Tipps für den optimalen Festivalgenuss

Am 20. September startet das 8. Zurich Film Festival – doch der kluge Cineast bereitet sich jetzt schon aufs Kinofest vor. Wir wissen wie.

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Filmfreunden wird jetzt schon ganz warm ums Herz – mit der Vorfreude auf das Kinofest in Zürich tauchen aber auch essenzielle Fragen auf.

1. Wie plane ich richtig?
Liegt das Programm auf dem Tisch, heisst es abwägen, auswählen und die Sichtung der Filme virtuos aufeinander abstimmen wie auch die zur Verfügung stehende Zeit und die persönlichen Kraftreserven optimal verplanen. Wenns sein muss mithilfe einer Excel-Tabelle. Schliesslich will man keinen als sehenswert eingestuften Film verpassen. Für den Festivalneuling gilt hier, nicht allzu viel Zeit zu vergeuden und mutig Entscheidungen zu treffen, weil der Vorverkauf gleich am 6. September ab 12 Uhr losgeht. Wer nicht erleben will, mit ausgedruckter Excel-Tabelle vor dem Schalter zu stehen und zu erfahren, dass nur noch in der ersten Reihe ganz links was frei ist, muss sich ein bisschen sputen. Der geübte Cineast sorgt vor und nimmt am besten gleich Ferien zwischen dem 20. und dem 30. September. Das erleichtert die Planung erheblich. Ausser Filme zu schauen, will man eh nichts an Terminen im Kalender haben.

2. Muss ich erreichbar sein?
Das Handy auszuschalten, wäre grundsätzlich eine gute Idee, würde man nicht gelegentlich doch neben einem Spezi in einer Vorstellung sitzen wollen. Und der ist ja gerne dann wie ein irrendes Schaf unterwegs auf der Suche nach dem Könner, der die Tickets im Vorverkauf besorgt oder im Internet heruntergeladen und ausgedruckt hat. Es versteht sich von selbst, dass dieser froh ist, telefonisch in die richtige Richtung gelotst zu werden.

3. Wie komme ich mit der Security klar?
Am besten, indem man sie weiträumig umgeht. Die Jungs in den schwarzen Anzügen und dem Knopf im Ohr sind mit trainierter Finstermiene ja dafür besorgt, dass auch jeder merkt, wie wichtig die Leute sind, die sie schützend in die Innereien des Kinos geleiten. Und dafür brauchen sie Platz. Eine echte Cineastin lässt das Getue natürlich kalt. Da kann, wie an einem früheren Zurich Film Festival auch, schon mal ein Morgan Freeman flockigen Schrittes in dunkelrot glänzendem Jackenteil an einem vorbeigleiten, ohne dass man hysterisch zusammenbricht oder sich von Weinkrämpfen geschüttelt mit der Security anlegt, um ein Autogramm zu erbetteln. Das wird auch dieses Jahr nicht anders sein. Wenn dann also beispielsweise John Travolta an einem vorbeirauschen sollte, einfach gleichgültig herumlungern und sich davon überzeugen, dass auch ein Weltstar nur mit Wasser kocht.

4. Wie vermeide ich ungewollten Promi-Kontakt?
Dass auch Promis nur Menschen sind, weiss ja jeder. Aber dennoch steht alljährlich wieder eine ganze Horde Pressefotografen vor dem schätzungsweise dreieinhalb Meter langen grünen roten Teppich vor dem Corso und wartet auf die Sterne aus Südkalifornien und die Cervelatprominenz aus Politik und Kultur. Nicht, dass man jetzt denkt, da wäre nur der Mainstream anwesend. Weit gefehlt, da kommen auch mal die Dänen vorbei oder jemand aus Südamerika. Gegen die muss man ja auch nichts haben, weil man sie in der Regel ohnehin erst kennt, wenn man in einer Vorstellung war, bei der sie im Anschluss Fragen beantwortet haben. Die sind also kein Problem, sondern im Gegenteil eine echte Bereicherung. Und bei den ganz Berühmten muss man sich eh keine Sorgen machen, dass die einem zu nahe kommen. Schwieriger ist es mit den nationalen Mittelberühmten. Die begegnen einem dann schon mal auf der Damentoilette beim Versuch, sich aufgebrezelt durch die WC-Tür zu zwängen. Will man keine Promis sehen, empfiehlt es sich, bereits im Vorfeld mittels Programmlektüre zu eruieren, wo sich wer wann herumtreiben könnte.

5. Wie kleide ich mich angemessen?
Während des Festivals trägt der Cineast und die Cineastin was beliebt, denn die meisten Filmemacher und Künstler kommen mit fast genauso gewöhnlichen Klamotten in die Vorstellungen wie wir alle. Nur dass die eben ganz offiziell mehr Stil haben. Weil ein Celebrity, während unsereins einfach kurz in den Kleiderschrank greift und überzieht, was sich gerade noch so auf dem Weg zum nächsten Film vom Bügel reissen lässt, mitunter den Stilberater dabeihat. Entourage und so.

Erstellt: 31.08.2012, 21:47 Uhr

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Worauf Sie sich freuen dürfen

Das 8. Zurich Film festival startet am 20. September und dauert 10 Tage. Sie dürfen sich jetzt schon freuen auf:


  • Filmperlen, die man vielleicht nirgendwo anders mehr zu sehen kriegt. (Das detaillierte Programm gibts ab dem 6. September)

  • Erstmals gibt es auch einen Filmmusikwettbewerb mit Finalistenkonzert.

  • Das Gastland in der Programmreihe «Neue Welt Sicht» ist dieses Mal Schweden.

  • Richard Gere wird den Golden Icon Award abholen und bringt seine Filmpartnerin aus «Arbitrage», Susan Sarandon, mit.

  • Tom Tykwer kriegt den A Tribute to... Award überreicht.

  • John Travolta kommt in Begleitung von Oliver Stone mit dem Eröffnungsfilm «Savages» und um den Lifetime Achievement Award entgegenzunehmen.

Journalismus-Workshop

Dieser Artikel entstand in einem Online-Intensivkurs an der SAL (Schule für Angewandte Linguistik in Zürich). Marion Schaad studiert im sechsten Semester Journalismus.

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