Steck zieht Karriereende in Betracht

Der Streit mit den Sherpas am Mount Everest hat bei Extrembergsteiger Ueli Steck Spuren hinterlassen: Er mache sich nun Gedanken über seine Zukunft, sagt er in einem Interview.

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Erstmals nach seiner Rückkehr in die Schweiz hat sich Extrembergsteiger Ueli Steck zur gewalttätigen Auseinandersetzung am Mount Everest geäussert. In der Sendung «10vor10» erzählt Steck, dass sein Expeditionskollege Simone Moro die Sherpas provoziert habe. Nachdem Steck und seine Kollegen von Sherpas bedrängt worden seien, habe Moro einem der Sherpas gesagt: «Motherfucker, what are you doing?» Das sei ein Fehler gewesen, sagt Steck gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Er begründet das aufbrausende Verhalten seines Kollegen mit dessen Temperament: «Er ist halt so. Ein Italiener.»

Ansonsten habe die Dreiergruppe nichts falsch gemacht, man habe den Sherpas keinen Schaden zugefügt, sagt Steck. Sie hätten sie auch nicht an ihrer Arbeit gehindert, wie dies schon verschiedentlich behauptet worden sei. Moro habe sich später für die Äusserung entschuldigen wollen. Die Reaktion der Sherpas sei aber völlig inakzeptabel gewesen.

Bei Steck hat der Vorfall offenbar bleibende Spuren hinterlassen: Er mache sich nun Gedanken über seine Zukunft, sagt er im Interview. «Im Moment überlege ich mir, ob ich das Ganze bleiben lassen und etwas anderes machen soll – und nur noch für mich selber bergsteigen gehen. Das wird ein grosser Entscheid sein für mich.»

Steck musste fliehen

Die drei Alpinisten waren in einem Everest-Lager von bis zu 80 bis 90 Sherpas bedroht worden und mussten die Flucht ergreifen. Die Sherpas drohten offenbar, die Kletterer umzubringen. Nachdem Steck bereits einen Stein am Kopf abbekommen hatte, flüchtete er in ein Zelt: «Ich war mir sicher, dass ich nicht mehr lebend von hier wegkomme. Draussen warteten Dutzende Menschen, die nur noch eins wollten: dich kaltmachen», schildert Steck die Situation.

Nachdem der Streit doch noch geschlichtet werden konnte, wurde der 36-Jährige in ein Spital in der Hauptstadt Kathmandu gebracht. Raj Kumar, ein Polizeibeamter des nepalesischen Bergdorfs Lukla, sagte, Stecks Gesundheitszustand sei «normal» gewesen. Nach einer Nacht im Spital wurde er im Helikopter wieder ins Basislager zurückgeflogen. Die Expedition war für ihn nach dem Streit mit den Sherpas aber vorzeitig zu Ende. (kpn/mrs)

Erstellt: 06.05.2013, 22:35 Uhr

«Das wird ein grosser Entscheid für mich»: Ueli Steck im Interview mit «10vor10». (Bild: Screenshot SRF)

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