Pariser Chic aus dem Café

Eine Schweizerin hat mit einer Kollegin im Herzen von Paris ein Nähcafé gegründet – und grossen Erfolg damit.

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Der Sweat Shop liegt im Herzen von Paris. Und es handelt es sich dabei nicht um einen Textilbetrieb, der Menschen zu Niedrigstlöhnen arbeiten lässt, wie der Name vermuten liesse. Im Gegenteil: Die Menschen kommen hierher und bezahlen dafür, an einer Nähmaschine arbeiten zu dürfen. Zehn Maschinen hats, die man für sechs Euro pro Stunde mieten kann. In entspannter Atmosphäre wird im Sweat Shop gestrickt, genäht und gesteckt.

Im Prinzip funktioniert der Sweat Shop, auch Café Couture genannt, gleich wie ein Internet-Café. Nur dass hier eben keine Computer, sondern Nähmaschinen für die Kunden bereitstehen. Obwohl das Lokal erst im März dieses Jahres eröffnet wurde, herrscht stets Grossandrang.

Selbst zum Designer werden

Das Geschäftskonzept der Inhaberinnen des Sweat Shops, der Schweizerin Martena Duss und der Österreicherin Sissi Holleis, ist einzigartig in Frankreich. Die Idee zum Sweat Shop entstand, weil die beiden Gründerinnen ständig ihre Nähmaschinen an Freunde ausleihen mussten. Selber ein solches Ding zu besitzen, ist in Frankreich eher unüblich.

«Wir wollen die Menschen inspirieren und stimulieren», sagt Martena Duss, «damit sie ihre persönlichen Kleider und Accessoires schneidern.» Seit sie in Paris lebt, habe sie oft beobachtet, dass die Leute hier viel Kleidung kaufen, sie aber sofort wegwerfen, wenn etwas ausgetragen ist. Duss und ihre Kollegin wollen dieser Angewohnheit etwas entgegenhalten und die Leute dazu ermutigen, selbst zum Designer zu werden.

Der Genuss des Nähens

Und es scheint zu funktionieren: Dies liegt wohl auch an den Kursen, die regelmässig angeboten werden. Da gibt es Workshops für Kinder und Erwachsene, für Anfänger und Fortgeschrittene, es wird gestrickt und genäht, alte Kleider werden zu neuen Lieblingsstücken verarbeitet. Die Besucher des Sweat Shops profitieren auch von neuen Schneidertechniken: Aus vorhandenen Kits entstehen individuelle Kleider oder Accessoires. Kits sind halbfertige Stücke, die man – wie etwa ein Modellauto – selbst zusammenbasteln kann.

Manche Kurse finden unter professioneller Anleitung namhafter Experten statt. Kürzlich war beispielsweise Sandrine Doczekalski Gastlehrerin, Stylistin bei Sonia Rykiel. Sie beriet die Gäste und half ihnen, aus ein paar Stofffetzen wahre Schmuckstücke zu schaffen. Doczekalski findet Gefallen am Café Couture: «Es spiegelt den aktuellen Modetrend wider: weg von Stereotypen und Massenkonsum, hin zu mehr Individualität.»

Mit ihrem Sweat Shop haben Martena Duss und Sissi Holleis ins Schwarze getroffen. Die Pariser und Pariserinnen, die laut Duss eigentlich Klassik und Tradition dem Alternativen vorziehen, sind hell begeistert vom Sweat Shop. Die Kurse sind schon Wochen im Voraus ausgebucht, die Nähmaschinen im Dauereinsatz. Und die beiden Gründerinnen wollen in den kommenden Jahren weitere Sweat Shops eröffnen.

Erstellt: 09.08.2010, 13:46 Uhr

Daten zum Sweat Shop

Sweat Shop, 13, rue Lucien Sampaix, 75010 Paris

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