Porträt

Sie hat gesungen vor Glück

Karin Rommel aus dem zürcherischen Au ist nach Rom an die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. gepilgert. Auf der Rückfahrt hat sie gesungen vor Glück.

Karin Rommel vor ihrem Altar im Wohnzimmer: Darauf will sie nun ein Bild von Papst Johannes Paul II. stellen.

Karin Rommel vor ihrem Altar im Wohnzimmer: Darauf will sie nun ein Bild von Papst Johannes Paul II. stellen. Bild: Kurt Heuberger

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Gestern früh um 5 Uhr kamen sie in Zürich an – mit wenig Schlaf, aber glücklich: Die 50 jungen Leute aus der Deutschschweiz, die mit «Arge Weltjugendtag» an die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. reisten. Unter ihnen war auch Karin Rommel aus der Au. «Die Seligsprechung war wie eine Tankstelle für mich – eine Tankstelle der Hoffnung», erzählt die 28-Jährige nur wenige Stunden nach der unbequemen Busfahrt. «Gesungen vor Glück haben wir während der ganzen Heimfahrt.»

In Rommels Wohnstube steht ein kleiner Familienaltar – gemäss einer Tradition aus Guatemala, wo sie aufgewachsen ist. Darauf wirft sie einen Blick und sagt: «Ein Bild von Papst Johannes Paul II. werde ich hinzustellen.» Noch mehr über das Leben des Papstes möchte sie nach diesem einmaligen Erlebnis der Seligsprechung in Erfahrung bringen. Doch die vielen Heiligen der katholischen Kirche kosten Zeit, meint Rommel mit einem entwaffnenden Lachen.

Nicht auf den Platz geschafft

Freitagnacht ging die Reise nach Rom los, in einem Bus voller Erwartung, voller Anspannung. «Ich wollte schon immer eine Messe auf dem Petersplatz miterleben», sagt die junge Frau, die Industrial Design studiert. Die Seligsprechung erschien ihr als beste Gelegenheit für eine erste Reise nach Rom.

Bereits an der Vigil, dem Vorabendgebet am Samstagabend, stimmten sich die über 1 Million Pilger ein – in einem Lichtermeer auf dem Circus Maximus. Alle Kontinente waren per Videoübertragung exemplarisch hinzugeschaltet – die Welt im Gebet vereint. «Es war bewegend», schildert die junge Frau aus der Au, auch wenn sie ein wenig enttäuscht darüber war, dass sie es doch nicht ganz auf den Petersplatz schaffte. Denn um die Prozession aus nächster Nähe zu erleben, hätte sie die ganze Nacht über anstehen müssen. «Dafür sah ich alles in super Close-ups im Circus Maximus.» Musik, Jubel und Chor: Alles habe sich vermengt, als sie das Riesenbild des seliggesprochenen Papstes entrollten. Da sei in ihr plötzlich ein «Wow-Gefühl» aufgekommen, denn die Seligsprechung weckte Erinnerungen an ihre Begegnung mit dem Papst in Guatemala. «Damals fand ich den Papstbesuch cool, auch wenn er in seinem gepanzerten Papamobil so schnell vorbeifuhr», erinnert sie sich. Umso schneller erschien es ihr wohl, weil sie zuvor stundenlang mitgeholfen hatte, einen kunterbunten Sägemehlteppich für den Papst und sein Papamobil vorzubereiten.

«Dass Papst Johannes Paul II. sich so sehr für Jugendliche engagierte und auch die Weltjugendtage ins Leben rief, fasziniert mich noch heute», sagt Karin Rommel. «Seine Seligsprechung macht mich glücklich.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2011, 06:37 Uhr

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