Schluss mit Nörgeln!

Wir verraten Ihnen, welche vier Nörgler-Typen es gibt und was Sie gegen heimische Dauermotzer tun können.

Muss ihren Frust immer mal wieder rauslassen: Die Dampfablass-Nörglerin. Illustration: Alexandra Gornag

Muss ihren Frust immer mal wieder rauslassen: Die Dampfablass-Nörglerin. Illustration: Alexandra Gornag

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Nörgler sind selten glückliche Menschen. Sieben von zehn würden vermutlich lieber heute als morgen mit ihrem Gejammere aufhören. Nicht einmal ihnen selbst macht es Spass, andere Menschen mit abwertenden Kommentaren in den Wahnsinn zu treiben. Doch das Nörgeln steckt in uns drin. Das Nörgeln will aus uns heraus. Wer sich vornimmt, weniger zu nörgeln oder seltener Opfer von Nörglern zu werden, muss deshalb die Mechanismen hinter dem Genörgel durchschauen.

1. Die Dampfablass-Nörglerin (DaN)

Wie alle charakterlichen Defizite manifestiert sich auch das Nörgeln in einer grossen Bandbreite von Ausprägungen. Zur eher harmlosen Sorte gehört etwa die Dampfablass-Nörglerin (DaN), meist weiblich, die normalerweise ein freundliches Wesen besitzt. Die Kollegen im Job kennen sie nur von ihrer Schokoladenseite, und auch ihre Freundinnen haben keinen Schimmer, was für ein Biest sie manchmal sein kann. Denn die DaN hat zwei Gesichter, von denen sie eines nur ihren Lieben daheim zeigt.

Nehmen Stress und Hektik in ihrem Leben überhand, fängt sie an, wie ein Dampfkochtopf unter Überdruck vor sich hinzuzischeln. Mühelos findet sie tausend Dinge, die ihre Familie gerade falsch macht: Im Entree liegt schon wieder ein chaotischer Berg von Schuhen. Der Broccoli wäre niemals so zu Matsch zerkocht, wenn sie ihn selbst zubereitet hätte. Und warum stört es ausser ihr eigentlich keinen, dass die Wohnung aussieht wie ein Saustall? Ihr Nörgel-Credo heisst: «Immer muss man euch alles hinterherräumen!» Die geplagte Familie der DaN weicht seufzend in andere Räume aus oder stellt die Ohren auf Durchzug, bis sich die DaN von selbst wieder abregt – wenn sie ein warmes Bad genommen hat.

2. Der gemeine Büro-Nörgler (BN)

Schon übler ist der gemeine Büro-Nörgler (BN), der im Normalfall männlich ist. Mit eiserner Konsequenz macht der BN die Vorschläge von anderen schlecht. Dazu benutzt er einen bunten Strauss von Worthülsen, mit denen er, Keulenschlägen gleich, jegliche Innovation im Keim erstickt: Haben wir noch nie so gemacht, gibt viel zu viel Arbeit, unrealistisch in der Umsetzung, zu wenig Personal, wirtschaftlich unrentabel, technisch unmöglich, damit machen wir uns in der Branche zum Affen. Sein Nörgel-Credo heisst: «Der Einzige, der hier Ahnung hat, bin ja wohl ich!»

In Wirklichkeit hat er oft erschütternd wenig zu bieten, worüber er mit seinen Störmanövern hinwegtäuscht. Nicht um inhaltliche Diskussion geht es ihm, sondern um seinen Ärger darüber, dass nicht er das Lob für die gute Idee einheimsen konnte, sondern der Kollege, der sie präsentiert hat. Eine narzisstische Kränkung, die ihn ungemein wurmt. Beizukommen ist dem BN nur mit einem beherzten Eingreifen des Chefs. Allein schon die Ankündigung «Ab sofort wünsche ich mir mehr konstruktive Beiträge» kann Wunder wirken.

3. Die Vor-Publikum-Nörglerin (VPN)

Geradezu furchterregend ist die Vor-Publikum-Nörglerin (VPN), die tendenziell eher weiblich ist, aber bisweilen auch beim männlichen Geschlecht vorkommt. Sie verbreitet nicht bloss schlechte Stimmung, nein, ihr Ziel ist die Demütigung und Vernichtung ihres Opfers. Für gewöhnlich ist sie Teil einer unglücklichen Liebesbeziehung, aus der sie sich nicht lösen kann. Wie eine missmutige Kröte hockt die VPN im Kerker dieser abgenutzten Liebe und macht für ihre Enttäuschung allein den Partner verantwortlich. Zur Strafe soll er bluten! Am besten öffentlich!!

Süffisant lächelnd und ohne jeden Respekt unterbreitet sie dem Publikum peinliche Episoden, die der ehemals geliebte Mann ihr in innigeren Zeiten anvertraut hatte. Sie streut Salz in alte Wunden und lässt Nörgeleien wie Nadelstiche auf ihn herabregnen, während die anderen betreten zu Boden blicken. Ihr Nörgel-Credo: «Inzwischen müsste wohl jedem hier drin klar sein, dass ich etwas Besseres verdient habe als dich!» Da hilft nur eins: Bringen Sie die VPN zum Schweigen. Und laden Sie sie nie wieder ein.

4. Der Anspruchshaltungs-Nörgler (AN)

Zu guter Letzt noch eine besonders nervtötende, bei beiden Geschlechtern weitverbreitete Spezies: der Anspruchshaltungs-Nörgler (AN). Der AN ist der festen Überzeugung, ihm stünden gewisse Dinge einfach zu. Schönes Wetter am Ferienort, ein Sitzplatz im Tram, ein Parkplatz in der Innenstadt, Platz 1C im Flugzeug, VIP-Behandlung, die von ihm angepeilte Führungsposition, ein Tinder-Date in seiner – also der obersten – Preisklasse. Darauf hat er ein Recht. Das hat er sich, verdammt noch mal, verdient! Kriegt er nicht, was er will, kann er wie ein Kleinkind toben. Die Welt ist ja so ungerecht. Zu ihm!

Überproportional oft benutzt der AN das Wort «gefälligst». Sein Nörgel-Credo heisst: «Das ist ja wohl das Mindeste!», und meist haben ihm schon seine Eltern eingetrichtert, dass er etwas ganz Besonderes ist. Wie man ihm beikommt? Leider gar nicht. Denn die Anspruchshaltungs-Nörgler sind längst Mainstream. Sie sind überall. In den Teppichetagen genauso wie in den unteren Chargen, auf der Überholspur der Autobahn, im Warteraum der Notaufnahme, in der Schlange vor dem Postomaten. Rette sich vor ihnen, wer kann.

5 Strategien für mehr Frieden im trauten Heim

Angenommen, Ihr Partner kommt mit schlechter Laune nach Hause und beginnt sogleich, an Ihnen herumzumeckern: Die Küche sieht ja aus wie Sau. Eingekauft ist auch wieder das Falsche. Und haben Sie eigentlich vor, die Wäsche bei der Reinigung noch irgendwann in diesem Leben abzuholen? Nun könnten Sie natürlich zurückmeckern. Die Versuchung ist gross, schliesslich fühlen Sie sich ungerecht behandelt. Aber Sie wissen ja, wo das endet. Versuchen Sie es deshalb zur Abwechslung lieber mal mit diesen Strategien.

Lassen Sie den Nörgler auflaufen
Verzichten Sie sowohl auf Gegenangriff wie auf Verteidigung. Ignorieren Sie die Tirade einfach. Das setzt natürlich Buddha-Qualitäten voraus. Später, wenn wieder Frieden und Harmonie eingekehrt sind, fragen Sie Ihren Partner in möglichst neutralem Tonfall, was eigentlich los war. Denn durchgehen lassen Sie ihm sein Verhalten selbstverständlich nicht.

Streuen Sie ganze Ascheberge auf Ihr Haupt
«Schatz, du hast es wirklich schlimm getroffen mit mir, ich bin die mieseste Hausfrau / der mieseste Hausmann der westlichen Hemisphäre. Warum hat dir noch keiner einen Orden dafür verliehen, dass du nun schon 25 Jahre an der Seite eines Ferkels lebst? Mit XY (hier einen beliebigen putzsüchtigen Nachbarn einsetzen) wärst du bestimmt viel glücklicher.» Wetten, dass die Wut des Nörglers gleich in sich zusammenfällt wie ein geplatzter Luftballon? Humor ist in jedem Fall wirksamer als Gegenaggression.

Identifizieren Sie die wahren Ursachen
Fragen Sie den Partner, ob bei der Arbeit etwas vorgefallen ist, das ihm zu schaffen macht. Ob es ein Problem zwischen Ihnen beiden gibt, über das Sie sprechen sollten. Ob er wegen irgendwas unglücklich ist, das hinter seinem Ausbruch steht. Besonders, wenn andauernde Gereiztheit zur Grundstimmung zwischen Ihnen geworden ist, sollten Sie das nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Checken Sie den Hormonstatus des Nörglers
Dies gilt insbesondere, wenn es sich um eine Nörglerin handelt. PMS, Menstruation und Wechseljahre können ansonsten zauberhaften Frauen in gewissen Zeiten schwer zu schaffen machen. Es soll Männer geben, die eine Menstruations-App auf ihrem Handy installiert haben, um immer über den Zyklus ihrer Liebsten auf dem Laufenden zu sein. So können sie Gnade walten lassen, wenn das Genörgel wieder losgeht. Sind ja bloss die Hormone.

Ziehen Sie eine rote Linie
In jeder Beziehung geht man sich mal auf die Nerven. Doch es gibt kein Grundrecht, die eigene schlechte Laune am Partner auszulassen. Wenn das andauernde Genörgel unerträglich wird, machen Sie das unmissverständlich klar. Sie sind nicht Jesus und müssen auch noch die andere Wange hinhalten. Genug ist genug.

Erstellt: 04.12.2019, 19:41 Uhr

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