Hintergrund

Was uns die Wissenschaft über die Ehe lehrt

Flaute im Bett, Haushalts-Streit und Machtspiele. Kaum ein Bereich der Ehe, der von Wissenschaftlern nicht untersucht worden ist. Die Autorin Tara Parker-Pope hat die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

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Häufigster Streitpunkt von verheirateten Paaren ist die Aufteilung der Haushaltsarbeit. Frauen ärgern sich über die herumliegenden Kleider ihres Göttergatten oder verfluchen seine Sandwichresten im Wohnzimmer. Forscher raten Frauen zu mehr Nachsicht.

Denn der Mann ist nicht etwa ein fauler Sack oder ein unsensibler Macho, er hat die Sachen schlicht und einfach nicht gesehen, beziehungsweise sie wurden von seinem Gehirn nicht registriert.

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Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler, die sich der Problematik des Haushaltskrieges angenommen haben. Das männliche Gehirn nimmt Details wie Farben und Beschaffenheit nicht so gut wahr wie das weibliche Gehirn. Mit der Folge, dass Männer herumliegende Sachen nicht sehen. Der Ethnologe George Peter Murdock sieht die Ursache dieser unterschiedlichen Wahrnehmung bei unseren Vorfahren. Weil sich in der Vergangenheit der Mann vor allem um das Jagen und Fischen kümmerte, war er darauf trainiert, den Horizont abzusuchen, sprich sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht in Einzelheiten zu verlieren. Die Frauen aber, die zu Hause kochten und putzten, konzentrierten sich auf die Details vor ihrer Nase. Diese geschlechterspezifische Weit- und Nahsicht hat sich bis in die heutigen Tage gehalten.

Die Ehe – eine Wissenschaft

Nachzulesen ist dies im soeben erschienenen Ratgeber «In guten wie in schlechten Tagen. Die Ehe –eine Wissenschaft». Die Autorin Tara Parker-Pope begann nach dem eigenen Ehe-Aus, sich intensiv mit der Komplexität von Paarbeziehungen auseinanderzusetzen, und untersuchte zu diesem Zweck Hunderte von wissenschaftlichen Studien und interviewte «ein Dutzend der besten Beziehungsforscher der Welt». Bei der Suche nach Antworten auf das Scheitern ihrer Ehe stiess Parker-Pope auf Interessantes sowie Kurioses zum Thema Ehe. Vor allem aber kam die Autorin zum Schluss, dass alles in allem «eine Ehe guttut».

Verheiratete leben länger als Singles

Wobei hier noch anzufügen wäre, dass nur eine gute Ehe guttut. Denn wer von morgens bis abends streitet, dem ist ein Magengeschwür früher oder später sicher. Doch geht man von einer guten, also harmonischen Ehe aus, zeigen Studien, dass Verheiratete seltener Erkältungen, Krebs und Arthrose haben und sich die offiziell anerkannte Zweierkiste sogar positiv auf die Lebenserwartung auswirkt. Vor allem Männer würden von den gesundheitlichen Vorteilen einer Ehe profitieren, da sie, wenn der Bund fürs Leben einmal geschlossen sei, ungesunde Verhaltensweisen ablegen oder zumindest vermindern würden. Im Klartext: Sobald Männer unter der Haube sind, nehmen wilde Trinkereien ab, oft geben sie das Rauchen auf und gehen zeitig ins Bett, Junkfood verschwindet aus dem Kühlschrank.

Kurioses liest sich im Kapitel, das dem Thema Sex gewidmet wird. So lohnt es sich, die Plattensammlung seines potenziellen Ehepartners unter die Lupe zu nehmen, denn Jazzliebhaber seien um 30 Prozent sexuell aktiver als andere Menschen. Interessant ist auch die Tatsache, dass reiche und arme Menschen mehr Sex haben als die Leute aus der Mittelschicht. Fest steht: Die Ehe hat einen Killereffekt auf das Sexleben, nach einem Jahr Ehe nimmt die Sex-Häufigkeit bereits um 50 Prozent ab.

Doch eine Umfrage des National Health and Social Life Survey relativiert diese niederschmetternde Aussage: Zwar nehme die Quantität ab, aber dafür die Qualität zu. Ehepaare hätten also erfüllenderen Sex als Singles oder Unverheiratete. Und diverse Statistiken zeigen, «dass im Durchschnitt verheiratete Menschen öfter Sex als unverheiratete haben». Denn das Single-Leben weise oft auch längere «Durststrecken» auf. Interessant ist, dass Ehepaare, die die Hausarbeit gerechter aufteilen, auch häufiger miteinander ins Bett gehen. Beteiligt sich der Mann also intensiver am Haushalt, entlastet das die Frau, folglich nehmen Stress und Unzufriedenheit ab und die sexuelle Lust zu. Sich den Staubsauger zu schnappen und sauber zu machen, kann sich also positiv auf das Liebesleben eines Ehepaares auswirken. Oder als Alternative wieder zur Kippe greifen und öfter mal einen über den Durst trinken – denn laut Forschern haben Raucher und Trinker doppelt so viel Sex wie Abstinenzler.

Erstellt: 08.06.2011, 14:12 Uhr

Die Ratgeber-Autorin Tara Parker-Pope («In guten wie in schlechten Tagen», Rowohlt Verlag) ist als Journalistin bei der «New York Times» tätig. Ihr Blog über Gesundheitsthemen gehört zu den meistgelesenen der Zeitung. Sie selbst war siebzehn Jahre verheiratet und ist inzwischen geschieden.

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