Legendäre DDR-Bürgerrechtlerin ist tot

Bohley's Name ist untrennbar mit dem Sturz des SED-Regimes der ehemaligen DDR verbunden. Am Samstag verstarb die Bürgerrechtlerin im Alter von 65 Jahren.

Gehörte zu den Oppositionellen gegen das SED-Regimes: Bärbel Bohley ist verstorben.

Gehörte zu den Oppositionellen gegen das SED-Regimes: Bärbel Bohley ist verstorben. Bild: Keystone

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Eine der wichtigsten Figuren der Bürgerbewegung in der ehemaligen DDR ist tot: Bärbel Bohley erlag am Samstagmorgen im Alter von 65 Jahren einem Krebsleiden, wie die Robert-Havemann-Gesellschaft in Berlin mitteilte. Die gebürtige Berlinerin gehörte zu den führenden Oppositionellen gegen das SED-Regime. 1983/84 kam die freischaffende Malerin und Grafikerin erstmals in sechswöchige Untersuchungshaft - das DDR- Regime warf ihr «landesverräterische Nachrichtenübermittlung» vor.

Mit dem Sturz des SED-Regimes ist der Name der Bürgerrechtlerin untrennbar verbunden: Am 9. September 1989, zwei Monate vor dem Mauerfall, startete Bohley mit anderen Regimekritikern den Gründungsaufruf für die Bürgerbewegung Neues Forum. 1990 wurde sie als Abgeordnete des Neuen Forums in die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt.

Gegen alte DDR-Seilschaften

In den 90er Jahren organisierte sie in ihrer Berliner Wohnung «Montagsrunden», um zu verhindern, dass alte DDR-Seilschaften wieder mächtig werden. Schlagzeilen machte die Bürgerrechtlerin zum Beispiel im Frühling 1992, als Stasi-Vorwürfe gegen Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) laut wurden.

Bohley übernahm die Rolle der Anklägerin und warf Stolpe vor, er habe sich zu sehr auf das DDR-Regime eingelassen. Dem damaligen PDS- Gruppenchef im Bundestag, Gregor Gysi, warf Bohley 1993 vor, ein Stasi-Spitzel gewesen zu sein. Beide bestreiten die Vorwürfe. Ab 1996 lebte und arbeitete Bohley vorwiegend im ehemaligen Jugoslawien, wo sie Hilfsprojekte betreute. In den letzten Jahren hatte sie sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

«Eine grosse Deutsche»

Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich «zutiefst betroffen» über den Tod von Bohley und würdigte sie als «eine der bedeutendsten Stimmen der Freiheit». Unerschrocken sei Bohley ihren Weg gegangen. «Für viele, auch für mich, waren ihr Mut und ihre Gradlinigkeit beispielhaft. Ich behalte sie in Erinnerung als eine Persönlichkeit, die die friedliche Revolution und den Weg zur deutschen Einheit ermöglicht hat», erklärte Merkel in Berlin. «Wir Deutschen sind Bärbel Bohley zu Dank verpflichtet.»

Die deutschen Grünen würdigten Bohley am Samstag als «eine grosse Freiheitskämpferin, eine grosse Deutsche». «Sie wird uns immer in Erinnerung bleiben als eine, die beharrlich für Freiheit kämpfte, als das noch mit wirklichen Gefahren verbunden war und wirklichen Mut erforderte», erklärten die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin. (ske/sda)

Erstellt: 11.09.2010, 18:47 Uhr

War eine der führenden Figuren der Bürgerbewegung in der ehemaligen DDR: Bärbel Bohley ist verstorben. (Video: Reuters )

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