«Pedalofahren ist besser als jeder Rausch»

Moderator Robin Rehmann krempelt mal wieder sein Leben um. Er hat seine Sendung «Rehmann-TV» abgesetzt und geht neuerdings ins Fitnesscenter. Ein Gespräch übers Scheitern und Weitermachen.

«Dann bin ich ganz weit weg»: Rehmann auf seinem Lieblingsboot.

«Dann bin ich ganz weit weg»: Rehmann auf seinem Lieblingsboot. Bild: Giorgia Müller

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Sobald die Sonne scheint, sieht man Sie auf dem Pedalo. Was suchen Sie auf dem See?
Das sind Powerferien, die Wellen lösen Glücksgefühle aus in mir. Hat man wie ich ein stressiges Leben und ständig Leute um sich, die etwas von einem wollen, eignet sich das Pedalo bestens, um die leeren Akkus wieder aufzuladen.

Also sind die Fahrten eine Art Flucht vor dem Alltag.
Auf dem Pedalo bin ich frei, definitiv. Auf dem Wasser kann mir nichts passieren. Wer in dem Moment etwas von mir will, muss ja erst den See überqueren. In diesen Stunden bin ich ganz weit weg. Nicht nur mit dem Kopf, sondern auch physisch.

Dennoch haben Sie immer jemanden an Ihrer Seite, wenn Sie in See stechen.
Ein Pedalo hat zwei Sitze, und es ist wichtig, dass stets beide besetzt sind. ­Allein Pedalo fahren ist eine traurige ­Sache, schliesslich möchte ich mich mit jemandem unterhalten können.

Mitte April haben Sie «Rehmann-TV» abgesetzt, eine regelmässig stattfindende, mehrstündige Liveshow aus Ihrem Wohnzimmer. Weshalb?
Mit «Rehmann-TV» wollte ich beweisen, dass ein einzelner Mensch in der Lage ist, eine solche Sendung von A bis Z zu produzieren: Moderation, Kamera, Schnitt, Redaktion – alles. Das ist mir gelungen, und es war gar nicht mal so schwer. Die technische Ausrüstung gibts im Internet, und mit Youtube steht ein Sender parat. Es braucht einfach einen Wahnsinnigen, der bereit ist, so einen Aufwand zu betreiben. Aufgehört habe ich schliesslich, weil ich am Ziel war. Die Sendung funktionierte, hatte rund 1000 Zuschauer, was für mich ein Erfolg ist.

Ein politischer Youtube-Film Ihres Kollegen Knackeboul wurde knapp 180 000-mal angesehen.
Richtig. Die Frage ist spannend: Entscheidet die Anzahl Klicks darüber, ob etwas gut oder schlecht ist?

Die Masse interessiert Sie also nicht?
Nein. Nehmen wir das Beispiel Swiss Music Awards. Da gewinnen jene Künstler, die am meisten Leute ansprechen oder am meisten Platten verkaufen. Aber macht das DJ Antoine automatisch zum besten DJ der Schweiz? Doch es lohnt sich natürlich finanziell, wenn man den Geschmack der Mehrheit trifft. Und Geld bedeutet auch Freiheit.

Wären Sie gerne ein Star?
Das ist ein falscher Ansatz: Berühmt-sein-wollen funktioniert nie. Was ich mache, mache ich mit Leidenschaft. Bin ich darin so gut, dass es zu einer gewissen Bekanntheit führt, ehrt mich das.

Auf Facebook, Twitter und Youtube tun Sie dennoch täglich ganz viel dafür, dass man Sie wahrnimmt.
Ich arbeite als selbstständiger Moderator und DJ. Je mehr Leute ich erreiche, umso besser werde ich gebucht. So einfach ist das.

Ihr ganzes Leben ist Werbung in eigener Sache. Gibts den privaten Robin Rehmann überhaupt?
Das ist ein grosses Missverständnis. Wenn ich die Kamera einschalte, erzähle ich eine Geschichte. Mein Videotagebuch zeigte 8 Minuten von einem Tag, der 24 Stunden hat. Es sollte authentisch wirken, aber dahinter stand ein Konzept, eine Idee. Dass viele dachten, so lebt der tatsächlich, empfinde ich als Anerkennung für meine Arbeit.

Nachdem Sie «Rehmann-TV» zu Grabe getragen hatten, twitterten Sie: «Wir scheitern! So ist das ­Leben.» Ist es wirklich so einfach?
Die Menschen haben viel zu grosse Angst vor dem Scheitern. Ich würde gerne einen Preis verleihen für die dümmste Idee, die so richtig heftig gescheitert ist. Das befreit. Viele Chancen werden verpasst, weil man aus Angst vor einer Blamage den Mut nicht aufbringt, etwas zu wagen. Ich würde niemals einen CEO einstellen, der ein Leben lang nur Erfolg hatte und überall den Umsatz verdoppeln konnte. Ich würde einen bevorzugen, der ein Unternehmen voll an die Wand gefahren und alles verloren hat. Wer weiss, wie sich Scheitern anfühlt, ist in der Regel flexibler und kreativer beim Entwicklen neuer Strategien.

Gilt das auch für Beziehungen?
Man kann auch im Privaten mutig sein und diverse Beziehungen eingehen, ohne dabei schon ans Ziel zu denken, an Heirat, Haus und Kinder.

Führen Sie dieses Leben?
Momentan reizt mich der Weg. Wer das Ziel nie erreicht, bleibt motiviert. So wars ja auch mit «Rehmann-TV». Als die Sendung funktionierte, gabs für mich keinen Grund mehr, sie zu pflegen. Für Beziehungen hiesse das: Eine Frau bleibt so lange interessant, bis sie erobert ist.

Sie werden 34. Verspüren Sie so etwas wie eine Midlife-Crisis?
Nein, es geht mir super. Ich habe Ziele, Pläne, gehe ins Fitness und fühle mich so gesund wie noch nie.

Wie kommt das?
Seit sieben Wochen trinke ich keinen Alkohol mehr. Rausgehen und Bier trinken empfinden viele als die normalste Sache der Welt – dabei fügt man sich ein Gift zu. Immer und immer wieder. Im Club bis um 4 Uhr, wirre Gespräche, die Kater-Depression am nächsten Morgen. Und weil es sich ständig wiederholt, kann keine Entwicklung stattfinden.

Ist der Abstinenzler Rehmann nicht einfach eine weitere Rolle?
Ich sage nicht: Lebt nüchtern! Jeder soll seine Erfahrungen machen. Ich kenne keine spannende Person, die in ihrem Leben stets clean und nüchtern war. Es braucht im Leben den Exzess, auch das Scheitern mit dem eigenen Körper.

Was berauscht Sie heute?
Das Leben! Und das Pedalofahren, das ist besser als jeder Rausch.

Sex auf dem Pedalo?
Gute Idee. Aber da schauen zu viele Leute zu. Ich bin absolut kein Exhibitionist, obwohl ich den Vorwurf oft höre.

Was fehlt Ihnen im Leben?
Keine Ahnung.

Das nehme ich Ihnen nicht ab.
O. k., dann mache ich einen auf amerikanischen Motivationstrainer: Du kannst alles erreichen, was du dir vorstellen kannst. 100 Meter unter 9 Sekunden? Kein Problem, wenn dir das wichtig ist.

Immer noch nicht.
Also. Wir warten, bis wir sterben, so ist das Leben. Es geht darum, das Warten möglichst spannend zu gestalten, als einer von Milliarden von Menschen. So denkt aber nur eine Seite in mir. Die andere sagt: Ich bin der wichtigste Mensch auf der Welt. Ich habe Sehnsüchte, die mich antreiben, und ich habe alles verdient, was die Welt mir bieten kann.

Zum Beispiel?
Eine Sendung, die zwei oder vier Stunden dauert, live, professionell, mit einem Team und einem Produzenten, mit spannenden Gästen, die mir ihre Geschichten erzählen, von Montag bis Freitag, frei am Wochenende, erfolgreich.

Wann ist Schluss mit schrägen Moderationen und wilden Partys?
Vermutlich nie. Ich kann nicht den seriösen Nachrichtensprecher mimen, das wäre absurd. Aber es wird Veränderungen geben. Ende Jahr zum Beispiel höre ich auf mit «Party Hart», obwohl die Reihe sehr erfolgreich ist. Es steigen noch ein paar Partys, dann ist gut.

www.robinrehmann.com

Robin Rehmann auf Twitter folgen: @robinrehmann

Erstellt: 25.04.2014, 06:44 Uhr

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