Stich ins Wespennest

Im Garten haben wir ja öfter mal mit unerwünschten Viechern zu tun. Die meisten lassen sich auf freundliche Weise vertreiben oder umsiedeln. Ein grosses Wespennest schonend wegzuzaubern aber ist so eine Sache.

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Grundsätzlich bin ich dafür, die Viecher im Garten leben zu lassen. Läuse und weisse Fliegen spritze ich mit dem Gartenschlauch weg, wenn sie überhand nehmen. Weinbergschnecken fliegen über den Zaun in die wilde Wiese, wo sie in Ruhe weiterfressen dürfen. Aber das fussballgrosse Wespennest direkt neben unserem Sitzplatz, das machte mir dann doch etwas Sorgen. Zumal die Wespen bald der Meinung waren, der ganze Platz gehöre ihnen, und jedes Mal heftig angriffen, wenn ich auch nur wagte, in einigen Metern Distanz an ihnen vorbeizuschleichen.

Bald war auch der Weg unterhalb des Platzes Wespenterritorium, und sie griffen nicht nur mich an, sondern auch alle anderen, die es wagten, den oberen Teil des Gartens zu betreten. Als sie sich dann auch noch über die fast reifen Aprikosen hermachten, reichte es mir. Es wäre die erste richtig gute Ernte gewesen, und nun waren sämtliche Früchte zerfressen und nur noch für Kuchen und Marmelade zu gebrauchen. Da waren die Wespen bei aller Toleranz nun zu weit gegangen, und ich schielte schon nach den Insektensprays, die den Sommer über in jedem Supermarkt rumstehen. Geht nicht, sagte die Vernunft, weil das nicht bio ist. Aber etwas musste geschehen. Und leider sah es ganz so aus, dass diese Aufgabe mir zufallen würde.

Teilweise als Bestäuber nützlich

Mein Gärtnerkollege, der mir sonst bei gröberen Aktionen stets zuverlässig zur Hand geht, erklärte, er habe schon dreimal bei Kunden Wespennester entfernt, und das reiche, er habe sich geschworen, das nie wieder zu tun. Mein Partner murmelte etwas von Feuerwehr kommen lassen und allergisch auf Wespenstiche und so, und dass es ja eigentlich sowieso mein Garten sei.

Bei biogarten.ch las ich, dass Wespen als Insektenjäger und teilweise auch als Bestäuber nützlich seien, und wo immer möglich geschont werden sollten. Auf der Webseite wird zur Bekämpfung ein Gerät namens «Waspinator » empfohlen, ein grauer Beutel, der in Form und Farbe einem Wespennest ähnelt. Offenbar würden die Wespen ihn als feindliches Nest anschauen, und die Flucht ergreifen. Bestimmt eine super Idee, wenn es sich nur um ein paar lästige Wespen handelt, die das gemütliche Zvieri im Garten stören. Aber das Nest meiner ungebetenen Gäste war schon einiges grösser als der Waspinator, und sie würden sich von einem kleineren Pseudonest wohl nicht einfach in die Flucht schlagen lassen.

In den Tiefkühler damit

«Staubsauger », sagte ein Bekannter, er habe schon mal ein ganzes Nest eingesaugt, und den Staubbeutel dann in den Wald gelegt, wo die Wespen unbeschadet das Weite gesucht hätten. Leider gibt es in dem betroffenen Garten aber weit und breit keine Steckdose. «Einfrieren», sagte schliesslich die Imkerin, die ich noch um Rat fragte, «schleich dich nachts an, wenn die Wespen schlafen, pack sie in eine Kiste, und dann in den Tiefkühler damit, dort schlafen sie sanft und schmerzlos ein. »

Einfrieren funktioniert ja auch bei Wegschnecken problemlos. Warum also nicht ein Wespennest im Tiefkühler unschädlich machen? Ich schaute gleich mal nach, ob da noch Platz vorhanden wäre. Daheim natürlich alles voll mit Glacé für die Kinder, aber im Atelier haben wir ein grosses Gefrierfach, da kämen die Wespen dann zu den Wollpullovern meiner Kollegin, die sie dort zwecks Mottenbehandlung eingelagert hat.

Sie schienen nun riesig!

Etwas Sorgen machte mir aber das Einfangen. Also bereitete ich mich minutiös vor. Ich zog meine dickste Lederhose an, Stiefel, Skijacke, und setzte mir den Vespahelm meines Partners auf den Kopf. Sobald es eindunkelte, klappte ich das Visier runter und schlich mich an das Nest heran. Ich hatte einen Sack dabei, und eine Kiste. Und für alle Fälle, falls alles furchtbar schief laufen sollte, hatte ich dann noch auch noch einen von diesen Wespensprays aus dem Supermarkt mitgehen lassen, meine Gedanken kreisten um Notwehr versus Bio und nützliche Bestäuber, ich kam da zu keinem gescheiten Schluss, nahm den Spray aber jedenfalls dann doch mit.

In meiner Montur schwitzte ich wie verrückt, und das Visier beschlug sich bald. Als die ersten Wespen trotz Dunkelheit aus dem Nest auf mich zuflogen, sahen sie viel grösser aus als am Tag. Und es surrten immer mehr Wespen heraus, sie wirkten sichtlich nervös, was meinerseits natürlich nicht gerade zur Beruhigung beitrug. Ziemlich dumm stand ich da mit meiner Kiste und dem Sack, und wusste nicht recht weiter. Ich hatte mir doch so sehr vorgenommen, die Wespen heldenhaft und biologisch korrekt im Tiefkühler unschädlich zu machen. Wie nun aber die ersten gegen das Visier donnerten – und sie schienen nun riesig! –, verliess mich das letzte Quentchen Mut, und ich redete mir ein, das sei nun eben tatsächlich Notwehr.

Erstellt: 02.08.2014, 07:38 Uhr

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