TV verliert Zuschauer, Netflix profitiert nicht

Junge schauen in der Schweiz immer weniger in die Röhre, dafür umso mehr Videos im Internet. Nur die Generation 60 plus ist dem Fernseher treu geblieben.

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Einst war der Fernseher ein von der ganzen Welt bevorzugtes Fenster zur Aussenwelt. In den Nuller-Jahren lag der TV-Konsum des Durchschnittsschweizers noch bei 145 Minuten pro Tag, wie Zahlen des Instituts Mediapulse belegen. Seit 2009 schwinden die Zahlen, zuletzt lagen sie bei 124 Minuten pro Tag.

Nur die Altergruppe 60 plus ist dem Fernseher noch treu. Sie ist es auch, welche die No-Billag-Initiative trotz des SRG-Zuschauerschwunds zum Scheitern bringen könnte. Laut dem Institut Fors der Universität Lausanne gehen über 60-Jährige doppelt so häufig an die Urne wie die 18- bis 39-Jährigen.

«Die junge Generation, die hat von zwei Dingen zu wenig: Geld und Zeit. Optionen hat sie unendlich», sagt der Schweizer Filmwissenschaftler Vinzenz Hediger zum «Sonntagsblick».

Gratis Videos im Netz

Während die Senioren an Wochenenden fast vier Stunden pro Tag vor dem Fernseher sitzen, verbringen die 15- bis 29-Jährigen gerade einmal eine Stunde mit dem klassischen Medium. Sie bevorzugen Videos aus dem Internet, etwa solche von Youtube. Jeder kann dort uneingeschränkt gratis Inhalte beziehen.

Konkrete Nutzerzahlen veröffentlicht die zum Google-Imperium gehörende Streamingplattform allerdings nicht, wie der «Sonntagsblick» weiter schreibt. Moritz Büchi, Medienforscher von der Universität Zürich, hält diesbezüglich jedoch fest, dass 65 Prozent aller Internet-Nutzer Videos schauen. Nach seinen Erkenntnissen würden 100 Prozent aller 14- bis 19-Jährigen Videos per Internet konsumieren, allerdings nur 27 Prozent von den über 70-Jährigen.

110 Millionen Netflix-Abonnenten

Auch um den amerikanische Unterhaltungskonzern Netflix ist in den vergangenen Jahren ein Hype entstanden. Weltweit besitzen heute rund 110 Millionen Menschen ein Netflix-Abo. Doch läuft es in der Schweiz auch so gut?

Darüber gebe der Konzern laut Bericht keine Auskunft. Insidern zufolge sollen es aber gerade einmal fünf Prozent der Schweizer Haushalte sein, die ein Abo besitzen. Es besteht bei der Serien- und Filmeplattform hierzulande also noch Luft nach oben. Eine mögliche Erklärung: Netflix ist nach wie vor Nische, nicht Massenphänomen, so die Einschätzung des «Sonntagsblicks».

(kaf)

Erstellt: 07.01.2018, 09:23 Uhr

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