Kamasutra, pfui!

Während bei Kindernamen notfalls die Behörden eingreifen, ist bei Schweizer Hunden und Katzen offenbar alles erlaubt.

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Man freut sich ja heutzutage immer besonders, wenn wieder eine neue Geburtsanzeige im Briefkasten landet. Nicht wegen der dreiundvierzigsten Emma, dem siebzehnten Luca oder dem vermeintlich einzigartigen Paul. Wenn man Glück hat, steht da nämlich wieder so ein superkreativer Name, der haarscharf an der Namenspolizei vorbeigeschrammt ist.

Wie viel amüsanter das Leben noch sein könnte, kann erahnen, wer die Hitparaden der Schweizer Haustiernamen liest. Denn bei Hunden und Katzen gibt es offenbar überhaupt keine Tabus. 97'840 neu registrierte Haustiere hat die nationale Heimtierdatenbank Anis vergangenes Jahr erfasst. Die Katzen waren mit 49'095 leicht im Vorsprung im Vergleich zu den 48'153 Hunden, dazu gab es 592 Haustiere in der Kategorie «Diverse».

Luna ist die Emma bei Hunden und Katzen

Schnell wird klar: Die Zeiten von Fifi und Bello sind längst vorbei. Weder in der Deutschschweiz noch in der Westschweiz noch im Tessin haben es die einstigen Klassiker in die Top 10 geschafft. Heutzutage heisst man Luna, also Mond, wenn man moderne Katze oder Hündin ist. Insgesamt 13'191 Haustiere wurden 2014 auf diesen Namen getauft, davon 8563 Hunde und 4628 Katzen.

Luna ist also quasi, was die Emma oder Anna bei den Mädchen ist: Sie ist seit Jahren absolute Spitzenreiterin, und zwar in allen Sprachregionen. Einzig bei den französischen Katzen schaffte es hin und wieder der Name Chaton auf Platz 1, der in Zeiten von Unisex praktischerweise auch für Kater geht. Bei den Hundemännchen hält sich in allen Sprachregionen der Name Rocky wacker, während deutsche Kater am häufigsten auf den Namen Simba, französische auf Chaton und italienische auf Leo hören – oder auch nicht.

«Star Wars»-Besetzung bei Haustieren fast vollzählig

Während die Ewig-Bestenlisten bei den Haustiernamen so langweilig konstant sind wie bei den Menschenkindern, haben die Mitarbeitenden von Anis unter «Ferner liefen» einen interessanten Trend ausgemacht: So liegt quasi die komplette Besetzung von «Star Wars» in Schweizer Stuben herum. Besonders bei den Katzen tragen viele galaktisch kultige Namen wie Jabba, Anakin, Luke Skywalker oder Qui-Gon Jinn. Das könnte sich auf Ende 2015 nochmals zuspitzen, wenn der neuste «Star Wars»-Film in den Kinos anläuft.

Beliebt waren 2014 auch Modelabels. Armani, Gucci und Escada gehen nicht nur bei Taschen, sondern auch bei Hunden. Kreativ sind die Haustierbesitzer aber nicht erst seit vergangenem Jahr. 2009 hiessen unter anderem drei Katzendamen «Frau Meier», ein Jahr später wurde ein Mops auf «I am the King» getauft. Ob das half, konnte nicht überprüft werden. Überhaupt scheint die Devise: je kleiner der Hund, desto grösser der Name. In den Namenslisten findet sich oft «Brutus» für kleine Köter, dazu lange Adelsnamen, und auch Mike Tyson ist beliebt. Zum Beispiel für Chihuahuas.

Im Bett mit Ferrari Testarossa

George Clooney hat es ebenfalls in diverse Schweizer Haushalte geschafft, manchmal sogar bis ins Schlafzimmer. Wenn er schon nicht in echt neben einem auf der Matratze liegt, dann zumindest in Form eines Hundes oder Katers. Ähnlich verhält es sich mit den Autos: Lieber einen Ferrari Testarossa kraulen statt gar kein Auto.

In der Haustiernamensliste 2012 schliesslich hat Anis ein komplettes Menu gefunden: Es gibt Corn Flakes, Brownies, Tacos und Risotto, dazu einen Amarone, Barolo oder Chianti Classico und zum Absacker einen Mojito, Gin oder Tequila Sunrise. Auch die japanische Küche schaffte es in die Namensliste: «Pfui, Sushi, pfui!» Was genau geschieht, wenn man «Fass, Brownies, fass!» ruft, bleibt genauso unklar, wie wenn man beim Gassigehen nach «Kamasutra!» schreit.

Wie heisst Ihr Hund? Wie würden Sie Ihre Katze nennen, wenn Sie eine hätten? Meinungen zu Haustiernamen bitte unten eintragen.

(dj)

Erstellt: 09.06.2015, 13:47 Uhr

Infobox

Die Hitparade der Haustiernamen lässt sich in den Geschäftsberichten der nationalen Heimtierdatenbank Anis nachlesen: www.anis.ch

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