Hintergrund

So wird Eltern das Arbeitsleben vermiest

Wenn der Chef nicht mitmacht, wird für Mütter und Väter der Berufsalltag schnell mal zur Hölle – die Liste der sechs grössten Gemeinheiten gegenüber Eltern.

«Sie haben es ja so gewollt!»: Angestellte der Frankfurter Börse mit Baby im Handelsraum.

«Sie haben es ja so gewollt!»: Angestellte der Frankfurter Börse mit Baby im Handelsraum. Bild: Reuters

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Viel ist in diesen Zeiten die Rede von der Vereinbarkeit des Jobs mit der Familie, von tollen Krippenplätzen, von Teilzeitarbeit allenthalben und flexiblen Arbeitszeiten. Doch die Tücken und Gemeinheiten zeigen sich im Berufsalltag. Lesen Sie unsere nicht ganz ernst gemeinte Anleitung für Vorgesetzte, wie sie Eltern garantiert mürbe machen. (Lesen Sie dazu auch: Der Vereinbarkeits-Mythos).

1. Honorieren Sie zusätzliche Präsenzstunden! Die Extra-Stunden abends zwischen 18 und 20 Uhr sind oft entscheidend für die Wahrnehmung der Produktivität. Also genau dann, wenn berufstätige Eltern aus dem Büro stürmen müssen, weil sie die grösste familiäre Belastung noch vor sich haben: Kinder abholen, Tages-Themen anhören, Aufgaben machen, Abendessen kochen und die viel gelobte Quality Time nutzen. Dabei, liebe Chefs, würde so mancher Elternteil von 18 bis 20 Uhr lieber Mails beantworten, die kommende Sitzung vorbereiten oder «Spiegel online» lesen – und damit auch zum Kreis der besonders Fleissigen zählen.

2. Verweisen Sie auf (unerreichbare) Vorbilder! Die Superfrauen, die Karriere, Kinder und Partnerschaft locker auf die Reihe kriegen und dabei noch gut aussehen und medial präsent sind, die beeindrucken uns alle. Genau wie Superman-Comics und Heldengeschichten sind sie wichtig. Fatal wird es allerdings für normalsterbliche Eltern, wenn Turbo-Mamas wie Heidi Klum oder Vorzeige-Papas wie Brad Pitt zum allgemeinen Massstab werden. Das führt zu massiver Überforderung. Oder gar zur Totalkapitulation.

3. Informieren Sie nicht schriftlich, sondern persönlich und informell! Ja, mündliche Team-Informationen ergeben ein gutes Gruppengefühl – bei allen, die anwesend sein können. Für alle anderen – und das sind in der Regel die Teilzeitangestellten – wird bei solch einer Kommunikationskultur die Informationsbeschaffung zum Spiessrutenlauf. Sie müssen immer nachfragen, wenn sie denn überhaupt wissen, dass es etwas zu fragen gibt.

4. Laden Sie spontan zu Apéros und Teamtreffs! Apéros sind immer nett. (Lesen Sie dazu auch: Schluss mit Küssen im Büro!) Bloss: Eltern können nur selten spontan zusagen. Ihre Terminkoordination ist im durchorganisierten Familienalltag eine Herausforderung. Mama und Papa können nicht kurzfristig an den Apéro, sondern müssen regelmässig nach Hause.

5. Weisen Sie auf Grenzen hin, immer wieder! Sagen Sie berufstätigen Eltern: «Auch der Hans im Schneckenloch kann nicht alles haben!» Weisen Sie teilzeitbeschäftigte Mamas und Papas immer wieder mal darauf hin, dass es für engagierte Eltern eben Grenzen gibt bei der beruflichen Karriere. Und sollte jemand reklamieren, dann ist die passende Antwort: «Sie haben es ja so gewollt. Sie haben sich für eine Familie entschieden!»

6. Schliessen Sie von sich auf andere! Die schlimmsten Chefs für teilzeitbeschäftigte Eltern sind berufstätige Familienväter mit Alleinernährerfunktion und kinderlose Frauen zwischen 40 und 50 – also Frauen und Männer, die sich bedingungslos der Karriere verschrieben haben und ein Leben ohne Kinder wählten. Gehören Sie als Chef oder als Chefin zu dieser Gruppe, so können Sie Eltern besonders hart plagen. Sagen Sie schlicht: «Auch ich musste mich entscheiden, auch ich kann nicht alles haben.»

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Erstellt: 15.08.2011, 22:03 Uhr

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