So tickt die Schweiz

Rente, Religion, Sicherheit: Unsere Umfrage zeigt, wo die Menschen im Land bei den grossen Themen stehen.

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Über 17’000 Leser aus der ganzen Schweiz haben mitgemacht: Sie haben ihre Meinung zu jenen Themen geäussert, die derzeit die politische Diskussion prägen und es auch in den nächsten Jahren noch tun werden.

Die grosse Tamedia-Themenumfrage zeichnet ein umfassendes Bild der Stimmung in der Bevölkerung: Sie zeigt beispielsweise, dass die Ehe für alle mehrheitsfähig ist. Dass die Zuwanderung weiter umstritten bleibt. Oder dass eine Mehrheit im Klimawandel ein grösseres Problem für die Schweiz sieht.

Gesellschaft: Auch die SVP-Basis will die Ehe für alle

Käme die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare vors Volk, hätte sie gute Chancen: 72 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger befürworten die Ehe für alle, nur jeder Vierte lehnt sie ab. Die Zustimmung geht durch die Basis aller Parteien – am geringsten ist sie mit 56 Prozent bei den SVP-Wählern, am höchsten bei den Wählern von GLP, SP und Grünen mit rund 90 Prozent Zustimmung.

Wirtschaft: Digitalisierung als Chance

Die grosse Mehrheit hat keine Angst, den Job zu verlieren: Bloss 15 Prozent fürchten, in den nächsten zwei Jahren arbeitslos zu werden. Auch beim Thema Digitalisierung malen die Befragten nicht schwarz: Nur jeder Fünfte beurteilt die Folgen als negativ. 44 Prozent sehen Chancen und Risiken, jeder Dritte sieht vor allem Chancen.

Religion: Eine Mehrheit betet nie

Glaube und Religion spielen im Leben vieler Schweizer keine oder eine untergeordnete Rolle: 57 Prozent der Stimmbürger sagen von sich, dass sie nie beten. Bei den unter 34-Jährigen sind es sogar 65 Prozent. Und mehr als jeder Zweite hat im letzten Jahr nie eine Kirche, eine Moschee oder einen Tempel aus religiösen Gründen besucht. Weitverbreitet ist eine Skepsis gegenüber dem Islam: So würde es 70 Prozent eher stören oder stören, wenn der Anteil Muslime an der Schweizer Bevölkerung zunehmen würde.

Umwelt: Klimawandel bereitet Sorgen

Der Klimawandel beschäftigt die Bevölkerung: Zwei von drei Befragten sehen in diesem ein grosses oder eher grosses Problem für die Schweiz. Hingegen sehen bloss acht Prozent gar kein Problem. Rund jeder Vierte erachtet den Klimawandel als kleines oder eher kleines Problem. Mit der im März lancierten Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser» kommt ein Thema auf die politische Agenda, das auch den Bürgern unter den Nägeln brennt: 63 Prozent erkennen im Einsatz von Pestiziden in der Schweiz eine grosse oder eher grosse Gefahr.

Mobilität: Mobility Pricing fällt durch

Die Schweizer Bevölkerung ist mit dem öffentlichen Verkehr im Land mehrheitlich sehr zufrieden. Keine Chance hat derzeit die Idee, die Nutzung der Strasse und Bahn zu verteuern: Satte 82 Prozent lehnen ein solch umfassendes Mobility Pricing ab.

Integration und Migration: Umstrittene Zuwanderung

Drei von vier erleben Ausländer im Bekanntenkreis als gut oder eher gut integriert. Die Zuwanderung bleibt aber ein umstrittenes Thema: Eine Mehrheit von leicht über 50 Prozent empfindet die Zuwanderung aus der EU als zu hoch. Auch bei der Asylpolitik ist die Stimmbevölkerung gespalten: 53 Prozent finden, die Schweiz solle gegenüber Flüchtlingen weniger offen sein. 15 Prozent wünschen sich eine offenere Asylpolitik, für 31 Prozent stimmt die aktuelle Politik.

Aussenpolitik: EGMR spaltet die Stimmbürger

Im Verhältnis Schweiz–EU möchte jeder Zweite den bilateralen Weg weiterentwickeln. 28 Prozent wollen am Status quo festhalten. Nur gerade 7 Prozent sind für einen EU-Beitritt. Der Konflikt von Landes- und Völkerrecht spaltet die Stimmbürger: Eine relative Mehrheit von 48 Prozent findet, dass sich die Schweiz weiterhin an die Urteile des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) halten soll. 45 Prozent finden, die Schweiz solle sich nicht mehr den Urteilen aus Strassburg unterwerfen.

Altersvorsorge: Nein zu höherem Rentenalter

Nach dem Nein zur Altersvorsorge 2020 muss Innenminister Alain Berset eine neue Vorlage aushecken. Laut der Tamedia-Umfrage hat eine Erhöhung des ordentlichen Rentenalters derzeit aber einen schweren Stand: 52 Prozent sind gänzlich dagegen, 46 Prozent können sich eine Erhöhung von mindestens einem Jahr vorstellen.

Sicherheit: Ein Drittel rechnet mit einem Terroranschlag

Die Terrorbedrohung in der Schweiz schätzt die Mehrheit der Stimmbürger als mässig ein: Zwei Drittel halten einen Anschlag in den nächsten zwölf Monaten für sehr unwahrscheinlich oder für unwahrscheinlich, wenn auch möglich. Rund ein Drittel hält einen Anschlag für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich.


Die Themenumfrage wurde in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. 17'143 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 5. und 6. Dezember online an der Umfrage teilgenommen. Sie gewichteten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1.1 Prozentpunkten. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2017, 08:54 Uhr

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