Provokative Kampagne für Pressefreiheit

2012 war laut Reporter ohne Grenzen das blutigste Jahr für Medienschaffende seit zehn Jahren. Die Organisation hat einige bekannte Staatsführer für eine Kampagne «eingesetzt».

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Zum Tag der Pressefreiheit hat Reporter ohne Grenzen eine aktualisierte Liste der Feinde der Pressefreiheit veröffentlicht. Einige von ihnen hat die Organisation für ihre Kampagne gebraucht, die sie in Paris lanciert hat.

Auf Plakaten sind die Präsidenten Irans, Syriens, Nordkoreas, Russlands und Chinas zu sehen. Die Staatsführer strecken dem Publikum ihre Mittelfinger entgegen oder machen eine andere Geste, die ihre Verachtung für die Weltöffentlichkeit symbolisieren soll (siehe Bildstrecke). Diese Männer seien verantwortlich für die schlimmsten Missbräuche gegen die Medien und ihre Repräsentanten.

Insgesamt führt Reporter ohne Grenzen 39 Feinde der Pressefreiheit auf. Darunter sind neben Staatschefs weitere Politiker, aber auch religiöse Führer, Milizen und kriminelle Organisationen. Sie zensurieren die Berichterstattung, werfen Journalisten ins Gefängnis, entführen, foltern oder töten gar.

Fünf neue – vier von der Liste genommen

Neu auf der Liste sind der neue Präsident Chinas, Xi Jinping, die syrische Jihadisten-Gruppe Jabhat al-Nosra, Mitglieder und Anhänger der Muslimbrüder in Ägypten, die bewaffneten Gruppen im pakistanischen Belutschistan und religiöse Extremisten auf den Malediven.

Von der Liste genommen hat Reporter ohne Grenzen vier Personen und Organisationen: den ehemaligen somalischen Informationsminister Abdulkadir Hussein Mohamed, den Präsidenten Burmas Thein Sein, die baskische Separatistengruppe ETA sowie die Sicherheitskräfte der Hamas und der palästinensischen Autonomiebehörde.

Schweiz auf Rang 14

Den «Bericht zur Lage der Medien 2012» hat Reporter ohne Grenzen schon zu Beginn des Jahres veröffentlicht. Es war laut der Nichtregierungsorganisation eines der blutigsten letzten Jahre: 90 Journalistinnen und Journalisten wurden bei oder wegen ihrer Arbeit getötet, 36 alleine in Syrien und Somalia.

Am besten stand es um die Pressefreiheit in Finnland, den Niederlanden und in Norwegen. Die Schweiz kommt im Ranking von Reporter ohne Grenzen auf Platz 14. Im Jahr davor belegte sie noch den 8. Platz. Am schlimmsten ist die Lage in Eritrea (Platz 179), in Nordkorea und Turkmenistan. (rub/sda)

Erstellt: 03.05.2013, 17:28 Uhr

Land Note

World Press Photo: Ausstellung in Zürich

Rund 400 Gäste haben am Donnerstag auf Einladung der Fotoagentur Keystone an der Eröffnung der Ausstellung World Press Photo 13 in Zürich teilgenommen. Zu sehen sind die Arbeiten im Folium auf dem Areal des Einkaufszentrums Sihlcity bis am 26. Mai. Unter den Exponaten befindet sich auch das World Press Photo of the Year 2012 (siehe Bildstrecke unten). Es zeigt den Trauerzug für die Geschwister Suhaib und Muhammad Hijazi und deren Vater, die während eines israelischen Luftangriffs in Gaza-Stadt getötet wurden.

Das Foto stammt von Paul Hansen und wurde in der schwedischen Tageszeitung «Dagens Nyheter» publiziert. Das Bild kontrastiere die Wut und den Schmerz der Erwachsenen mit der Unschuld der Kinder, teilten die Organisatoren am Freitag mit. An der Vernissage betonte Arnold Hottinger, ehemaliger NZZ-Nahostkorrespondent, die Wichtigkeit aufrüttelnder und kritischer Bilder. Beeindruckt vom Siegerbild sowie weiteren Fotografien zeigte sich auch Jann Jenatsch, CEO von Keystone. (sda)

Bildstrecke

Die Pressebilder des Jahres

Die Pressebilder des Jahres Die Jury des World Press Photo Contest hat die diesjährigen Sieger bestimmt.

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