Max gegen Mark

Der Österreicher Max Schrems will Facebook zu besserem Datenschutz zwingen. Nun könnte er recht bekommen.

Nimmt es mit dem Goliath der «Datenausbeutung» auf: Max Schrems. Foto: Keystone

Nimmt es mit dem Goliath der «Datenausbeutung» auf: Max Schrems. Foto: Keystone

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Mut, Ausdauer und ein wenig Grössenwahn; ohne diese Eigenschaften hätte Max Schrems längst aufgegeben. Seit vier Jahren ringt der 27-Jährige mit einem der mächtigsten Gegner, dem Internetgiganten Facebook. Schrems möchte Facebook zwingen, sich im Umgang mit europäischen Daten an europäische Normen zu halten.

Facebook hat einen Marktwert von 200 Milliarden Dollar. Max Schrems ist gewöhnlicher Jurist, aufgewachsen in Salzburg. Er hat keine PR-Leute, keine Anwälte. Wettbüros würden ihm geringste Chancen einräumen.

Doch Schrems ist mit demselben Talent gesegnet wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Instinkt. Schrems spannte die Medien ein, erörterte US–Journalisten den Datenschutz. Sie erklärten ihn zum David der Privatsphäre, der es mit dem Goliath der «Datenausbeutung» aufnimmt.

«Kein Gegner des Individualverkehrs»

In dieser Rolle wirkt Schrems sehr glaubwürdig. Der gepflegte Mann mit Kurzhaarfrisur ist kein Fortschrittshasser. Er hat ein Smartphone, kommu­niziert über soziale Netzwerke. «Doch auch hier braucht es Regeln. Nur weil ich Verkehrsregeln befürworte, bin ich kein Gegner des Individualverkehrs.» Dank solcher Zitate macht Schrems stets einen lockeren Eindruck – obwohl er sich nächtelang durch Kleingedrucktes gelesen hat und die entscheidenden Paragrafen auswendig kennt.

Bisher punktete Schrems vor allem symbolisch. Seinen Kampf gegen die «schleichende Algorithmusdiktatur» hat er in einem Buch beschrieben.

Seit gestern gilt es ernst. Der Europäische Gerichtshof befasst sich mit Schrems Klage gegen Facebook. Und im April prüft ein Wiener Gericht seine Sammelklage, für die er in kurzer Zeit 25'000 Unterschriften sammelte.

Angefangen hat die Mission aus spielerischer Neugier. Schrems, ein Jusstudent mit Schwerpunkt IT-Recht, forderte 2011 beim europäischen Facebook-Hauptsitz im irischen Dublin den Einblick in seine Daten. Facebook gesteht allen Europäern dieses Recht zu. Nach mehrmaligen Nachfragen bekam er alle Angaben, 1222 A4-Seiten; darunter intime Chatprotokolle, die er längst gelöscht glaubte.

«Europe versus Facebook»

Das ging ihm zu weit. Er gründete die Initiative «Europe versus Facebook», klagte das soziale Netzwerk in Irland ein. Das Geld dazu sammelte er im Internet. Facebook-Vertreter versuchten Schrems in Gesprächen «einzulullen», damit er die Klagen zurückziehe. Er blieb standhaft.

Die Enthüllungen von Edward Snowden stützten seine Bedenken. Facebook speichert all seine Daten auf Servern in den USA. Dank lockerer Datenschutzgesetze kann der Geheimdienst NSA dort relativ leicht auf persönlichstes Material zugreifen.

Dieses Risiko bewog selbst das als wirtschaftsfreundlich geltende oberste irische Gericht, Schrems’ Klage an den Europäischen Gerichtshof weiterzureichen. Zwar regelt ein Abkommen («Safe-Harbour») den Datenaustausch zwischen Europa und den USA. Doch es fehlt die Kontrolle. US-Unternehmen können sich selber bescheinigen, ob sie sich an die Vorgaben halten.

Der Europäische Gerichtshof wird wohl monatelang beraten, bis er ein Urteil fällt. Schrems gibt sich zuversichtlich. Die Luxemburger Richter verpflichteten Google letztes Jahr, «das Recht auf Vergessen» zu gewährleisten.

Auch bei einer Niederlage macht Max Schrems weiter. So schnell wird er die «neue Front des Bürgerrechts» nicht aufgeben.

Erstellt: 25.03.2015, 06:36 Uhr

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