Viel Prominenz im Öl-Protest

Vivienne Westwood ruft zum Kampf gegen Shell auf. Gekommen sind die ganz Grossen.

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Sie hat sie alle bekommen. Kate Moss, George Clooney, Chris Martin, Rita Ora, Judi Dench, Jerry Hall und deren Tochter Georgia May Jagger, insgesamt 60 Berühmtheiten und natürlich Vivienne Westwood persönlich liessen sich vom nicht weniger berühmten Andy Gotts in Schwarzweiss fotografieren. Jetzt stehen sie da und tragen ein weisses T-Shirt, entworfen von Westwood, auf dem sie dazu aufruft, die Arktis zu retten. Zwei Wochen lang, bis gestern Sonntag, hingen die Porträts in der U-Bahn-Station Waterloo in London, und das nicht ohne Grund: Dies ist die Station, die am nahesten beim Hauptsitz von Shell liegt.

Aktionen im Nebenberuf

Dame Vivienne Westwood mag den Ölkonzern nicht. Gemeinsam mit Greenpeace ruft sie dazu auf, gegen dessen geplante Bohrtätigkeiten im ewigen Eis zu protestieren. Sieben Millionen Menschen haben auf www.savethearctic.com bereits unterschrieben – beziehungsweise, wie das heutzutage funktioniert, geklickt. Eisbären finden alle herzig, und Shell ist hässlich und böse, da ist man gern dagegen. Und so ein Klick tut nicht weh und ist gut fürs Gewissen.

Für Vivienne Westwood, mit 74 rüstig und rebellisch, ist die Aktion nur eine von vielen in ihrer langen Laufbahn. Aber sie meint es ernst. Sie war immer politisch, nicht nur in den Anfängen, als sie mit Malcolm McLaren den Punk einkleidete. Sie blieb bis heute sozusagen nebenberuflich Protestlerin: Auf den Sitzplätzen ihrer Prêt-à-porter-Schauen lagen stets Faltblätter mit kämpferischen Aufrufen aller Art. Sie setzte sich für den Regenwald ein und für fairen Kaffeehandel, und sie wehrte sich gegen die Ein­führung der Anti-Terror-Gesetze mit T-Shirts, auf denen stand: «I am not a terrorist.» Sie weibelte gegen Fracking, rief in einem Manifest dazu auf, der generellen Propaganda zu widerstehen, und ­votierte zuletzt, obschon Britin, für die Unabhängigkeit Schottlands. Mit zunehmendem Alter wird sie, ganz eindeutig, noch radikaler. Unlängst erklärte sie, nicht mehr die Mode, sondern der Kampf gegen die Klimaerwärmung sei jetzt ihre Hauptaufgabe. Sie war immer ein Querkopf und irgendwie Anti-Mode. Letztes Jahr meinte sie, die Leute sollten weniger Kleider kaufen.

Gegen die Ignoranz

Die Branche verdrehte darob nur die Augen. Nicht nur, weil solche Aktionen ihren monetären Interessen zuwiderlaufen, sondern auch, weil Mode apolitisch und reaktionär ist. Sie schert sich nicht um gesellschaftliche Debatten, sie zelebriert vielmehr den Luxus mit schmerzhaft-arroganter Ignoranz; drei Viertel aller Designer zeigen gern und viel Pelz. Immer öfter wird zwar die Nachhaltigkeit bemüht, aber letztlich handelt es sich dabei bloss um Imagepflege. Denn so viel Bio-Baumwolle, wie zu T-Shirts verarbeitet werden soll, wird gar nicht angepflanzt.

Man muss es Vivienne Westwood lassen: Bei ihr war das Engagement nie nur Attitüde. Sie ist Protestlerin mit Leib und Seele – und immer noch ein Punk.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.07.2015, 17:17 Uhr

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