Hintergrund

Warum sich so viele Männer so toll finden

Wer auf eine Affäre aus ist, überschätzt die eigene Anziehungskraft – das beweist nun die Forschung. Und erklärt auch, weshalb das durchaus Sinn macht – zumindest für den Mann.

Obacht, Frauen! Nicht überall, wo Superman draufsteht, ist auch Superman drin. (Szene aus «Superman Returns»)

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Den Kerl kennen wir doch alle: Er findet sich unwiderstehlich – dabei ist er bestenfalls ein Trostpreis, schlimmstenfalls ein aufdringlicher Trottel. Das Phänomen der männlichen Selbstüberschätzung ist denn auch vielfach belegt. Zum ersten Mal aber wurde die Sache nun en détail erforscht: Wer findet sich so toll? Und weshalb?

Um dies herauszufinden, stellten zwei Psychologen des Williams College in Massachusetts sowie der Universität von Texas in Austin je rund hundert männliche und weibliche Testpersonen in einer Speed-Dating-Anordnung gegenüber. Zuvor hatten die jungen Männer und Frauen ihre eigene Attraktivität und ihre eigene Bereitschaft für ein sexuelles Abenteuer eingeschätzt. (Lesen Sie auch: «Wie viele Männer hatten Sie?»)

Nur attraktive Männer sind realistische Männer

Dann, im eigentlichen Test, mussten sie nach jeder Begegnung das Gegenüber einordnen: Wie attraktiv war die Person? Und wie scharf war sie auf ein Abenteuer? Am Ende kamen fünf klare Muster heraus:

1. Die Männer, die ein grosses Interesse an einem Abenteuer hatten, neigten dazu, das Begehren der Frauen zu überschätzen.

2. Männer, die sich selber attraktiv fanden, lagen öfter falsch: Sie glaubten, dass die Frauen für ein Abenteuer zu haben seien – obwohl sie es gar nicht waren.

3. Männer, die von den Frauen als attraktiv beurteilt wurden, machten diesen Fehler nicht: Sie schätzten die Absichten der Frauen realistischer ein. (Lesen Sie auch: «Was Frauen an Männern lieben».)

4. Je attraktiver die Männer eine Frau fanden, desto mehr überschätzten sie deren Interesse.

5. Frauen hingegen schätzten das Interesse der Männer eher tiefer ein, als es in Wirklichkeit war.

Mit anderen Worten: Es ist alles ein grosses Missverständnis. Die, die wollen, wissen es nicht. Die, die könnten, halten sich zurück. Und die, die nicht gewollt werden, finden sich super.

Rote Ohren, abgesägte Hosen

Was soll das? Eine der Autorinnen, die Evolutionspsychologin Carin Perilloux, mutmasst, dass es einen tieferen Grund für den männlichen Hang zur Selbstüberschätzung geben muss: Sonst wäre diese nicht so häufig anzutreffen. Ihre Interpretation: Ein Mann kann auf der Dating-Wildbahn zwei Fehler machen – entweder er glaubt fälschlicherweise, dass eine Frau ihn toll findet. Oder er glaubt, dass sie nichts von ihm will – obwohl sie interessiert wäre. Im ersten Fall steht er schlimmstenfalls mit roten Ohren respektive abgesägten Hosenbeinen da. Im zweiten Fall aber lässt er eine grosse Chance sausen. (Lesen Sie auch: «Weshalb Männer fremdgehen»)

Was wäre schlimmer? Die Antwort: Es ist nur schon evolutionsbiologisch vernünftig, dass sich der Mann eher überschätzt als realistisch einordnet. Lediglich jene Männer, die wirklich attraktiv sind, haben Grund zur realistischen Selbstwahrnehmung.

Aufgepasst, Frauen!

Die praktischen Lektionen, die sich aus der Studie ergeben: Frauen sollten sich bewusst sein, dass ihre Andeutungen zu positiv wahrgenommen werden. Und Männer sollten wissen, dass sie eher dazu neigen, ihre Chancen zu überschätzen – je mehr, desto attraktiver sie eine Frau finden.

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Erstellt: 03.01.2012, 21:24 Uhr

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Erforscht den männlichen Hang zur Selbstüberschätzung: Evolutionspsychologin Carin Perilloux.

Die Ergebnisse im Detail

Die erwähnte Studie erscheint in der Januarausgabe von «Psychological Science». Mehr dazu: «All It Takes is A Smile», Association for Psychological Science, Dezember 2011.

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