Und plötzlich redet sie Klartext

Eine Doku über Meghan Markle und Prinz Harry löst Kontroversen aus. Nun ist sie auf Deutsch zu sehen.

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Wird Meghan gleich in Tränen ausbrechen? Der Reporter Tom Bradby hat sie soeben gefragt, wie sie das vergangene Jahr als Neu-Royal erlebt habe, welche Auswirkungen der immense öffentliche Druck auf ihre physische und psychische Gesundheit habe. Es ist der letzte Tag eines anstrengenden Afrikabesuchs, die erste offizielle Reise als Familie. Die entscheidende Szene aus der Dokumentation «Harry & Meghan: An African Journey».

Sie lächelt gequält, atmet hörbar ein und aus, presst die Lippen aufeinander, beginnt zu reden, hält inne. Sucht sie, die Schauspielerin, die Tränen? Oder versucht sie, die Herzogin, diese zu unterdrücken? Oder spricht hier einfach nur Meghan Markle? Jede Frau fühle sich verletzlich, vor allem, wenn sie schwanger sei, antwortet sie schliesslich ausweichend. Es sei für jede Frau schwer, sich in der Rolle als Ehefrau und Mutter zurechtzufinden.

Herzogin Meghan spricht gegenüber Tom Bradby Klartext.

Tom Bradby lässt nicht locker. «Könnte man also sagen, es geht Ihnen nicht wirklich gut? Ist es ein Kampf für Sie?» Die Kamera zoomt Meghans Gesicht noch ein wenig näher heran. Sie beisst sich auf die Backenzähne und sagt schliesslich: «Ja.» Ihre britischen Freunde hätten sie davor gewarnt, Prinz Harry zu heiraten. Die Presse werde ihr Leben zerstören. Seither ist Feuer unter dem royalen Dach.

Seit der Erstausstrahlung vor zehn Tagen haben die britischen Medien darüber gefühlt mehr diskutiert als über den Brexit und die royalen Fans und Anti-Fans in aller Welt sowieso. X-fach wurden die brisanten Szenen in den sozialen Medien geteilt. Wie konnten Harry und Meghan nur?! Sie sollen gefälligst den Mund halten und lächeln und Gutes tun, das ist schliesslich der Job der Royals. Viele andere wiederum feiern die beiden für ihre Offenheit. Seit gestern Montagabend ist die Doku auch auf Deutsch verfügbar, ARD durfte sie exklusiv in voller Länge ausstrahlen.

Eigentlich ging es um die Projekte in Afrika

Eigentlich hatte das Paar mit der rund 45-minütigen Doku auf verschiedene Projekte aufmerksam machen wollen und sich deswegen auch von Tom Bradby begleiten lassen, dem Nachrichtensprecher bei ITV, dem Sender, auf dem die Queen traditionell ihre Weihnachtsansprache hält. Aber dann kam alles anders, wie auch Bradby in der Einleitung mit bebender Stimme sagte.

Er bemühte sich in der Doku zwar, all das zu zeigen und zu erklären, was die meisten viel weniger interessiert: all die Projekte und Orte, die das royale Paar in Afrika besuchte. Das ist ja schliesslich der Deal. Die Royals nutzen das öffentliche Interesse an ihnen, um auf soziale Anliegen aufmerksam zu machen, die ihnen am Herzen liegen. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Aber natürlich interessierten sich die Zuschauer vor allem für das andere. Ist Meghan wirklich eine berechnende, egoistische Bitch? Stimmt es, dass sie und Schwägerin Catherine sich nicht ausstehen können? Dass sie Harry und seinen Bruder William entzweit hat? Reporter Bradby konzentrierte sich derweil auf das Thema psychischer Druck, hakte immer wieder nach, sowohl bei Prinz Harry als auch bei seiner Frau, die schliesslich nachgaben.

Intimes aus erster Hand

Dass wir solche Dinge aus erster Hand erfahren und nicht wie sonst von «gut unterrichteten Quellen», «engen Freunden» oder «Palast-Insidern», die in den Tabloids auch die schmutzigen Details preisgeben, ist aussergewöhnlich. Deswegen ist die Doku ja auch so brisant. Zumal sich die Geschichte zu wiederholen scheint. Derart deutliche Worte hat, abgesehen von Lady Diana in einem legendären Interview knapp zwei Jahre vor ihrem Tod, noch niemand über das Leben als Royal verloren.

Ausschnitt aus dem legendären Interview mit Harrys Mutter Diana.

Ist dieses Déjà-vu ein Ausdruck dafür, wie fragil das britische Königshaus derzeit ist? Oder ist am Ende alles nur ein Schauspiel, das Herzogin Meghan aufführt, um Diana Nummer 2 zu werden? Jeder Schritt der beiden, jeder Besuch, jedes symbolträchtige Treffen war genau geplant. Oder ist es nur PR? Immerhin setzt sich Harry unter anderem für psychische Gesundheit ein, kürzlich in einem Clip mit Sänger Ed Sheeran.

Ed Sheeran und Prinz Harry in einer Aktion zum Thema psychische Gesundheit.

Die Doku hinterlässt einen anderen Eindruck. Einerseits wegen der Aussagen von Journalist Tom Bradby. Er kenne den Prinzen schon seit 20 Jahren, habe ihn mehrmals begleitet, aber bis zur Afrikareise sei ihm das Ausmass des Drucks, der auf Harry und Meghan laste, nicht bewusst gewesen. Aber vor allem auch wegen Prinz Harry, dessen Aussagen im ganzen Trubel um Meghan beinahe untergingen.

Er habe gedacht, er sei über den Berg, aber jetzt komme alles wieder hoch. «Es ist nicht so, dass ich paranoid bin, aber ich möchte nicht, dass sich die Vergangenheit wiederholt.» Er wisse, dass es zu diesem Job, ja eigentlich zu jedem Job gehöre, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. «Aber ich lasse mich nicht dazu drängen, ein Spiel zu spielen, das meine Mom getötet hat.» Ob diese Dokumentation hierfür hilfreich war? Sicher ist: Es bleibt spannend im britischen Königshaus. Und das ist schliesslich Win-win, selbst wenn dabei jemand zu Schaden kommt.

Erstellt: 29.10.2019, 14:01 Uhr

Infobox

Die deutsche Version von «Harry&Meghan: An African Journey» ist noch bis 27. November in der ARD-Mediathek zu sehen. Hier geht es zur Doku.

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