Leserbegegnung mit Peter Egger, Aarwangen«»

Pesche allein in der Welt

Zu Fuss um die Welt: Im Alleingang durchquerte Peter Egger Sibirien und die Mongolei, wanderte durch die USA und spazierte schliesslich von Paris nach Hause. Seit einem Jahr ist der Mann wieder in Aarwangen BE.

In Sibirien: Peter Egger reiste zu Fuss und mutterseelenallein rund um die Erdkugel. An einem Multimedia-Vortrag zeigt er Bilder und erzählt von seinen Abenteuern.

zvg

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Er ist gross gewachsen, ein stattlicher Mann. Ein Mann, der viel Freundlichkeit und Wärme ausstrahlt. Und Peter Egger (28) aus Aarwangen erzählt gerne. Wenn er zu sprechen beginnt, leuchten seine Augen. Dabei beginnt seine Geschichte alles andere als harmonisch: Schon im Kindes- und Jugendalter musste er merken, dass seine Begabungen und Interessen den sogenannten gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen. Er fühlte sich «regelrecht eingepfercht».

Alles, was er unbedingt wollte, war Freiheit. Der Drang danach war so gross, dass er mit 23 Jahren eigentlich nicht mehr leben wollte. Er sah keinen Sinn mehr in seinem Dasein. Doch es kam anders. Ganz anders. Der gelernte Zimmermann entschied sich, zu Fuss um die Erde zu gehen. Eine Art «göttliche Eingebung» brachte ihn auf diesen doch sehr speziellen Plan. Drei Jahre lang sparte er für den abenteuerlichen Trip. Und dann, am 20. November 2007, ging es los. Egger versammelte noch einige Freunde um sich und rammte am Dorfende von Aarwangen ein Startholz in den Boden. Als sichtbares Zeichen für den Anfang und irgendwann später das Ende seiner Weltreise.

Von Ort zu Ort

«Pesche», wie Egger von seinen Bekannten genannt wird, war kein klassischer Aussteiger. Er liess sein Zuhause nicht zurück, um in der Wildnis seinen Frieden zu finden. Vielmehr zog er – einem Vagabunden gleich – von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort, von Land zu Land. Je weiter er voranschritt, desto näher kam er zu sich selbst.

Im tiefsten Winter durchquerte er die Mongolei. Ohne Zelt und Schlafsack schlief er bei Temperaturen von minus 38 Grad Celsius im Freien, stundenweise, um nicht zu erfrieren. Wenn er weiterging, hüpfte er seinen Weg entlang und boxte in die Luft, um sich nicht zu unterkühlen.

Berührt vom einfachen Leben der Mongolen, erreichte er China. Über die Chinesische Mauer mailt er eines Tages: «War nicht ganz so interessant!» In Peking angekommen, stieg Peter Egger in einen Jet und flog nach San Francisco. Beim Zwischenhalt in Seoul stellte er verwundert fest, dass er mit seinem Flug, dem billigsten, den er erhalten konnte, eine Übernachtung in einem Fünfsternehotel mitgebucht hatte. Also plünderte der Bauernsohn auf der anderen Seite der Erde kurzerhand die Minibar des Luxushotels und blödelte herum.

Einmal König sein

Nach Hause schrieb er später: «Kaum aus dem Zimmer, stellte ich wieder den Kragen hoch, hob mein Haupt aufrecht und spielte den Gentleman. Ich machte einfach mit in dem ganzen Getue, liess mich führen vom Personal, grüsste freundlich und liess all die Diener den Hampelmann spielen.» Für einmal war Egger König.

In den USA schliesslich rutschte er in eine persönliche Krise. Dinge, die er bisher für bare Münze genommen hatte, wollten ihm nicht mehr einleuchten. Sein Weltbild fiel irgendwie in sich zusammen. Sinnkrise total. Doch er überwand diese Phase der Verunsicherung und fand zurück zu seinem Selbstbewusstsein. Er beschloss in seiner Euphorie gar, den letzten Abschnitt der Weltreise rennend zurückzulegen. Doch aus dem zügigen Rennen wurde bald schon wieder ein gemächlicheres Gehen. Und auf ging es zur letzten Etappe, zurück nach Europa.

Paris–Aarwangen Trotz immer stärkerem Heimweh (ja, das kam nun wirklich auf) steigerte Peter Egger das Tempo nicht mehr. Der letzte Abschnitt, der Marsch von Paris in die Schweiz, glich schon beinahe einem Spaziergang.

Fröhlich kündigte er seine Rückkehr für den 17. Juli 2009 an: «Endlich ist es so weit, und es darf geschehen, was ich selber zwar immer hoffte, doch auch nicht für wahr halten konnte: dass ich von der anderen Seite zu diesem Startholz zurückkehren darf.»

Das Startholz, einst ein Symbol, erstellt vor Zeugen. Nach 511 Reisetagen und 18'000 Kilometern zu Fuss wird es zum Denkmal seiner Freiheit. Egger ist am Ziel.

Erstellt: 15.09.2010, 09:45 Uhr

Der Vortrag

Peter Egger berichtet in seinem Multimedia-Vortrag «Zu Fuss um die Welt» von seiner aussergewöhnlichen Reise. Die Vorträge finden vom 16. bis 18.September jeweils um 20 Uhr in der Alten Mühle in Langenthal statt. Tickets (23/10 Fr.) gibt es an der Abendkasse oder im Vorverkauf bei Regio Annoncen AG Langenthal unter der Telefonnummer 062 922 22 22 oder per E-Mail unter langenthal@regioag.ch.

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