Präzise wie ein Roboter

Der 27-jährige Christoph Boo ist der beste Croupier der Schweiz. Ihn aus der Fassung zu bringen, braucht einiges.

Behält stets die Übersicht: Der Croupier Christoph Boo. Foto: PD

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Es sind solche Tage, die einen Croupier an seine Grenzen bringen. Samstagabend, schlechtes Wetter, kühle ­Temperaturen. Bevorzugt in der Stunde vor Mitternacht. Die Leute drängen an den Roulettetisch, wühlen sich nach vorne, um Geld zu setzen, platzieren ihre Chips wild durcheinander, wechseln noch schnell Bargeld gegen Spielgeld, erhöhen im letzten Moment. Da soll noch einer den Überblick behalten. Oder vielmehr: Einer soll da noch den Überblick behalten: ­der Croupier. Zum Beispiel Christoph Boo, ein schmächtiger Mann, sauber frisiert, adrett rasiert, mit Klippkrawatte, Gilet, Ärmelhalter, tipptopp.

Dass er die Übersicht so schnell nicht verliert, hat der 27-Jährige diese Woche bewiesen. Er hat in Schaff­hausen die Swiss-Casinos-Meisterschaft der Croupiers gewonnen. Seinem Arbeitgeber bringt das Prestige, ihm selbst Genugtuung. Vor einem Jahr hatte er den Finaleinzug ganz knapp verpasst. Das fuchste ihn.

Im Wettkampf werden die Croupiers an ihre Grenzen gebracht. 20 Minuten Roulette, 20 Minuten Blackjack. Die Jury kennt die Spiele bestens; an den Tischen der Croupiers sitzen, spielen und bewerten Casinomitarbeiter aus den höheren Chargen. Sie notieren, wie sie sich als Gäste am Tisch aufgehoben fühlen; wie gut der Croupier die Regeln und Spielformen kennt; ob er die Technik wirklich beherrscht; wie schnell er die Gewinnsummen ausrechnet; welchen Gesamt­eindruck er hinterlässt.

Als Zauberer begonnen

Christoph Boo arbeitet seit fünf Jahren als Croupier. Zuerst in Basel, seit zwei Jahren im Casino Zürich. Seine Stärken: hohe Fingerfertigkeit, hohe Präzision. Seine Schwächen: zu hohe Fingerfertigkeit, zu hohe Präzision – Perfektionismus bis ins Roboterhafte.

Als Kind begann Boo mit Zaubern, als Jugendlicher eine Laborantenlehre am Paul-Scherrer-Institut, mit 18 ging er zum ersten Mal in ein Casino. Poker, Blackjack, Roulette, er spielte alles. Er war fasziniert vom Glücksspiel – und von denen, die es leiteten. Weil sie den Überblick nie verlieren, daneben Gastgeber sind, die Leute mit einem reibungslosen Spiel, einem Spruch unterhalten, weil sie bei aller Anstrengung immer Eleganz und Seriosität ausstrahlen. Das macht den Reiz seines Berufs aus, findet Boo, unter Druck gute Arbeit leisten, in der Croupiersprache: «ein Spiel sauber abhandeln».

Ein guter Croupier, sagt Boo, müsse selber gespielt haben oder – wie er – selber ab und zu spielen. Nur so gelinge es, sich in die Spieler zu versetzen. Ein ausgezeichneter Croupier freue sich mit Gewinnern und leide mit Verlierern, ohne dabei die nötige Distanz zu verlieren. Alle sollten ihn mögen, niemand sollte ihn lieben.

Spektakuläre Gewinnsummen

Geschichten, die Croupiers einander erzählten, seien für andere langweilig, findet Boo, der mit einem Arbeitskollegen in einer WG in Wollishofen wohnt. Da geht es um Missgeschicke am Tisch, Spieler mit ungewöhnlicher Taktik, maximal um Roulettekugeln, die aus der Bahn fliegen. Spektakulär seien höchstens die Gewinnsummen, die Croupiers auszahlten. Sein Rekord: 81'000 Franken im Roulette, in einem Spiel, an einen Spieler.

Verglichen mit den Summen, die in den ganz grossen Casinos in Macao, Las Vegas oder Monaco gesetzt werden, nicht der Rede wert. Irgendwann will Boo dorthin, in die prestigeträchtigen Casinos, ein bisschen spielen – und den Croupiers auf die Finger schauen.

Erstellt: 25.10.2014, 07:39 Uhr

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