. Er war offensichtlich zu kreativ.

Was also tun als Schweizer Managementtalent, das eine steile Karriere anstrebt? Die Lösung ist einfach: Man muss seinen Schreibtisch gleichzeitig aufräumen und nicht aufräumen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2016, 22:39 Uhr

Artikel zum Thema

Geistige Ordnung

Blog Mag Das Jahr beginnt mit einer Herausforderung: Unser Autor muss sich von seinem Lieblingskalender verabschieden – und schmiedet neue Pläne. Zum Blog

Zum «rechten Menschen» gehört die Ordnung

Die frühere Erziehungsanstalt Landorf bei Bern gilt heute als Beispiel für die unmenschliche Behandlung von Kindern. Der Heimleiter war mein Grossvater. Exkursion in eine Zeit des pädagogischen Umbruchs. Mehr...

Regale ohne Grenzen

Sweet Home Ablagen sind weit mehr als nur eine Abstellfläche für Bücher – und bringen erst noch Ordnung in den Raum. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...