So ein Chabis!

Sabine Reber schreibt über ihre Selbstversuche mit Kohl auf dem Balkon.

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Neulich habe ich ein paar Selbstversuche gemacht mit Kohl auf dem Balkon, mit durchzogenen Resultaten. Sagen wir es mal so: Es eignen sich längst nicht alle Kohlgewächse für den gemütlichen Sommerbalkon.

Jetzt, da der Powerfood Green Juice in aller Munde ist, dachte ich mir, ich versuche das auch mal. Und da der gesunde grüne Kohlsaft ja täglich zu sich genommen werden sollte, um einen richtig gründlich und dauerhaft durchzuputzen, braucht man das Gewächs wohl möglichst in der Nähe. Also auf dem Balkon. Ich hatte noch einen grossen mehrjährigen Kohl (Brassica oleracea var. ramosa) in einem Pflanzsack herumstehen, den ich eigentlich in den Garten bringen wollte. Ewiger Kohl ist im Garten grossartig, blüht nie, schiesst nie auf, und wächst Jahr für Jahr einfach immer weiter. Abgesehen davon, dass die Schnecken ihn heiss lieben, hatte ich damit nie Probleme gehabt.

Also schleppte ich das Riesending auf den Balkon. Das sah erst einmal ziemlich cool aus, gut einen Meter breit und hoch, und wucherte auch bald munter weiter. Sobald das Wetter aber wärmer wurde und die Sonne kräftig auf das saftige Laub des ewigen Kohls schien, bereute ich meine Aktion bitterlich. Wie wir nun gemütlich draussen sassen, stieg uns nämlich penetranter Kohlgeruch in die Nase. Und nicht nur uns. Wahrscheinlich roch man es meilenweit, jedenfalls tauchten alsbald wie aus dem Nichts die weissen Fliegen auf. Nicht nur eine oder zwei, bald war der ganze Kohl in eine weisse schwirrende Wolke gehüllt.

Staubsauger gegen Insekten

Na bravo, sagte ich mir. Und tat, was ich auf dem Balkon meistens tue, wenn ich gar nicht mehr weiterweiss. Ich holte den Staubsauger. Staubsaugen ist allemal besser als Gift. Die Viecher waren im Nu weg, der Kohl aber natürlich total zerfetzt. Sowieso hatte ich nun genug von Kohl auf dem Balkon, also schnitt ich die Stiele in Stücke, um daraus neue ewige Kohlpflanzen zu ziehen. Die kommen dann aber definitiv in den Garten!

Was sich hingegen prima bewährt hat, sind Kohlrabi auf dem Balkon. Sie wachsen so rasch und bilden verhältnismässig so wenig Laub, dass sie olfaktorisch kein Problem bereiten. Wenn sie nur genug Feuchtigkeit haben, bilden sich die knackigen Knollen in weniger als zwei Monaten, sodass ich sie längst geerntet habe, bevor weisse Fliegen auch nur gemerkt haben, was da für Leckereien zwischen meinen Balkonblumen heranwachsen. Tatsächlich schmecken die Kohlrabi nur dann richtig süss und zart, wenn sie zügig gewachsen sind. Dann essen wir sie gleich roh und als Ganzes, wie Äpfel. Sobald ihr Wachstum ins Stocken gerät, werden die Knollen hölzig, dann hilft auch Kochen und weisse Sosse nicht mehr viel.

Von März bis August pflanze ich jeweils ein paar Kohlrabisetzlinge, zusammen mit Salatsetzlingen, in die Lücken zwischen den Blumen und Kübelpflanzen. Einfach alles bunt durcheinandermischen, damit die weissen Fliegen bloss den Kohlgeruch nicht von weitem wahrnehmen und auf dem Balkon einfallen. Kapuzinerkresse und Tomaten sind ideal, da sie ihrerseits einen starken Duft abgeben, der die Viecher ablenkt. Auch Duftpelargonien sind dafür prädestiniert. Tomaten und Duftpelargonien wird übrigens auch nachgesagt, dass sie Mücken fernhalten sollen.

Aber zurück zum Kohlrabi, dem meiner Meinung nach einzigen für den Balkon wirklich gut geeigneten Kohlgewächs: Die violetten Sorten sind im Allgemeinen robuster als die weissen. Und bei den Setzlingen wähle ich eher die kleinen aus, sie wachsen besser an als die grösseren. Grosse Kohlgewächse wie Rosenkohl, Blumenkohl oder meterhoher Spitzkabis hingegen gedeihen definitiv besser auf einem tiefgründigen, humosen Gemüsebeet. Sie brauchen viel Nahrung, und vor allem brauchen sie lange, um zu wachsen. Und je länger sie so grün und saftig dastehen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Geruch Viecher anlockt und der Gemütlichkeit auf dem Balkon Abbruch tut.

Ein Experiment mit geringem Risiko auf dem Selbstversorgerbalkon ist Broccoli. Der wächst im Garten immer erstaunlich schnell, er bildet nicht viel Laub und ist olfaktorisch einigermassen diskret. Jedenfalls hab ich darauf noch nie weisse Fliegen oder Kohlweisslinge gesehen. Ich werde im September ein paar Broccolisetzlinge auf den Balkon nehmen und Sie auf dem Laufenden halten. Diesen Frühling konnte ich schönen Broccoli vom Herbst ernten, der den milden Winter bestens überstanden hatte. Es ist immer einen Versuch wert.

www.sabinesgarten.ch

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Erstellt: 05.07.2014, 07:03 Uhr

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