«Unsere Schnäuze setzen ein Zeichen»

Was in Australien begann, hat mittlerweile auch die Schweiz erreicht: Die Aktion Movember produziert haarige Männergesichter und viel Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema.

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Hunderttausende Männer haben am 1. November zeitgleich ihre Rasierer zur Seite gelegt und mit der Kultivierung eines schon fast ausgestorbenen Accessoires begonnen: Im Rahmen der Aktion «Movember» liessen sie sich während des ganzen Monats einen Schnauzbart (englisch: moustache, daher auch der Name) wachsen. Damit verfolgen sie aber keine (oder höchstens heimlich gehegte) ästhetische Ambitionen, sondern karitative: Die Aufmerksamkeit für Prostatakrebs soll gesteigert werden.

Laut Daniel Cooper von Movember Europe dient der Schnauz in diesem Zusammenhang als Symbol für die Gesundheit des Mannes: Wer die sonst glatt rasierte Oberlippe damit ziere, setze ein Zeichen und provoziere bei den Mitmenschen üblicherweise Reaktionen – und schon sei die Diskussion lanciert.

1,1 Millionen Aktivisten

Geboren wurde die Aktion vor acht Jahren in Melbourne, mittlerweile ist sie zu einer weltweiten Bewegung geworden. 1,1 Millionen Menschen haben sich bis dato als «Mo Bros» oder «Mo Sistas» registrieren lassen – wobei Frauen die Aktion naturgemäss nicht mit ihren Schnauzern, dafür aber mit Spenden unterstützen können.

Spenden zu sammeln ist auch das übergeordnete Ziel des Movembers. Die Organisatoren arbeiten in den einzelnen Ländern jeweils mit Partnerorganisationen zusammen, die sich im Bereich Männergesundheit oder Krebsprävention engagieren. Auf der globalen Homepage, per Facebook oder Mobile Apps können Spenden für die Aktion, aber auch für einzelne Organisationen getätigt werden. Bis 2010 sind so schon 178 Millionen Dollar gesammelt worden. Und 2011 werden voraussichtlich gut 50 Millionen Dollar dazukommen.

Die Tausend-Franken-Schnäuze

Ein Teil davon stammt diesmal auch aus der Schweiz. Es scheint nämlich, als sei die Schnauzbewegung endgültig hier angekommen. Die Spieler des Rugby-Clubs Winterthur beispielsweise unterstützen die Aktion tatkräftig – zumindest diejenigen, die genug Bartwuchs haben: «Das ist leider nicht bei allen der Fall, aber schliesslich ist es der Wille, der zählt», sagt Peter Weber, Spieler beim RCW.

Das Ziel sei jedenfalls schon jetzt erreicht: «Wir werden von allen Seiten auf die Aktion angesprochen. Unsere Schnäuze setzen ein Zeichen.» Am Schluss werde wahrscheinlich auch eine schöne Spendensumme zusammenkommen, zusätzlich zu den Einnahmen aus einer eigens organisierten Movember-Party. «Unsere Schnäuze werden am 30. November wahrscheinlich mehrere Tausend Franken wert sein», schätzt Weber.

Mit einem ähnlich hohen Ertrag rechnet auch Ronnie Rüeger, Goalie bei den Kloten Flyers. Er hat die ganze Mannschaft dazu motiviert, an der Aktion mitzumachen, mit überraschendem Erfolg: «Gestartet haben wir eigentlich ganz klein, im internen Rahmen. Das Echo von aussen ist aber viel grösser als erwartet.» Wie viel Geld die Klotener Schnäuze wert sind, wird sich im Dezember zeigen, wenn die Oberlippen wieder glatt rasiert und die Spenden ausgezählt sind.

Der Nassrasierer setzt den Schlusspunkt

Sowohl die Kloten Flyers als auch der RCW werden das gesammelte Geld an die Krebsliga Schweiz weitergeben. Dort kennt man die Aktion bereits: «Wir wurden dieses Jahr von diversen Organisationen kontaktiert, die beim Movember mitmachen und uns einen Teil der Spenden zukommen lassen wollen», bestätigt Pressesprecherin Nicole Bulliard. Auf dem Spendenkonto seien ausserdem auch Einzahlungen von Privatpersonen eingegangen. Eingesetzt werden diese Gelder laut Bulliard vor allem zur Information im Bereich der Früherkennung von Prostatakrebs – in der Schweiz mit jährlich fast 5800 erkrankten Männern die häufigste Krebsart überhaupt.

Beim RCW freut man sich über den Erfolg der Aktion, aber auch darauf, dass sie bald ein Ende nimmt: Am Abend des 30. Novembers werden die Schnauzer der Rugby-Spieler in einer feierlichen Zeremonie dem Nassrasierer zum Opfer fallen – in der Gewissheit, dass sie in ihrem kurzen Leben viel Gutes getan haben.

Erstellt: 29.11.2011, 14:43 Uhr

Movember bei den Kloten Flyers

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