Im Superman-Kostüm zur Beerdigung

Neuer Trend, dem Liebsten Adieu zu sagen: Schwappt die britische Schrägheit zu uns herüber?

Der Verstorbene liebte Superhelden: Angehörige nach der Beerdigung eines Sechsjährigen. Foto: Tami Chappell (Reuters)

Der Verstorbene liebte Superhelden: Angehörige nach der Beerdigung eines Sechsjährigen. Foto: Tami Chappell (Reuters)

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Die Engländer sind schriller als unsereins. Das gilt auch für die Art, wie sie neuerdings Beerdigungen begehen. Zwar ändern sich klassische Übergangsrituale – in Massen – auch in der Schweiz. Doch trifft das vor allem aufs Heiraten zu; man liest von Unterwasservermählungen und von Paaren, die per Bungeejump ins Eheleben starten.

Beerdigungen bleiben eine ernstere Sache. Bei uns. In England sah man in letzter Zeit sehr viel Kurioses, berichtet der «Guardian». Etwa einen Leichenzug, dem der «Star Wars»-Finsterling Darth Vader voranschritt – der mit dem Lichtschwert. Andere Leute kamen als Comicfiguren: Tasmanian Devil, Beetlejuice, Spider-Man.

Ob das auch in den Schweizer Kirchen kommt?

Ein Drittel der Kunden wünscht sich die eigene Beerdigung nicht depressiv, sondern als Party. Diese Zahl liefert Co-op Funeralcare; die englische Firma organisiert jährlich über 100'000 Beerdigungen. Der Wertewandel hat Folgen – daher die Tendenz zu Beerdigungen mit einem bestimmten Thema. So wurden einmal alle Gäste aufgefordert, eine Leopardenkrawatte zu tragen, die dem Leopardendesign des Sarges entsprach. Ein andermal lag eine Frau im Sarg, die zu Lebzeiten eine Gamerin war; sie war als Prinzessin Zelda kostümiert – eine Videospielfigur.

Video: Wie auch noch getrauert werden kann Darth Vader leitet die Beerdigung eines «Star Wars»-Fans. Video: SWNS TV

Im Ansatz ist die Aufweichung der christlich geprägten Totenbräuche auch hierzulande beobachtbar. Etwa wenn statt Bach-Orgelmusik der Lieblingssound des Verstorbenen erklingt: Neil Young. Ein plausibles Szenario, dass bald einmal Särge mit bunten Ballons geschmückt werden, wie das in England offenbar häufig vorkommt.

Und prinzipiell ist heute auch im Tode das Personalisieren das Wichtigste: Das Ritual wird auf den Menschen zugeschnitten, dem es gilt. Wieso also nicht, wenn der Verstorbene Vampirserien mochte, eine Trauergemeinde im Dracula-Outfit? Ob das auch in den Schweizer Kirchen kommt? Man soll nie nie sagen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.05.2017, 10:15 Uhr

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