Waffennarren

Zwei Jugendliche spielen Krieg. Ein Gespräch.

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Die Jugendlichen D und K sitzen nachts auf einer Bank.

K: Hey.

D: Hey.

K: Hast du mir ein Bier?

D: Klar, Mann.

K: Prost!

D: Prost.

K: Weisst du, was ich dabeihabe?

D: Was?

K: Ne Knarre.

D: So ein Quatsch.

K: Glaubst du mir nicht?

D: Woher hast du die?

K: Hab ich mir geholt, Mann.

D: Wir hatten doch ausgemacht, dass du aufhörst mit diesem Waffenzeugs.

K: Und du? Du hast doch auch lauter Knarren.

D: Aber die sind bei uns zu Hause in einem dicken Schrank, die nehm ich nicht raus.

K: Warum habt ihr dann welche, wenn du sie nicht rausnimmst?

D: Du hast eh keine Knarre.

K: Dann guck doch mal hier.

D: Krass.

K: Krass geil, oder?

D: Ist die geladen?

K: Klar.

D: Glaube ich dir nicht.

K: Klar, Donald.

D: So ein Scheiss, Kim, das ist eine Attrappe, wie auch schon die letzte, die du überall rumgezeigt hast. Du hast gar kein Geld, um dir ne echte Knarre zu besorgen, hast keine Munition, du hast ja eh keine Ahnung, wie man die benutzt.

K: Glaubst du?

Kim richtet die Pistole, schiesst auf einen Baum.

D: Hey spinnst du? Hast du nichts Besseres in deinem Leben zu tun?

K: Bleib locker, Mann, gib mir ein Bier.

D: Ein Bier? Kannst vergessen, Kim. Ich trink doch nicht ein Bier mit einem kriminellen Verrückten, der eine Waffe in der Hand hat.

K: Du nennst mich einen Verrückten?

D: Leg die Knarre weg, dann kriegst du dein Bier.

K: Ich geb die Knarre nicht ab.

D: Dann kriegst du nie wieder was von mir. Nichts mehr kriegst du, auch von meinen Freunden nicht.

K: Na und? Dann probier ich meine Pistole an dir aus und nehm mir, was ich will, haha.

D: Hör auf mit deinen Drohungen, sonst schlag ich dich mit Feuer und Wut, wie es die Welt noch nie gesehen hat!

K: Bist voll grössenwahnsinnig, Donald.

D: Meine Knarre hat mehr Feuerkraft als deine. Zwanzigmal mehr.

K: Aber du hast sie nicht dabei.

D: Doch, sie ist entsichert und geladen.

K: Meine auch.

D: Wenn du nicht bereit bist sie abzulegen, dann . . .

K: Dann?

D: . . . dann hab ich keine andere Wahl, als dich komplett zu zerstören.

Donald greift zu seiner Pistole, sie stehen einander mit gezückten Waffen gegenüber.

K: Die Zeiten, in denen ich mich mit einer Waffe erpressen lasse, sind vorbei.

D: Ich werde immer der Stärkere bleiben, du geisteskranker Mörder.

K: Wenn du mich nur einmal berührst, drücke ich gnadenlos ab.

D: Du bist auf einer Selbstmordmission.

K: Du bist selber auf einer Selbstmordmission.

D: Kleiner Knarrenmann.

K: Geisteskranker und dementer Greis.

D: Mit dir kann man eh nicht reden, du verstehst nur eins.

K: Dich kann man nur mit einem Schuss bändigen.

D: Ich bin bereit zu schiessen.

Im Haus gegenüber geht ein Fenster auf.

Irma (schreit aus dem Fenster): Ruhe! Wenn ihr mit euren Waffen spielen wollt, macht das woanders!

Kim: Wir spielen nicht, das ist Krieg.

Irma: Krieg? Worum geht denn euer Krieg?

Kim: Ehm . . .

Irma: Ideologie? Politik? Religion? Werte?

Donald: Es geht um Waffen.

Irma: Sag ich doch, wenn ihr mit Waffen spielen wollt, fliegt zum Mars! Es gibt hier Leute, die in Frieden schlafen wollen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2017, 23:03 Uhr

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