Polemik

Taub im Laub

Die Idiotie von Laubbläsern wird nur noch von jener ihrer Anwender übertroffen.

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Es ist Herbst, die Blätter tanzen von den Bäumen. Auf und ab, im aufständischen Spiel mit Wind und Schwerkraft. Stundenlang könnte man dem lustigen Treiben zusehen. Doch halt – was ist das? Laub schiesst im Höllentempo in die Luft, begleitet von einem nicht minder infernalischem Lärm! Ach ja, ein Laubbläser.

Nun gehen sie wieder ihrer sinnlosen Arbeit nach, die Vasallen der städtischen Strassenreinigung. Nicht nur Herbstimmung und Trommelfell sind ihre Feinde. Auch auf die Luft und damit unsere Lungen haben sie es abgesehen. Ausserdem pusten sie Krankheitserreger durch die Gegend. Und dass das Laub unter Büschen Insekten und Kleintieren Unterschlupf bietet und die Verrottung der Blätter den Boden nährt, kümmert sie nicht.

Den Dreck von einer Ecke in die andere blasend, erinnern die Saubermacher an unfähige Beamte, die Traktanden planlos vertagen – oder noch schlimmer: Probleme erfinden, wo keine sind. Wobei die Beamten-Metapher nicht nötig wäre; die städtischen Laubbläser befolgen ja tatsächlich Befehle irgendeiner Verwaltung. Nicht einmal vor den Fried(!)höfen machen die Putzer mit ihren Geräten auf dem Rücken halt. Dass sie dabei wie Ghostbusters aussehen, ist das einzig Stimmige an ihrem Tun.

Moderne Sisyphus-Arbeit?

Wenn man Blätter schon als natürliche Feinde des Asphalts betrachtet - wie wäre es mit dem guten alten Besen oder dem Rechen? Allein, wo früher ein Mensch war, ist heute eine Maschine respektive ein Maschinenmann. Offiziell wird freilich mit Personalkosten und Zeitaufwand argumentiert. (Der Chef des Werkhofs Solothurn seufzt zum Thema: «Unsere Arbeiter sehen jeweils im Rückspiegel der Putzmaschine, wie das Laub hinter ihnen auf die soeben geputzte Strasse fällt.») Laubblasen – eine moderne Sisyphus-Arbeit? Was für ein Witz. Trotzdem ein Vorschlag: Warum nicht Arbeitslose einsetzen? Analog den Parkplatzkontrolleuren?

Wenigstens gelingt es der Stadt den hiesigen Reinigungswahn als Gefahreneindämmung (Rutschige Trottoirs! Verklebte Geleise!) zu tarnen. Die privaten Laub-Rambos aber – und das ist die schlimmere Sorte – terrorisieren einen aus Spass am Gerät. Über die genauen Gründe mag man gar nicht nachdenken. Wahrscheinlich verleiht ihnen das Gartengewehr ein martialisches Kribbeln, ein Gefühl, auf einer Mission zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass jemand mehrmals pro Woche mit umgeschnallter Lärmmaschine minutenlang in einen Busch hineinbläst, um auch noch das letzte Blatt im Geäst rauszukriegen?

Dazu passt übrigens, dass man keine weiblichen Laubbläser sieht. Hat jemand Phallus-Symbol gesagt?

Meinungen zu Sinn und Unsinn der Laubbläserei bitte unten eintragen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.10.2010, 13:03 Uhr

Schlimm: Städtischer Laubbläser.

Schlimmer: Privater Laubbläser.

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