Sexualaufklärer Oswalt Kolle ist tot

Der deutsche Journalist, der mit seinen Filmen in den 1960er-Jahren für Aufsehen sorgte, ist im Alter von 81 Jahren verstorben.

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Der als «Aufklärer der Nation» bekannt gewordene Journalist Oswalt Kolle ist tot. Der 81-Jährige starb bereits vor einer Woche am 24. September in Amsterdam, wie «Welt Online» am Freitag unter Berufung auf die Familie Kolles berichtete. Kolle, der am 2. Oktober 82 Jahre alt geworden wäre, war in den 60er Jahren in Deutschland ein Vorkämpfer der sexuellen Aufklärung und machte erfolgreich Filme zu dem Thema. Seinen Tod gaben die Angehörigen dem «Welt Online»-Bericht zufolge nach der Trauerfeier bekannt, die am Freitag stattgefunden habe.

Kolle, der für seine Arbeit in Deutschland von Konservativen und Kirchenkreisen heftig kritisiert worden war, lebte seit 1969 in Amsterdam. Seine Artikel, Bücher und Filme wurden auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern veröffentlicht und gezeigt, wo sie in den 1960er Jahren ebenfalls Kontroversen um Sexualität und Moral auslösten. Mit seiner Frau Marlies, die 2000 starb, war Kolle jahrzehntelang verheiratet und hatte drei Kinder.

Ikone der sexuellen Revolution

Kolle wurde am 2. Oktober 1928 in Kiel als Sohn eines Psychiaters geboren und machte zunächst eine Ausbildung in der Landwirtschaft, bevor er seit Anfang der 1950er Jahre als Zeitungs- und Zeitschriftenjournalist in Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main Hamburg arbeitete. Zur Ikone der sexuellen Revolution wurde er ab 1960 durch eine Reihe von Aufklärungsserien für die Illustrierten «Quick» und «Neue Revue», die er als freiberuflicher Autor verfasste.

Sie trugen Titel wie «Deine Frau, das unbekannte Wesen» oder «Dein Mann, das unbekannte Wesen». Sie erschienen später auch in Buchform. Kolles Bücher, zu denen auch «Das Wunder der Liebe» und «Der Mensch lebt nicht vom Geld allein» gehörten, erschienen in insgesamt zwölf Sprachen, darunter auf Chinesisch.

Mit der «Wunder der Liebe» zum Kassenschlager

Kolles erster Aufklärungsfilm «Das Wunder der Liebe - Sexualität in der Ehe» hatte 1968 Premiere in den Kinos und wurde in ganz Europa zum Kassenschlager. In Belgien und einigen Kantonen der Schweiz war er zunächst verboten. Ab 1970 kamen weitere Filme wie «Dein Mann, das unbekannte Wesen» oder «Was ist eigentlich Pornografie» in die Kinos. Auch sie waren international erfolgreich.

Bis in die 1990er Jahre hinein trat Kolle, der nach eigenen Angaben offen bisexuell lebte, häufig als Gesprächspartner in Fernseh- und Radiosendungen in Erscheinung. 1997 wiederholte der Privatsender RTL mit grossem Erfolg seine früheren Aufklärungsfilme. (oku/AFP)

Erstellt: 01.10.2010, 16:14 Uhr

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Oswalt Kolle

Oswalt Kolle Die Filme des Chefaufklärers.

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