Trachselwald

US-Täufer wollen Berner Schloss neues Leben einhauchen

Die Nutzung des Schlosses Trachselwald im Emmental ist seit längerem ungewiss. Täufergruppen aus Nordamerika sollen die fehlenden Millionen beisteuern.

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Wie weiter mit dem Schloss Trachselwald? Diese Frage war lange Zeit offen. Nun scheint sich eine Lösung abzuzeichnen: Täufergruppen aus Nordamerika interessieren sich für das historische Gebäude in der Emmentaler Gemeinde. Was steckt dahinter? Wird das Schloss ein religiöses Zentrum, eine Art Bibelschule?

«Nein», antwortet Christian Waber. «Es geht vielmehr darum, die Liegenschaft für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu halten», so der Sumiswalder Gemeindepräsident, der sich seit kurzem zusammen mit Trachselwalder Behörden für das Projekt starkmacht. Das markante Schloss soll zum Begegnungszentrum für das Emmental werden, das für verschiedene Anlässe, etwa für Hochzeiten, gemietet werden könnte. Das entspricht derjenigen Nutzung, die eine Gruppe um Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher für das Schloss vorgesehen hatte. Zusätzlich soll eine Art historisches Zentrum entstehen, das sich der Täufergeschichte widmet. Denn diese ist eng mit dem Schloss Trachselwald verknüpft: Hunderte dieser Andersgläubigen waren als Gefangene in den Verliesen des Schlosses eingesperrt. Viele von ihnen flüchteten anschliessend ausser Landes, etwa Richtung Übersee. Waber dazu: «Der Kanton Bern steht gegenüber dem Täufertum in einer historischen Schuld.»

Historisch bedeutsam

Die Bedeutung des Schlosses in der Geschichte der Mennoniten erklärt deren Interesse am Erhalt der Liegenschaft. Aus E-Mails und Briefen von nordamerikanischen Täuferorganisationen tritt diese emotionale Bindung deutlich hervor. Bislang hätten rund ein Dutzend Mennonitenorganisationen dem Projekt Schloss Trachselwald ihre Unterstützung zugesichert.

Derzeit nutzt die Emmental Tours AG das Schloss für touristische Angebote. Dass nun überhaupt nach einer neuen Nutzung gesucht wird, hat mit dem Auszug des Regierungsstatthalteramtes im Jahr 2009 zu tun. Damals ging eine jahrhundertelange Tradition bernischer Verwaltungstätigkeit auf dem Schloss zu Ende. Statthalter Markus Grossenbacher arbeitete ab 2007 vergebens an einem Umnutzungsprojekt. Vor einem Jahr warfen er und seine Mitstreiter desillusioniert den Bettel hin: Am Ende fehlten zwei Millionen Franken. Genau dieser Betrag soll nun als Kapital in den Verein oder die Stiftung «Schloss Trachselwald» fliessen. Diese Organisation soll laut Christian Waber in Kürze gegründet werden. Wer ihr angehören wird, ist unklar, es dürfte sich aber auf Schweizer Seite um Exponenten aus den Gemeinden Sumiswald und Trachselwald handeln. Die amerikanischen Täufer wären via Schweizer Vertreter eingebunden.

Noch keine Zusagen

Das notwendige Geld soll nun aus nordamerikanischen Täuferkreisen eingebracht werden. Verbindliche Angebote existieren allerdings noch keine, «nur Zusagen zur Unterstützung», wie Waber mitteilt. Der Kanton habe zugesichert, das Schloss für den symbolischen Betrag von einem Franken zu überlassen. Waber rechnet nun wie bereits die Gruppe um Grossenbacher mit einem Beitrag aus dem Lotteriefonds. Vor einem Jahr war von 1,3 Millionen Franken die Rede. Wie hoch die Unterstützung dieses Mal sein wird, ist unklar: Man habe noch nie ein Unterstützungsgesuch im Zusammenhang mit dem Schloss Trachselwald erhalten, heisst es beim Lotteriefonds.

Unklar ist auch, weshalb beim Dossier Schloss Trachselwald plötzlich ein hohes Tempo angeschlagen wird, nachdem ein Jahr lang nichts ging. Laut Christian Waber hätten mehrere Private Interesse an der Liegenschaft gezeigt. «Wir wollen verhindern, dass sie in private Hände fällt.» Nur: Der Kanton hat stets betont, eine öffentliche Nutzung anzustreben. Ein Verkauf an Private stehe nicht zur Diskussion, teilt Gerhard Ammann, Sprecher der Baudirektion, mit.

Erstellt: 25.03.2014, 13:49 Uhr

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