Kindheit nach Terminkalender

Eine Studie hat das Spielverhalten von 5- bis 9-Jährigen untersucht. Bei Kindern von Doppelverdienern ist das Resultat alarmierend.

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Als Polizisten die Räuber jagen, auf einen Baum klettern, draussen in Pfützen plantschen oder aus Ästen eine Hütte bauen: Das unbeaufsichtigte Spiel im Freien ist wichtig für die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern.

Doch gemäss der «NZZ am Sonntag» bleibt zunehmend weniger Zeit für das ungestörte Herumtoben. «Wir beobachten diese Tendenz seit Jahren», sagt Urs Kiener von Pro Juventute Schweiz.

Halb so viel freie Spielzeit

Die Stiftung hat deshalb erstmals die Situation der 5- bis 9-jährigen Kinder in der Schweiz untersuchen lassen. Gemäss der Zeitung wurde dabei festgestellt: Eltern, die stark beruflich engagiert sind, lassen ihren Nachwuchs weniger oft unbeaufsichtigt draussen spielen. Kinder, deren Eltern beide Vollzeit beschäftigt sind, haben gegenüber anderen Altersgenossen höchstens halb so viel freie Spielzeit zur Verfügung.

Auf den Doppelverdiener-Effekt wiesen auch schon Studien aus Deutschland hin. Für Urs Kiener von Pro Juventute gibt es dafür zwei Erklärungen: «Bei überbehüteten Kinder aus gut situierten Familien ist die Freizeit häufig sehr strukturiert. Dabei bleibt aber mit dem freien Spiel etwas ganz Wichtiges auf der Strecke.» Statt Aktivitäten draussen ständen für den Nachwuchs dann häufig Kurse und Weiterbildungen auf dem Plan.

Es kommt auf die Wohngegend an

Auf der anderen Seite gebe es schlecht verdienende Eltern, die beide arbeiten müssten. Diese leben häufig in Überbauungen mit wenig kinderfreundlicher Umgebung.

Das Wohnumfeld der Kinder ist denn auch der wichtigste Faktor, welcher die Freiheit der Kinder limitiert. Hier muss aus Sicht der Pro Juventute angesetzt werden. An den drei Stichtagen der Studie im Februar 2016 haben 15 Prozent der Kinder gar nicht im Freien gespielt, und weitere 20 Prozent nur unter Aufsicht ihrer Eltern. (foa/jdr)

Erstellt: 20.11.2016, 09:50 Uhr

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