Porträt

Tragischer Held

Ron Hubbard war kein Universalgenie und auch kein Kriegsheld. Der Gründer von Scientology hat seine Biografie geschönt.

Soll Schriftsteller, Flugpionier, Filmemacher bei Expeditionen und vieles mehr gewesen sein: Ron Hubbard.

Soll Schriftsteller, Flugpionier, Filmemacher bei Expeditionen und vieles mehr gewesen sein: Ron Hubbard. Bild: Keystone

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Mit pompösen Festen feiern die Scientologen an diesem Wochenende weltweit den 100. Geburtstag ihres Gründers Ron Hubbard. Obwohl der Sektenführer vor 25 Jahren gestorben ist, verehren sie ihn wie einen lebenden Messias. In vielen Zentren ist ein Büro für ihn eingerichtet, das nur das Putzpersonal betritt. Es soll signalisieren: Hubbard ist hier, zumindest sein Geist. Die Scientologen sprechen denn auch gern in der Gegenwartsform von ihrem Gründer, denn das Genie ist in ihren Augen unsterblich. Um dem Publikum das epochale Jubiläum nahe zu bringen, verbreitet Scientology in Inseraten seine Heldentaten. Auch in Zürich.

400'000 Reisekilometer

In der Scientology-Version tritt uns Hubbard als Universalgenie entgegen. Mit drei Jahren konnte er lesen, mit 14, also 1925, reiste er durch mehrere Länder Asiens. In Nordchina studierte er «bei asiatischen Mönchen die geistige Bestimmung der Menschheit». Bevor er an der George Washington University das Studium begann, soll er bereits über 400'000 Reisekilometer zurückgelegt haben. «Mit 21 Jahren beschloss er seine Hochschulstudien mit einer Eins», heisst es in einer Broschüre. Hubbard soll Schriftsteller, Forscher auf geistes- und naturwissenschaftlichen Gebieten, Flugpionier, Filmemacher bei Expeditionen und vieles mehr gewesen sein.

«Verdacht auf Geistesgestörtheit»

Was er als junger Mann in nur sieben Jahren angeblich vollbracht hat, dafür bräuchten sterbliche Wesen ein ganzes Leben. Viele Heldentaten entsprangen aber seiner Fantasie, so auch sein Hochschulabschluss, denn davon weiss die Uni nichts. Kurz: Die offiziellen Biografien enthalten ähnlich viel Fiktion wie seine Bücher und Heilslehre.

Besonders amüsant lesen sich die kriegerischen Grosstaten des Scientology-Gründers. Bei einem Marineeinsatz wurde er an der Front halb blind, gelähmt und «in Stücke geschossen». Die Ärzte hätten ihn aufgegeben, doch er heilte sich selbst – und entdeckte dabei die Grundlagen von Scientology. In Wirklichkeit bekam er wegen eines Magengeschwürs und Arthritis eine Rente. Ein amerikanischer Journalist fand heraus, dass ein Beamter folgenden Vermerk an die Hubbard-Akte heftete: «Verdacht auf Geistesgestörtheit.»

Erstellt: 10.03.2011, 21:53 Uhr

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