Viel Gold um nichts: Die Überdosis an Filmfestivals

1947 wurde mit dem internationalen Filmfestival von Locarno das erste Schweizer Filmfestival ins Leben gerufen. Mittlerweile besiedeln an die 30 Filmveranstaltungen das Land. Wo bleibt da die Exklusivität?

Im besten Fall kann gar noch eine Prominenz für den Anlass gebucht werden: Besucherin am Zurich Film Festival.

Im besten Fall kann gar noch eine Prominenz für den Anlass gebucht werden: Besucherin am Zurich Film Festival.

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Es scheint in jede Stadt zu gehören wie der Bahnhof oder die Kirche. Um für Filmemacher eine Plattform zu bieten, ihre Arbeiten in Szene zu setzen, arbeiten Kulturkommissionen monatelang, gar jahrelang an der Umsetzung ihrer Filmveranstaltungen. Langwierige Arbeit, um für einige Tage den Hauch von Glamour und kultureller Bedeutung in ihre Ortschaft zu holen und sich für kurze Zeit in den Mittelpunkt medialer Präsenz zu setzen. Programme werden gedruckt, Werbung geschaltet und Sponsoren an Bord geholt. Juroren verbringen Tage vor Bildschirmen, um sich darüber einig zu werden, welches Werk an der Veranstaltung ausgezeichnet werden soll. Im besten Fall kann gar noch eine Prominenz für den Anlass gebucht werden, um der Show noch mehr (künstliche) Attraktivität zu verleihen. Es werden Filme gezeigt, welche es nicht in die Verleihe geschafft haben. Teils ohne Budget versucht ein Regisseur mindestens einigen Betrachtern Wasser in die Augen zu treiben.

Von A-Festivals bis zu den Emmentaler Filmtagen

Einige Festivals konnten sich einen internationalen Namen machen. So zählt das mit 1,35 Millionen Franken dotierte internationale Filmfestival von Locarno zu den renommiertesten der Schweizer Filmgeschichte. Der Event am Lago Maggiore schaffte es gar, als A-Festival klassifiziert zu werden. Im Tessin wird neben dem goldenen Leoparden auch der Excellence Award Moët & Chandon verliehen, um auch dem vorwiegend kommerziellen Zweck solcher Veranstaltungen Rechnung zu tragen. Auf der anderen Seite kämpfen Miniaturfestivals wie die Emmentaler Filmtage um die Aufmerksamkeit einiger Hundert Besucher. Gezeigt werden Filme, die den wenigsten Betrachtern vor, während oder nach dem Besuch etwas sagen werden und mit einer Urkunde anstatt mit Barem belohnt werden. Es ist zu erwähnen, dass kleine Festivals wie die Emmentaler Filmtage auch einer Non-Profit-Politik zugrunde liegen. Hier steht noch der reine Gedanke, Gelungenes auszuzeichnen, im Vordergrund. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag hält sich vor allem bei kleineren Veranstaltungen in keiner Weise die Waage.

Zu viele Preise

Bei der Anzahl in der Schweiz verliehener Preise lässt sich irgendwann nicht mehr einschätzen, welche Leistung wirklich herausragend war. So kann es weder für den Filmemacher noch für den Zuschauer eine Befriedigung sein, ein neues Werk an einem No-Name-Festival vorgeführt zu bekommen. Der Produzent nimmt die Chance, seinen Film einem Publikum vorzuführen, dann aber trotzdem wahr, weil ansonsten gar keiner seinen Streifen zu sehen bekäme.

Würde es nicht für Produzenten wie auch für Zuschauer einen kulturellen Mehrwert darstellen, sich nur noch für einige ausgewählte, dafür aber qualifizierte Filmfestivals zu entscheiden, ohne wahre Qualität in einer Unmenge von Preisvergaben zu verlieren? Die Arbeit der Beteiligten würde sich dadurch um ein Vielfaches hervorheben.

Erstellt: 13.09.2012, 13:19 Uhr

Lorenz von Meiss ist Student an der SAL Schule für Angewandte Linguistik in Zürich. (Bild: Simone Rohner)

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Online-Workshop

Dieser Artikel entstand in einem Online-Intensivkurs an der SAL Schule für Angewandte Linguistik in Zürich. Lorenz von Meiss studiert im 2 Semester Journalismus.

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