Warum reden Frauen so viel?

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«Wer redet, übernimmt Arbeit, nämlich die Arbeit der Konversation»: Szene aus «Sex and the City».

«Wer redet, übernimmt Arbeit, nämlich die Arbeit der Konversation»: Szene aus «Sex and the City».

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Um ungewohnt weiblich fadengerade auf den Punkt zu kommen: Weil es verbal einfach immer so viel zu tun gibt. Da muss dauernd etwas besprochen und aufgearbeitet und mitgeteilt werden, da muss analysiert und hinterfragt und Rat gesucht und Kummer abgeladen und das Gewissen erleichtert werden, da muss gebeichtet und getratscht und der Teufel an die Wand gemalt und gezickt und geschimpft und gejammert werden. Weil der Mensch ein soziales Wesen ist und überhaupt: Communication is life!

Zudem ist es höflich. Wer redet, übernimmt Arbeit, nämlich die Arbeit der Konversation. Frauen werden dazu erzogen, dem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben, es emotional abzuholen, wie das heute heisst. Weshalb sie Fragen stellen und Anteil nehmen und Interesse zeigen und Konversation betreiben, ergo: reden. Nichts ist für Frauen so schrecklich wie in einer Runde das Kratzen von Besteck auf den Tellern zu hören, nichts so ein Zeichen des eigenen Versagens wie peinliche Stille, die nur von Räuspern und Hüsteln unterbrochen wird.

Männer sollten die weibliche Konversationskunst schätzen.

Frauen sind daher bemüht, ein Gespräch am Laufen zu halten, auf dass es dahinplätschere wie ein nie versiegender Strom, und man, gerade in Gesellschaft, angeregt wirke und eben nicht gelangweilt oder übrig geblieben. Das ist eindeutig ein Pluspunkt. Vor niemandem fürchtet man sich nämlich so sehr wie vor jenen Mitmenschen, die sich an Apéros neben einen stellen und einfach nichts sagen, und man weiss, als Frau erst recht, dass man jetzt übernehmen muss, weil das sonst genauso aussieht, wie es sich anfühlt, nämlich todtraurig und verzweifelt und voll losermässig.

Männer sollten darum die weibliche Konversationskunst nicht monieren, sondern schätzen. Erst recht bei Monologen. Derweil können die nämlich einfach dasitzen und an den richtigen Stellen «hmh» machen und «aha», «verrückt» und «neinaberauch» sagen, und komplett ungestört überlegen, wie es wohl in der Serie weitergeht, die sie gerade am schauen sind oder das Dafür und Dawider für den Erwerb eines Tesla oder eines Elektrovelos abwägen oder zur endgültigen Antwort kommen, ob die Brüste der Frau an der Bar nun echt seien oder nicht.

Denn interessanterweise werden Männer erst dann, wenn es sozusagen offiziell wird, gesprächig, also dann, wenn es um den grossen Auftritt geht. An Hochzeitstafeln zum Beispiel. Oder an Sitzungen. Dann können die auf einmal reden. Und reden. Und reden.

Gegenfrage: Wieso?

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 05.10.2018, 14:46 Uhr

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