Vom Ballast befreite Wohltäter

Gutes zu tun, lohnt sich für Unternehmen nicht. Und das ist gut so.

Sich gegenüber der Gesellschaft verantwortlich zu geben, bringt keinen Profit: Die Nestlé-Firmenleitung in Lausanne.

Sich gegenüber der Gesellschaft verantwortlich zu geben, bringt keinen Profit: Die Nestlé-Firmenleitung in Lausanne. Bild: Keystone

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Lohnt es sich finanziell, wenn eine Firma freiwillig etwas für eine bessere Welt tut? Wenn sie kulturelle Anliegen unterstützt, besonders ökologisch handelt, Minderheiten berücksichtigt und grosszügige Löhne bezahlt?

Nein, befand der US-Wirtschaftswissenschafter Milton Friedman 1970: «Die soziale Verantwortung von Unternehmen liegt in der Steigerung ihrer Gewinne.» Ja, sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan 2001. Soziales Engagement nütze den Aktionären.

Corporate Social Responsability (CSR) wurde darauf zum Modetrend, fleissig beworben von Marketingabteilungen. Unzählige wissenschaftliche Studien bejahten den finanziellen Vorteil für ein Unternehmen.

162 davon hat die Wirtschaftssoziologin Katja Rost in einer Metastudie untersucht. Die Professorin der Universität Zürich kommt zum Schluss, dass sich ein positiver Einfluss von CSR auf die Unternehmensperformance empirisch nicht nachweisen lässt. Soziales Engagement bringe zwar etwas ein, verursache für die Firma aber auch Kosten, sagt Rost. Unter dem Strich sei die Wirkung neutral. Der vermeintlich positive Effekt beruhe auf der selektiven Veröffentlichung von ausschliesslich positiven Resultaten.

Für Kunden wirds einfacher

Der Fingerzeig ist wichtig. Er befreit das soziale Engagement von Unternehmen von seinem monetären Rechtfertigungsballast. Friedman hat übertrieben. Annan auch. Es zahlt sich nicht in klingender Münze aus, wenn sich ein Unternehmen sozial einsetzt. Allein damit befasste sich Katja Rosts Studie. Die ethische Frage, in welchem Ausmass Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen sollen, war nicht das Thema.

Jede Firma kann nun freier entscheiden, wie viel sie tun will. Die Chancen steigen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Jenes Unternehmen, das aus Überzeugung freiwillig etwas für die Gesellschaft tut, wird damit fortfahren. Andere, die nur aus kurzfristigen Gewinnüberlegungen auf den CSR-Zug aufsprangen, werden es nun bleiben lassen. Das erleichtert uns, den Kunden und Anlegerinnen, den Entscheid, wo wir kaufen wollen.

Erstellt: 24.06.2015, 22:53 Uhr

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