So glücklich sind die Schweizer Eltern

Ein neues Familienbarometer zeigt, wie zufrieden Eltern in der Deutschschweiz mit ihrer Situation sind. Die Familienfreude wird von mehreren Punkten getrübt.

Das sagen die Eltern über die Familie

Das sagen die Eltern über die Familie


Prozent

Quelle: «Fritz und Fränzi»


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Die grosse Mehrheit der Eltern in der deutschen Schweiz ist mit ihrer Familie «glücklich» oder sogar «sehr glücklich». Das erste Familienbarometer des Elternmagazins «Fritz und Fränzi» zeigt aber auch, dass Wunsch und Realität zum Teil weit auseinanderklaffen.

Befragt hat die Agentur Marketing one Service im März dieses Jahres 1000 Personen in der Deutschschweiz. Einbezogen wurden Eltern mit Kindern bis zu 18 Jahren. Das Resultat sei ein repräsentatives Bild der heutigen Befindlichkeit der Familien, sagte Projektleiter Philipp Hammer vor den Medien in Zürich.

Laut «Fritz Fänzi»-Redaktionsleiterin Eveline von Arx zeigen die Ergebnisse, dass moderne Familien auch heute noch an traditionellen Werten festhalten und das Konstrukt «Familie» mit Gefühlen wie Zusammengehörigkeit, Liebe und Geborgenheit verbinden.

So gaben 96 Prozent der befragten Eltern an, in ihrer Familie «glücklich» oder gar «sehr glücklich» zu sein. Auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie wurde von 97 Prozent als «hoch» eingeschätzt.

Auf die Frage nach dem Hauptgrund dafür, weshalb sie Kinder haben, erklärten 38 Prozent der Eltern, dass sie in den Kindern den «Sinn des Lebens sehen». 28 Prozent haben Nachwuchs, weil sie «Kinder gerne mögen».

Rahmenbedingungen verbessern

Die Glücksgefühle stehen allerdings im Kontrast zu den geäusserten Zweifeln an der Familienfreundlichkeit der Schweiz, wie von Arx feststellte. So vertrat mehr als die Hälfte der Befragten die Meinung, dass mehr für die Familie getan werden müsste.

An erster Stelle stehen Betreuungsangebote. Diese werden von rund 38 Prozent als ungenügend taxiert. Jede fünfte Familie beklagt sich zudem über zu geringe Kinderzulagen. Besonders Alleinerziehende sind der Auffassung, dass Kinderzulagen erhöht werden müssten. Stark ist auch der Wunsch nach lukrativeren Steuervorteilen für Familien.

Kontrovers sind die Meinungen über den Wert der Familienarbeit in der Gesellschaft. Für mehr als die Hälfte der Befragten haben die täglichen Verrichtungen im Haushalt einen tiefen Stellenwert. Die grosse Mehrheit ist auch der Meinung, dass Hausfrauen und -männer einen Lohn erhalten sollten.

Alltägliche Reibereien bringen Stress

Für alleinerziehende Eltern bedeutet eine Familie in erster Linie eine finanzielle Belastung. 18 Prozent der Befragten gaben überdies an, durch Stress, Konflikte und Streitigkeiten oft überfordert zu sein.

Konflikte gibt es gemäss dem Elternbarometer mehrheitlich zwischen Eltern und Kindern. Dabei geht es vor allem um alltägliche Reibereien wie etwa Benehmen, Aufgabenteilung im Haushalt oder Ausgang. Zunehmend Anlass zu Auseinandersetzungen gibt aber auch der Medienkonsum der Kinder.

Für den Zürcher Kinder- und Jugendarzt Remo Largo sind die Ergebnisse der Studie nicht überraschend. Die Rahmenbedingungen für Familien in der Schweiz seien alles andere als gut. Wunsch und Realität klafften in einzelnen Bereichen weit auseinander.

Verschiedene Studien zeigten, dass rund 80 Prozent der Frauen zwischen 20 und 30 Jahren den Wunsch nach einem Kind hätten. Die Realität sei jedoch, dass statistisch pro Schweizer Familien nur 1,4 Kinder geboren würden.

«Wir haben uns nicht mehr reproduziert, sondern haben Menschen importiert», betonte Largo. Entsprechend gross seien nun die Probleme in der Migrationspolitik. «Wenn wir wieder mehr Kinder wollen, so muss die Gesellschaft kinderfreundlicher werden.»

Laut Largo ist es heute schwierig, Kinder aufzuziehen. Der wichtigste Faktor sei die fehlende Zeit. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, sei nicht einfach. Das habe die Gesellschaft aber noch nicht eingesehen, es fehle der politische Wille, etwas daran zu ändern.

Frauen sollen eigene Partei gründen

Die Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit könnten nur von den Frauen gelöst werden, zeigte sich der Kinderarzt überzeugt. Die Männer seien dazu nicht imstande. «Ich rate deshalb den Frauen, eine Frauen- oder Familienpartei zu gründen.» Largo ist überzeugt, dass eine solche Partei innert kürzester Zeit einen Wähleranteil von 20 Prozent erreichen würde.

Die Umfrage zur Befindlichkeit der Eltern führte «Fritz Fränzi» aus Anlass des 10-Jahr-Jubiläums durch. Herausgegeben wird das Magazin von der Stiftung Elternsein. Wie Stiftungspräsidentin Ellen Ringier erklärte, hat es sich die Stiftung zur Aufgabe gemacht, Eltern in ihrer Kompetenz zu stärken, andererseits aber auch die Öffentlichkeit für familienspezifische Themen zu sensibilisieren. Familien seien heute zunehmend mit schwierigen Problemen konfrontiert. (miw/sda)

Erstellt: 17.06.2011, 15:01 Uhr

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