Ananlyse

Molière im Offside

Die Franzosen wehren sich gegen den Einfluss des Englischen, so gut es eben geht.

Sprache: Die Franzosen fühlen sich vom Englischen bedroht.

Sprache: Die Franzosen fühlen sich vom Englischen bedroht. Bild: Ruedi Widmer, Tages-Anzeiger

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Es ist von einem verzweifelten Duell zu berichten, einem bereits entschiedenen: Molière vs. Shakespeare, Français vs. English. So sehr sich die Institutionen zur Bewahrung des Französischen auch gegen die mächtige Unterwanderung des Englischen im Sprachalltag wehren – es bringt nichts. «Le Parisien», Frankreichs grösste Zeitung, schreibt von einer «Kolonialisierung». Und die Franzosen wissen ja schliesslich, wie das geht. Nur ist es lange her. Jetzt werden sie selber kolonialisiert, wenigstens linguistisch, und tun sich merklich schwer damit.

Der «Parisien» widmete dem schmachvollen Thema kürzlich eine Doppelseite und holte Rat beim Romancier Erik Orsenna, einem Mitglied der Académie Française, so etwas wie die Zentralbehörde des gebührenden Sprachgebrauchs. Orsenna fand, es sei ja so etwas von «spiessig», mit Anglizismen um sich zu werfen. «Fun» für «plaisir», «cool» für «tranquille», «meeting» für «réunion». «Das soll modisch wirken, international und modern. Dabei ist es einfach nur spiessig.» Orsenna nennt dann aber doch einen Fall, gegen den er nichts einzuwenden hat: «Burn-out», sagt er, sei «formidable», das könne man auf Französisch nicht besser und griffiger sagen: «Syndrome d’épuisement professionnel» klingt sehr behäbig.

Entgegensetzen, parieren, kontern: Das versuchen die französischen Sprachkonservatoren bei jeder – sagen wir mal – Attacke des Englischen. Es gibt dafür seit 1996 die Commission Générale de Terminologie et de Néologie, die direkt dem Premierminister unterstellt ist und den Reichtum der französischen Sprache mehren soll. Sobald jeweils ein neuer Anglizismus in den Sprachgebrauch der Franzosen einzudringen droht, denken sich die hehren Konservatoren eine Parade aus. Es muss schnell gehen. Warten sie zu lange, bürgert sich ein Unwort ein.

Was der «Larousse» sagt

Am anfälligsten sind die Geschäftswelt, das Internet und die sozialen Netzwerke. Das Wort «hashtag» zum Beispiel hat die Kommissäre völlig überrumpelt. Sie konterten mit dem Begriff «mot-dièse», von dem man annehmen muss, dass er sich nie durchsetzen wird. Rührend ist auch der Versuch, «e-mail» mit «courriel» zu verhindern. Es ist zwar nicht so, dass gar niemand «courriel» sagen würde. Aber in den «mainstream» (noch so ein Unwort!) wird es der Begriff nie schaffen. Man hat es auch mit «chien chaud» versucht, um dem «hot dog» beizukommen – ein nachgerade frivoler Plan.

In der Ausgabe 2014 wird der «Petit Larousse», der in Frankreich eine Rolle hat wie bei uns der Duden, eine Reihe neuer Wörter aufnehmen, die bei den Huldigern des reinen Molière ein mittleres Malaise verursachen dürften: «Speed dating» etwa setzte sich nicht ganz überraschend gegen «Rendezvous rapide» durch. «Post», «googler» und «forwardé» sind konkurrenzlos.

Trotzdem sollte die Sorge über diese Welle des «Frenglish» die Gemüter nicht übermässig echauffieren. Es geht nämlich auch andersrum, wie die Satirezeitung «Canard Enchaîné» in Erinnerung ruft. Die Amerikaner etwa entlehnen gerne mal einen Einschub aus dem Französischen, der Eleganz wegen. Mal ein «voilà», mal ein «c’est la vie». Und der grosse «cheese burger» ist ja zumindest in einer der globalen Ketten «deluxe» und nicht «big» oder «XL». Wobei man sich natürlich fragen kann, ob die Angelsachsen mit diesem «deluxe» nur den ultimativen Triumph über das Französische begehen. Ausgerechnet in der niederen Gastronomie also, dem «fast food» – pardon! – der «restauration rapide».

Erstellt: 30.12.2013, 08:41 Uhr

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