Rosen verschenkt man wie sein Herz: Pur

Nicht nur am Valentinstag ist es richtig, einer Frau Rosen zu schenken. Aber wie? Eine Anleitung.

Der Name der Rose ist wie ein Gedicht. Notieren Sie ihn sich. Foto: EPA, Keystone

Der Name der Rose ist wie ein Gedicht. Notieren Sie ihn sich. Foto: EPA, Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Um es vorwegzunehmen: Die Beherrschung der Kunst des Blumenschenkens enthebt Sie als Ehemann, Verlobter oder Verehrer nicht der heiligen Pflicht, stets aufrichtig zu sein, weder zu lügen noch zu betrügen, und der Frau ihres Herzens zuzuhören, ohne ihr Ratschläge zu erteilen. Es entbindet Sie ebenso ­wenig von der Aufgabe, ihr zu erklären, wieso Sie etwas tun, wenn sie danach fragt. Auch dann, wenn Sie keinen Grund sehen, dies zu bereden, geschweige denn, darüber nachzudenken. Und natürlich müssen Sie mit der Frau auch als gewiefter Blumenverschenker weiterhin lange Spaziergänge bei Regen unternehmen.

Das Ziel ist Begeisterung

Frauen sind – wie viele andere Menschen auch – sowohl begeisterungsfähig wie auch nachsichtig. Wenn Sie ihrer Frau ein normales Bouquet aus der Auslage schenken, appellieren Sie nur an ihre Nachsicht. Die Frau schätzt die freundliche Geste zwar und anerkennt, dass Sie nicht mit leeren Händen gekommen sind. Der Effekt, den Sie damit erheischen, ist aber vergleichbar mit der Anerkennung, welche ein Gast von Ihnen erhält, wenn er eine Flasche Prosecco zum Austernessen mitbringt. Schlechter Geschmack wird in unserer protestantisch geprägten Gesellschaft gerne als Tugend missverstanden, weil er sich als probates Mittel gegen Todsünden wie Habgier, Missgunst und Eitelkeit bewährt hat.

Deshalb: Verschenken Sie Auslagenbouquets bloss dann, wenn es wirklich einzig um die Geste geht. Wo es hingegen um mehr geht – und das geht es bei Frauen immer –, schenken Sie aus vollem Herzen. Wenn Sie das Potenzial von Blumensträussen ausschöpfen wollen, dann zielen Sie unbedingt auf die Begeis­terungsfähigkeit der Frau. Dabei helfen folgende Kenntnisse.

Verfallen Sie bloss nicht der Versuchung, auf die Kreativität von Floristinnen zu vertrauen und sich einen aus­gefallenen Strauss mit dekorativen Elementen wie moosbeschichteter Baumrinde, messingdrahtumwickeltem Zwirbelholz oder Vogelfedern zusammenstellen zu lassen. Solche Sträusse eignen sich, um Bankschalterhallen und Bankettsäle zu füllen, nicht jedoch das Herz einer Frau.

Fragen Sie nicht nach dem Preis

Auch Gräser, Äste und Blätterwerk lenken bloss vom Eigentlichen ab, von der Blume. Eine Blume hat es genauso wenig nötig, mit Beilagen serviert zu werden, wie die Ausstrahlung einer Frau vom Interieur ihres Autos abhängt. Begeis­terung weckt man nicht mit dem Beiwerk – sondern nur mit dem Wesentlichen.

Die Wahl der Blumensorte ist einfach: Rosen. Wenn man die Vorliebe der Frau nicht kennt, verschenkt man Rosen. Um die richtige Rose zu finden, gehen Sie wie folgt vor: Betreten Sie einen Blumenladen, gehen Sie direkt auf die Rosen zu und lassen Sie die Farben kurz auf sich wirken. Wenn Sie nicht sofort begeistert sind, verlassen Sie das Geschäft umgehend und suchen ein anderes auf. Das tun Sie so oft, bis Sie von einem Eimer voller Rosen derart begeistert sind, dass Sie ihn am liebsten gleich vom Fleck weg kaufen möchten. Denn wie soll ein Rosenstrauss, der es nicht geschafft hat, Sie in Staunen zu versetzen, erst Ihre Frau begeistern?

Erst wenn Sie von der Wucht und den Farben eines Bundes begeistert sind, bleiben Sie im Laden stehen. Lächeln Sie die Floristin an und sagen einfach: «Ich nehme den ganzen Bund.» Fragen Sie nicht, wie viele Rosen das sind, und erkundigen Sie sich auch nicht nach dem Preis. Und lehnen Sie, wie bereits erwähnt, jede Form von zusätzlichem Grünzeug ab. Rosen verschenkt man wie sein Herz: pur.

Vergessen Sie nicht, nach dem Namen der Rose zu fragen, und lassen Sie sich diesen auf einen Zettel schreiben. Namen von Rosen sind reinste Poesie: Sie tragen Namen wie «Sherry Brandy», «Avalanche», «Free Spirit» oder «Esperanza». Nachdem die Rosen ihre Wirkung auf die Frau entfaltet haben, klauben Sie den zerknüllten Zettel aus der Hosentasche und teilen ihr den Namen der Rose mit. Es ist, als würden Sie ein Gedicht vortragen.

Wenn Sie länger unterwegs sind, lassen Sie sich die Rosen nass einpacken – immer in Papier, niemals in Klarsicht­folie. Diese wirkt so affektiert wie billig. Papier hingegen kommt nicht nur bescheidener daher, sondern erhöht, weil man ja nicht hindurchsehen kann, auch die Spannung und somit den Überraschungseffekt. Wenn es genügend warm ist und die Rosen keinen langen Weg vor sich haben, können Sie es sich sogar leisten, ganz auf die Verpackung zu verzichten. In den Augen Ihrer Frau wird das Bild von Ihnen mit den blühenden Rosen in Ihrer Hand verschmelzen und lange nachwirken.

Zeugen potenzieren den Effekt

Keinesfalls ausser Acht lassen sollten Sie die äusseren Umstände, welche das Rosen­verschenken begleiten. Denken Sie stets daran: Zeugen potenzieren das erlebte Glück. Überraschen Sie Ihre Frau mit einem Rosenstrauss, wenn Sie gerade Besuch von Freundinnen oder Verwandten hat. Sie wird sich doppelt freuen, wenn sie die Freude zeigen und teilen kann.

Falls die Dame Ihres Herzens arbeits­tätig ist, dann sind das die besten Voraussetzungen. Überraschen Sie Ihre Frau mindestens einmal im Monat am Arbeitsplatz mit Rosen. Die Bewunderung der Arbeitskolleginnen und -kollegen ist nicht nur Ihrer Frau gewiss. Die Kolleginnen werden ihr in Anbetracht der Rosen immer wieder zu bedenken geben, was für ein Glück sie doch mit Ihnen als Mann hat. Hierzu ist es natürlich unerlässlich, die Rosen persönlich vorbeizubringen. Wer die Blumen liefern lässt, ruft damit bloss in Erinnerung, dass er keine Zeit hat.

Sollte es am Arbeitsplatz Ihrer Frau übrigens an einer ausreichend grossen Vase mangeln, dann sind selbstverständlich nicht die Sträusse zu verkleinern, sondern Sie bringen beim nächsten Besuch auch gleich noch die passende Vase zum Strauss mit.

Verbessern Sie sich!

Es gibt übrigens auch Momente im ­Leben, in welchen Blumengeschenke nicht angebracht sind. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie etwas wiedergutzumachen haben. Für solche Fälle gibt es keine floralen Abkürzungen. Da gilt es, den langen Weg zu gehen. Die eingangs erwähnten langen Spaziergänge bei Regen helfen. Wenn Sie sich allerdings zu jenen grosszügigen Menschen zählen dürfen, die ihrer Frau auch ohne besonderen Anlass immer wieder Rosen schenken, wird sie Ihnen allfällige Vergehen leichter verzeihen.

Und falls Ihre Frau diesen Artikel bereits vor Ihnen gelesen haben sollte, dann zögern Sie erst recht nicht, dieser Anleitung Folge zu leisten. Denn was Frauen noch mehr bewundern als gute Männer, sind Männer, die sich verbessern. Es braucht nie eine Begründung, um Rosen zu verschenken. Die Freude am Freudebereiten ist Grund genug, es zu tun. Und wenn die Frau doch nach ­einem Grund fragen sollte, dann sagen Sie: Sie wollen ihr schlicht und einfach eine Freude bereiten.

Oder: Sie hätten meinen Artikel gelesen. Ihre Frau wird dann nicht nur von Ihnen begeistert sein, sondern auch von mir.

Andreas Thiel ist Autor und Kabarettist.

Erstellt: 13.02.2015, 23:16 Uhr

Artikel zum Thema

Singlefrust zum Valentinstag? Vier Vor- und Nachteile des Singlelebens

Händchenhalten im Kerzenschein, Rosenblüten im Badewasser: Die überzuckerte Romantik des Valentinstages nervt wohl viele Singles. Doch ein Forscher sagt: So traurig müssen sie gar nicht sein. Mehr...

«Herzlisachen sind verlockend»

Experte Dominik Brülisauer sagt, noch reiche die Zeit, ein perfektes Geschenk zum Valentinstag zu finden. Mehr...

«Der Valentinstag ist anspruchsvoll»

Interview Petra Faller hat vor 14 Jahren den Blumenladen am Stauffacher übernommen. Weisse Blumen, sagt sie, verkaufe sie aus Prinzip nicht – und liefert eine interessante Begründung dafür. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...