Klinik für beschnittene Frauen in Berlin eröffnet

Weltweit sind laut der WTO 150 Millionen Frauen von Genitalverstümmelung betroffen. In Berlin können einige davon nun betreut werden – durch Ärzte, Psychologen, Seelsorger und Sozialdienste.

Betroffene sind «zutiefst traumatisiert»: Im Spital Waldfriede in Berlin nimmt eine auf Genitalverstümmelung spezialisierte Abteilung die Arbeit auf. (Video: Reuters)

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Opfer der Genitalverstümmelung bei Frauen haben künftig in Berlin einen eigenen Anlaufpunkt: Am Mittwochabend wurde dort das erste deutsche Behandlungszentrum für Frauen, die an den Genitalien beschnitten wurden, eröffnet. Spezialisierte Beckenbodenchirurgen würden dort Frauen aus der ganzen Welt behandeln, teilte das Krankenhaus Waldfriede mit. Auch Psychologen, Seelsorger und Sozialdienste stünden zur Verfügung.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Zahl der an den Genitalien verstümmelten Frauen und Mädchen weltweit auf 150 Millionen. Die weibliche Genitalverstümmelung geschehe nicht nur in Ländern Afrikas, teilte das Krankenhaus mit. «Selbst in Deutschland leben circa 50'000 Opfer mit Genitalverstümmelung», hiess es. Bei der Genitalverstümmelung werden die äusseren und inneren Geschlechtsorgane teilweise entfernt, und die Scheide der Frauen wird bis auf eine kleine Öffnung zugenäht.

Die Betroffenen sind «zutiefst traumatisiert», wie das Krankenhaus erklärte. Das Erlebte beeinflusse den Rest ihres Lebens. Entzündungen im Genitalbereich, Inkontinenz, Fistelprobleme, Schamgefühl oder sogar der Tod seien nicht selten die Konsequenz.

Stiftung und Förderverein

Schirmherrin des Projekts ist Waris Dirie, ehemaliges Model und UNO-Sonderbotschafterin. Seit 2002 setzt sie sich mit ihrer in Wien angesiedelten «Desert Flower Foundation» für die Rechte afrikanischer Frauen und gegen das Ritual der Beschneidung ein. Mit fünf Jahren wurde die gebürtige Somalierin selbst Opfer von Genitalverstümmelung. Ihren Lebensweg verarbeitete sie in mehreren Romanen.

Die Kosten für Operationen werden laut dem Krankenhaus für in Deutschland versicherte Patientinnen von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen getragen. Auch Nichtversicherte, etwa aus Afrika geflohene Frauen, könnten auf finanzielle Unterstützung bei der Behandlung hoffen. Gemeinsam mit Waris Diries Stiftung werde ein Förderverein finanzielle Mittel einwerben und bereitstellen. (rub/AFP)

Erstellt: 12.09.2013, 13:05 Uhr

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